Achava-Festival erstmals in Arnstadt

Arnstadt.  Die Ausstellung „Die Bauten des Martin Schwarz – die Synagoge von Arnstadt“ ist in der Liebfrauenkirche zu sehen.

Beim Achava-Festival in Arnstadt stehen die Kuratoren Judith Rüber und Jörg Kaps vor einem Bild der Synagoge.

Beim Achava-Festival in Arnstadt stehen die Kuratoren Judith Rüber und Jörg Kaps vor einem Bild der Synagoge.

Foto: Berit Richter

„Heute schließt sich ein Kreis“, sagt Judith Rüber als sie am Dienstagabend mit Mit-Kurator Jörg Kaps die Ausstellung „Die Bauten des Martin Schwarz – die Synagoge von Arnstadt“ in der Liebfrauenkirche eröffnet.

Sie erinnert daran, dass es die evangelische Kirchgemeinde war, die Martin Schwarz nach Arnstadt holte, damit er die Türme der Liebfrauenkirche saniere. 1913 baute er die Synagoge. „Die jüdische Gemeinde war klein. Es brauchte lange, bis sie das Geld zusammen hatte“, erklärt Rüber.

Dass an viele Synagogen, welche in der Pogromnacht niederbrannten, heute nichts mehr erinnert, ja die einst heilige Erde wieder bebaut wurde, mitunter schnöde mit einem Einkaufszentrum, sei eine Schande, fügt Rüber noch an. Menschen nicht-christlichen Glaubens hätten es in Deutschland noch immer schwer, ihre Gotteshäuser zu errichten. Dies gelte nicht nur für Synagogen sondern auch für Moscheen.

Vor zwei Jahren hatten Judith Rüber und Jörg Kaps sie schon einmal im Milchhof gezeigt, nun haben sie die Tafeln überarbeitet. Sie erzählen von den fröhlichen Zeiten der Einweihung und vom Horror der Zerstörung am 9. November 1938. Andere Tafeln listen die Namen der Arnstädter Juden auf – viele von ihnen von den Nationalsozialisten ermordet.

160 von ihnen hat Jörg Kaps Dank seiner unermüdlichen Recherche mit Stolpersteinen ein Zeichen der Erinnerung setzen können. Mit bewegter Stimme berichtet er nun von seinen Kontakten zu Überlebenden und Hinterbliebenen, von deren Vergebung, deren Vertrauen, ihrer Größe. „Ich wüsste nicht, ob ich das könnte“, sagt Kaps.

Intendant Martin Kranz ist froh, „dass wir jetzt auch in Arnstadt sind“. Er wisse wohl, um die vielen Aktivitäten, die es hier bereits gibt, um jüdische Kultur und Geschichte lebendig zu halten. „Wir sind hier, um miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt er.

Das ergibt sich oft ganz spontan. So wie mit jenem älteren Herrn, der am Rande der Ausstellung erzählt, wie er als Kind in Weimar die Häftlingstransporte nach Buchenwald miterlebte. Eva Stocker zückt da schnell ihre kleine Videokamera.

Die Regisseurin mit ungarischen Wurzeln, die in der Schweiz lebt, ist immer auf der Suche nach Zeitzeugen. Ihr Dokumentarfilm „Der Krieg gegen die Juden“ wird nicht nur den Abend beschließen, er ist eine Weltpremiere. „Dass diese in einer christlichen Kirche stattfindet, hätte ich nicht für möglich gehalten“, sagt Eva Stocker.

Eva Stocker selbst ist ein Opfer dessen. „Ich hatte in meinem Leben sieben Namen. Wie man richtiger Name lautet, weiß ich nicht. Auch mein Geburtsdatum kenne ich nicht“, sagt sie. Ein Zettel, versteckt in einem Schuhkarton der Adoptivmutter, macht ihr als Teenager deutlich, dass ihre Eltern nicht ihre leiblichen Eltern sind. Doch erst später als sie ein Buch über die Transporte ins Vernichtungslager Auschwitz liest, begreift sie, was dieser wirklich bedeutet.

Wahrscheinlich, so sagt sie, sei sie eines jener Kinder, dass verzweifelte Mütter im Dunklen aus den Waggons an Bahnwärter reichten, um ihnen das Leben zu retten. Dieser brachte sie ins Waisenhaus. Über ihre unglückliche Kindheit dort, mag Eva Stocker nicht reden, viel wichtiger ist ihr mit ihren Filmen, die Verbrechen an den Juden anzuprangern, damit sich Geschichte nie wiederhole.

Fröhlicher geht es in diesen Tagen in der Musikschule zu. Dort proben 25 junge Menschen mit dem international renommierten Klezmer-Klarinettist Helmut Eisel und Mitgliedern des Thüringer Bach Collegiums für ihren Auftritt im Theater.

Die Ausstellung ist bis 18. Oktober von Montag bis Samstag, 11 bis 15 Uhr, und Sonntag, 14 bis 16 Uhr, in der Arnstädter Liebfrauenkirche zu sehen.

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