Architekt Martin Schwarz veränderte das Arnstädter Stadtbild

Das Wirken von Martin Schwarz als Architekt in Arnstadt kann man an seinen großen Gebäuden im Stadtbild noch heute nachvollziehen, auch wenn einige wie die Synagoge nicht mehr vorhanden sind.

Heute ein Schandfleck: Nach den Plänen von Martin Schwarz erfolgte 1928 der Bau des Arnstädter Milchhofes im Bauhausstil.  Foto: Christiane Fischer

Foto: zgt

Arnstadt. Am 18. Oktober 1885 wurde Heinrich Martin Schwarz in Frankfurt am Main geboren. Nach erfolgreichen Schulbesuch und Architektur-Studium mit den Abschluss als Diplomingenieur ließ sich Schwarz in Arnstadt nieder. Hier begann er seine Tätigkeit als freier Architekt. Er wohnte am Schlossplatz Nr. 1. Im selbigen Haus wohnte auch der Stadtbaurat Anton Acker.

Seine ersten Entwürfe in Arnstadt waren die Baupläne für die jüdische Synagoge in der Krappgartenstraße, welche dann auch 1913 dort eingeweiht wurde. Gleichzeitig arbeitete Schwarz in der Erfurter Straße am Haus Nr. 18, das er als Geschäfts- und Wohnhaus gestaltete. So war im Geschäftsbereich einmal das Optikergeschäft und einmal das Spielzeuggeschäft der Familie Schönfeld zu finden.

Es folgte das Haus Nr. 20/22 in der Erfurter Straße des Buchdruckereibesitzers Otto Böttner. Darin die Druckerei, der Verlag und die Geschäftsstelle des Arnstädter Anzeigers sowie das Juweliergeschäft Eugen Mayer und die Zigarettenhandlung von Hermann Bode. Auch das Haus Erfurter Straße 24 geht auf Schwarz zurück, es wurde einst für den Gastwirt Karl Behrens als Restaurant "Zur Post" erbaut.

Nach den Plänen des Architekten wurden zudem das Handwerkerhaus des Marienstiftes in der Krappgartenstraße, die Häuser Neideckstraße 4 und Wollmarkt 8 errichtet.

1915 wurde nach den Bauplänen von Schwarz die Fürst- Günther-Schule als Reformrealgymnasium eingeweiht. Dazu hatte er für die Bildhauerarbeiten seinen Freund Bruno Schäfer aus Frankfurt am Main gewonnen.

Auch für den Umbau des Schlosses der Familie Schierholz in Plaue war der Diplom-Ingenieur verantwortlich. In Arnstadt leitete er den Umbau des Hauses des Fabrikdirektors Dr. Ernst Büschler in der Ichtershäuser Straße (später Jugendherberge) und am Wollmarkt schuf er die Villa für Kommerzienrat Alfred Ley.

Ab 1920 war er mit seinem Freund Schäfer auch auf dem Hauptfriedhof tätig. Dort wurden unter anderem die Familiengrabmale für Liebmann, Kürsten, Winter errichtet.

1928 erfolgte der Bau des Arnstädter Milchhofes nach Plänen im Bauhausstil. Dabei wurde die Außenfront mit Bucaklinker verkleidet. Als letztes großes Bauwerk in Arnstadt von Schwarz war die Einweihung der Friedhof Kapelle auf dem Hauptfriedhof.

Während seiner Arnstädter Zeit war Schwarz als öffentlicher angestellter Sachverständiger der Mittelthüringischen Industrie- und Handelskammer Weimar tätig. Er war Mitglied im Bund Deutscher Architekten und vor Ort Mitglied der Museumsgesellschaft sowie des Verwaltungsausschusses der Museumsstiftung.

1938 zog Schwarz nach Erfurt. Dort arbeitete er ebenfalls als freier Architekt, jedoch nicht an großen Objekten, mehr aber am Häuserbau. Am 27. September 1945 verstarb er in Erfurt.

Viele Häuser in Arnstadt zeugen noch heute von seinem umfangreichen Schaffen. Umso mehr ist zu beklagen, dass mit dem Milchhof derzeit eineinmaliges Denkmal dem Verfall preisgegeben wird.

Zu den Kommentaren