Landratsamt in Arnstadt beklagt steigende Belastung von Mitarbeitern

Ilm-Kreis.  Von Land und Bund an den Kreis übertragene Aufgaben werden immer aufwendiger und sind nur mit Neueinstellungen zu stemmen.

Im Landratsamt in Arnstadt gibt es längst nicht mehr genug Büros für alle Mitarbeiter. Das Umweltamt zog bereits ins Solarhaus in der Ichtershäuser Straße.

Im Landratsamt in Arnstadt gibt es längst nicht mehr genug Büros für alle Mitarbeiter. Das Umweltamt zog bereits ins Solarhaus in der Ichtershäuser Straße.

Foto: Roland Obst

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Immer wieder bekommt Landrätin Petra Enders (Linke) von der Opposition im Kreistag zu hören, die Verwaltung sei viel zu aufgebläht. Die Amtsleiter aber sehen das ganz anders. 44 neue Stellen hatten die Fachämter im Zuge der Haushaltserstellung bei der Kämmerei beantragt. Viele Leiter sehen ihre Mitarbeiter am Limit, fürchten, dass wichtige Arbeit liegenbleibt. Bescheiden müssen sie sich trotzdem, denn nur 24 neue Stellen fanden Eingang in die Haushaltsplanung für das Jahr 2020.

„Ich hatte fünf neue Mitarbeiter für die EDV beantragt, 2,5 Stellen habe ich bekommen“, musste zum Beispiel Rocco Wünsche, Leiter des Amtes für IT und Organisation, feststellen. „Seit 1995 sind wir nur fünf Mitarbeiter in der EDV, die Aufgaben haben sich seitdem aber deutlich gesteigert.“ Von Bund und Land seien zahlreiche Aufgaben an den Kreis übertragen worden, auch wolle man elektronische Akten einführen. Tatsächlich werden nur zwei der zweieinhalb neuen Stellen auch für die EDV zur Verfügung stehen. Die halbe Stelle soll sich mit der Beantragung und Abrechnung von Fördermitteln zum Schul-Digitalpakt beschäftigen. Dieser wird mehr Aufgaben mit sich bringen, die vorhandenen Stellen im Medienzentrum reichen dafür nicht, findet der Amtsleiter. „Ich gehe davon aus, dass wir dahin kommen müssen, wo der Kreis Schmalkalden-Meiningen als Pilotprojekt schon ist. Ein Mitarbeiter betreut vier Schulen. Wir haben im Ilm-Kreis 42 Schulen, bräuchten also zehn Mitarbeiter“, so Wünsche.

Auch Jörg Ludwig vom Gewerbe-, Verkehrs- und Ordnungsamt verwies auf gestiegene Fallzahlen und neue Gesetzesanforderungen, die dringend weitere Mitarbeiter notwendig machen. Die Zahl der ausländischen Mitbürger, so erklärte Ludwig, stieg von 2050 im Jahr 2009 auf rund 7000. Ein Mitarbeiter bearbeite mittlerweile 988 Fälle, deutlich mehr als die vom Land veranschlagten 450. „Die Terminvergabe in der Ausländerbehörde dauert inzwischen sechs bis zehn Wochen“, sagte Ludwig. „Stellen Sie sich vor, ein Visum hat eine Gültigkeit von drei Monaten. Der Ausländer reicht nicht am gleichen Tag ein, an dem das Visum erstellt wird. Er kommt drei Wochen später hier an, lässt sich zwei Wochen Zeit und bekommt dann keinen Termin mehr rechtzeitig. Stellen Sie sich vor, das passiert an der Technischen Universität mit jemandem, der zur Forschung hier ist.“ Schon gar nicht mehr nach komme das Amt bei Kontrollen der EU-Ausländer. Drei neue Stellen soll die Ausländerbehörde bekommen. Es handele sich um „den übertragenen Wirkungskreis. Den müssen wir erfüllen“, betonte er.

Sozialamtsleiter Wolfgang Krannich verwies unter anderem auf den gestiegenen Arbeitsaufwand, den das Inklusions- und Teilhabegesetz mit sich bringe. Statt Pauschalen auszugeben, müsse nun jeder Antrag sehr intensiv im Gespräch mit dem Betroffenen, mit Werkstätten und Wohnheimen betrachtet werden. Mehr Mitarbeiter brauchen aber auch mehr Platz. „Wir sind bis unters Dach voll“, sagte Beigeordneter Kay Tischer mit Blick aufs Landratsamt. „Das Gebäude ist eigentlich nicht für Verwaltung geeignet. Im letzten Jahr musste das Umweltamt ins Solarhaus am Erfurter Kreuz ausweichen. Aktuell wird eine Ausweichstelle für die Leitstelle gesucht.

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