18. Vereinsschlachtefest in Jesuborn

Jesuborn.  Ein Fünf-Zentner-Schwein landete nach einem glücklichen Bio-Leben auf den Tellern beim Schlachtefest.

Für  Metzger Wolfgang Nordhaus aus Pennewitz war die Hilfe von Joaquim –  seit DDR-Zeiten ist der ehemalige Vertragsarbeiter aus Mosambique eingebürgert –  beim Schlachtefest unverzichtbar.

Für  Metzger Wolfgang Nordhaus aus Pennewitz war die Hilfe von Joaquim – seit DDR-Zeiten ist der ehemalige Vertragsarbeiter aus Mosambique eingebürgert – beim Schlachtefest unverzichtbar.

Foto: Karl-Heinz Veit

„Schauen wir uns doch diesmal lieber die wunderbaren Würste im Kochkessel und am Knackwurstregal an und vergessen, was am Freitag beim fachgerechten Schlachtvorgang notwendig geschehen musste. Ich kann nur sagen, dass unser fünf Zentner schweres Hausschwein in seinem Großbreitenbacher Stall ein glückliches Bio-Leben führte, mit Liebe groß gezogen wurde und dank der Metzgerkunst von Wolfgang Nordhaus sein Leben schmerzfrei hingab, ohne es zu merken“, erzählte der Vereinschef Michael Hartung am Samstagnachmittag. Das fünf Zentner (ein Zentner gleich 50 Kilogramm) schwere Hausschwein war da bereits in schätzungsweise zwei Zentner Wurst im Darm und in Büchsen, 50 frische Bratwürste, einen dicken Batzen Gehacktes, zwei Schüsseln Schnitzfleisch und 15 Liter Schlachtsuppe mit Sago verwandelt worden. Schnell musste aufgeräumt werden, denn am Abend waren die Vereinsmitglieder zum Feiern und zur Wurstverkostung eingeladen. Am Sonntagmorgen zur Frühschoppenzeit gab es den letzten Feierakt mit offiziellen Vertretern aus der Kommunalpolitik und mit befreundeten Vereinen aus Oehrenstock, Dörnfeld und Gräfinau-Angstedt.Es war das 18. Schlachtfest des Heimat- und Bürgervereins, das auch so manche Erinnerungen an jene Zeiten weckte, wo in fast jedem zweiten Jesuborner Haus um diese Zeit ein Schwein geschlachtet und Hausmacherwurst produziert wurde. „Hausschlachten ist ja heutzutage eine Seltenheit. So sehe ich meine Gastrolle in Jesuborn als willkommene Gelegenheit, meine Metzgerkunst wenigstens einmal im Jahr wieder auffrischen zu können in einer geselligen Runde bei lieben Freunden“, meinte Wolfgang Nordhaus aus Pennewitz. Das Arbeiten muss beim Schlachten Hand in Hand gehen. Nur wenn jeder seine Aufgabe kennt und erfüllt, gelingt alles bestens. „Ich habe gepumpt“, erklärte Lutz Krannich und meinte damit die wichtige Tätigkeit, das Blut aus dem Schweinekörper zügig fließen zu lassen. Am Wurstkochkessel draußen auf dem Hof stand Frank Schmidt. Er musste beim stetigen Eintauchen der Würste achtgeben, dass keine von ihnen platzt. Ein solches Handicap hätte nur die Wurstsuppe aufgewertet. Junge unbedarfte Leute waren beim Schlachten nicht dabei. So konnte diesmal keiner in die Nachbarschaft geschickt werden, um das „Wurstmaß“ zu holen. Diese Tätigkeit war früher der Riesenspaß, wenn der jüngste Schlachtgehilfe mit schwer beladener Einkaufstasche zurück kam und irgendwelche Gegenstände auspackte, die überhaupt nichts mit einem Wurstmaß, das es nicht gibt, zu tun hatten.„Unser Wurstvorrat für den internen Vereinsgebrauch reicht nun wieder ein Jahr lang, bis das nächste Schlachtfest steigt“, resümierte Michael Hartung das nur in Jesuborn mitzuerlebende Traditionsevent.