Zukunft der Pfefferminzbahn zwischen Vision und Wissenschaft

Bad Sulza.  Förderer der Pfefferminzbahn treffen sich mit Akteuren in Bad Sulza. Lang ersehnte Vorstellung von Diplomarbeit zur Pfefferminzbahn.

Am Montag ist im Conference Center der Toskana Therme die wissenschaftliche Arbeit zur Potential-Analyse der Pfefferminzbahn vorgestellt worden. Auch Bad Sulzas Kurdirektorin Melanie Kornhaas, Bad Sulzas Landgemeinde-Bürgermeister Dirk Schütze und Linken-Bundestagsabgeordneter Ralph Lenkert (v.l.) nahmen an der Veranstaltung teil.

Am Montag ist im Conference Center der Toskana Therme die wissenschaftliche Arbeit zur Potential-Analyse der Pfefferminzbahn vorgestellt worden. Auch Bad Sulzas Kurdirektorin Melanie Kornhaas, Bad Sulzas Landgemeinde-Bürgermeister Dirk Schütze und Linken-Bundestagsabgeordneter Ralph Lenkert (v.l.) nahmen an der Veranstaltung teil.

Foto: Martin Kappel

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Die wohl wichtigste Nachricht vorweg: Durch die wissenschaftliche Arbeit von Felix Meyer, die am Montag öffentlich im Conference Center der Toskana Therme in Bad Sulza vorgestellt wurde, ist der so genannte Prüfauftrag für die Pfefferminzbahn noch nicht abgeschlossen. Dies ist umso wichtiger, als Vertreter von Politik, Verwaltung und der Wirtschaft das Ergebnis in dieser Form nicht akzeptieren wollten – es fehle der Arbeit an visionären Elementen.

Für Felix Meyer muss sich das Feedback teilweise wie ein Déjà-vu angefühlt haben. Vor einem knappen Jahr hatte der damalige Student den Fahrplan für seine Diplomarbeit in einem Bahnwaggon bei den Eisenbahnfreunden Großheringen vorgestellt. Wie damals einige Reichsbahn-Fans in Felix Meyer den Verkehrsminister ausmachten und ihn für die Fehlentwicklungen der letzten Jahre rügten, sollte er zum Wochenbeginn nun den Entwicklungsminister mimen.

Austausch über Fakten und Visionen zur Pfefferminzbahn

Allen voran konnte Ralph Lenkert mit seiner Kritik am Studienergebnis nicht hinter dem Berg halten, der das alles anders sehe. Die Sonderbeziehung Bad Sulza und Jena habe der Verkehrsingenieur nicht ausreichend ins Kalkül gezogen. Entsprechend enttäuscht war der Linken-Bundestagsabgeordnete, dass die auf Zahlen und Fakten erstellte Arbeit lediglich an Wochenenden und Feiertagen fünf tägliche Zugpaare vorsehe, die von Sömmerda bis nach Jena durchfuhren. Ansonsten bleibe es beim faktisch stärker nachgefragten Westabschnitt zwischen Sömmerda und Buttstädt, der auf einen 60-Minuten-Takt verdichtet werden solle. Auch ein leicht enttäuschter Landgemeinde-Bürgermeister Dirk Schütze sah in seiner schönen Kurstadt eine perspektivisch wichtige Wohnraumalternative für die Universitätsstadt Jena, die stärker berücksichtigt werden müsse.

Für die an Wochentagen 14 und an Wochenende acht insgesamt verkehrenden Zugpaare müsse ein zusätzliches Triebfahrzeug angeschafft werden, weswegen der im Fazit der Diplomarbeit vorgeschlagene Fahrplan am Ende sogar weniger wirtschaftlich sei, als die bestehende Verbindung zwischen Sömmerda und Buttstädt. Doch war maximale Wirtschaftlichkeit alleine nicht das Ziel der Arbeit. So führt Felix Meyer in seinen Betrachtungen auf, dass der gegenwärtige Fahrplan keine Anreize für mehr Passagiere auf der Strecke schaffe. Im Gegenteil, das Angebot müsse im Rahmen des begrenzten Budgets ausgeweitet werden, um die Strecke langfristig zu erhalten, die auch für den Schienengüterverkehr eine wichtige Rolle spiele. Letzterer sei für eine Nebenstrecke sogar überdurchschnittlich stark.

Bekenntnis zur Pfeffi-Bahn von CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Gottweiss

Thomas Gottweiss, CDU-Landtagsabgeordneter brachte es später auf den Punkt: „Eine politische Vision ist nicht Aufgabe der Studie, sondern der Politik.“ In diesem Sinne lenkte er die Kritik in eine andere Richtung, die der Handelnden: „Es ist jetzt das Jahrzehnt, in dem sich Deutschland entscheiden muss, wie die CO2-Reduktion erreicht werden kann“, so Thomas Gottweiss. Die Pariser Klimaziele seien nur zu erreichen, wenn mehr Geld in die Hand genommen werde und in den öffentlichen Nahverkehr gesteckt werde. Die Politik müsse für diese Weichenstellung Strecken wie die Pfefferminzbahn erhalten, weil es sonst keine Möglichkeiten mehr gebe, Individualverkehre umzulenken.

Konferenz-Moderatorin Marion Schneider nahm hier besonders die Landrätin Christiane Schmidt-Rose in die Pflicht, sich sichtbarer mit dem Thema Pfefferminzbahn zu beschäftigen. Zusammen mit dem Kreistag könnten Beschlüsse gefasst werden, die über das Austauschen von Visionen hinausgingen. Es gebe Modellprojekte für ländlichen Raum, Fördertöpfe die angezapft werden könnten und zweistellige Millionenbeträge versprächen, ergänzte Thomas Böhm vom Wirtschaftsamt des benachbarten Burgenlandkreises. Sömmerdas Bürgermeister Ralf Hauboldt versprach, über die Kreisgrenzen weitere Gesprächspartner an den runden Tisch zu holen.

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