Angehörige verschieben Trauerfeiern auf die Zeit nach Corona

Ilm-Kreis.  Bestatter im Ilm-Kreis machen in der Krise unterschiedliche Erfahrungen. Schutzausrüstung ist derzeit noch vorhanden.

Der Abschiedsraum in der Trauerhalle auf dem Ilmenauer Friedhof darf derzeit nicht genutzt werden. Trauerfeiern müssen im Freien stattfinden.

Der Abschiedsraum in der Trauerhalle auf dem Ilmenauer Friedhof darf derzeit nicht genutzt werden. Trauerfeiern müssen im Freien stattfinden.

Foto: Ralf Ehrlich

Trauerfeiern dürfen aktuell nur noch unter freiem Himmel stattfinden. Zugelassen sind nur Verwandte ersten und zweiten Grades des Verstorbenen, ein Trauerredner oder Geistlicher sowie das Personal des Bestatters. Seit einer Woche darf laut neuer Thüringer Verordnung auch der engste Freundeskreis teilnehmen. Beim Bestatterverband Thüringen geht man davon aus, dass nicht mehr als zehn Personen anwesend sein sollten, obwohl die Zahl in der Verordnung nicht konkret vorgegeben ist. 60 waren es am Tag nach der Lockerung auf dem Arnstädter Friedhof. Dem Bestatter war die Neuregelung noch nicht bekannt. Ihn wurde versichert, es handele sich um den engsten Freundeskreis, so Sven Tittelbach-Helmrich vom gleichnamigen Bestattungsinstitut in Arnstadt.

Dass Angehörige die Beisetzung verschieben, um später mit mehr Trauergästen kommen zu dürfen, sei die Ausnahme. Derzeit muss eine Urne in Deutschland innerhalb von sechs Monaten beigesetzt werden. Dass viele Trauerfeiern derzeit verschoben werden, beobachtet hingegen Martin Mende. Der Assistent der Geschäftsleitung von Roga-Pietät Bestattungen meint, dass das den Trauerprozess schwieriger machen könne, weil der Abschnitt mit der Grablegung nicht zeitnah erfolge. „Für viele Kunden ist die momentan erlaubte Form des Abschiednehmens keine Option“, so Mende. Auch das Angebot, Videoaufzeichnungen von der Trauerfeier und Beisetzung anzufertigen, werde kaum angenommen.

Ein Problem sieht Mende auf die Bestatter zukommen, wenn die Beschränkungen aufgehoben werden. Dann kommen zu den aktuellen Sterbefällen noch die aufgeschobenen Trauerfeiern aus der Coronakrise hinzu. „Unsere Mitarbeiter können an einem Tag nur eine begrenzte Anzahl Trauerfeiern ausrichten.“ Derzeit werde bei Roga im Ilm-Kreis überlegt, wie der Situation begegnet werden kann. „In normalen Zeiten dauerte es in der Regel zwei Wochen bis zur Trauerfeier an der Urne und Beisetzung, dann sind es vielleicht drei.“

Schutzausrüstungen sind momentan keine Mangelware

Die derzeit erlaubte kleine Form der Trauerfeiern akzeptiert die Kundschaft, sagt Thomas Driefholt. Der Inhaber von Driefholt Bestattungen aus Arnstadt hatte bislang nur einen Fall, wo die Angehörigen bis Mitte Mai warten wollten, in der Hoffnung die Kirchen dürften dann wieder öffnen.

Probleme mit fehlenden Schutzausrüstungen gebe es bei Roga nicht, auch wenn zwischenzeitlich Bestellungen ausfielen. Sogenannte Hygienehüllen seien gerade Mangelware. „Die sollte aber jeder Bestatter auf Vorrat liegen haben, da sie auch in normalen Zeiten gebraucht werden.“ Gut ausgestattet sieht sich auch Sven Tittelbach-Helmrich. „Zu unserer vorhandenen Schutzausrüstung haben wir vom Thüringer Bestatterverband noch Masken bekommen.“ Jetzt Nachschub zu ordern, sei schwierig, so Thomas Haueisen von Bestattungen Wiegand in Ilmenau. „Wir haben aber einen gewissen Vorrat. Wie es aussieht, wenn sich die Situation verschlimmert, müssen wir dann sehen.“

Haueisen hofft, dass die Beschränkungen in den nächsten Tagen gelockert werden. Trauergespräche fänden in den Ilmenauer Bestattungsinstitut oft nur telefonisch statt, Absprachen verliefen vermehrt über E-Mail. Mehr als ein oder zwei Leute seien es beim Trauergespräch bei Sven Tittelbach-Helmrich derzeit auch nicht. Dass beim Bestatter derzeit vieles anders läuft, beginnt schon bei der Abholung der Verstorbenen. Aus Gründen der Desinfektion würden Tragen und keine Särge benutzt, so Tittelbach-Helmrich.

Das schreibt die Thüringer Verordnung zur Virus-Eindämmung vor

Bei Trauerfeiern müssen Teilnehmer mit Symptomen einer Covid-19-Erkrankung sowie Teilnehmer mit jeglichen Erkältungssymptomen ausgeschlossen werden.

Der Veranstalter muss erfragen, ob Teilnehmer Kontakt zu infizierten Personen hatten.

Dies alles ist zu dokumentieren und die Dokumentation ist vier Wochen aufzubewahren.

Der Veranstaltungsort muss mit ausreichenden Möglichkeiten zur guten Belüf­tung ausgestattet sein.

Der Veranstalter muss die Teilnehmer über die allgemeine Schutzmaßnahmen, insbesondere die Händehygiene, das Abstand halten sowie die Husten- und Niesetikette informieren.

Der Veranstalter muss auf deren Einhaltung hinwirken.