Arnstadt: Batterie-Riese aus China investiert viel Geld

Arnstadt  Auf Wirtschaftsforum stellt Europachef von CATL erstmals in größerer Runde die Pläne der Investoren vor. Bis zu 2000 Arbeitsplätze sollen entstehen.

Am Erfurter Kreuz haben die Vorbereitungsarbeiten für den Neubau des CATL-Werks begonnen. Zunächst ging die neue Ampelanlage an der N3-Kreuzung in Betrieb. Im Hintergrund wird bereits das Baufeld vorbereitet.

Am Erfurter Kreuz haben die Vorbereitungsarbeiten für den Neubau des CATL-Werks begonnen. Zunächst ging die neue Ampelanlage an der N3-Kreuzung in Betrieb. Im Hintergrund wird bereits das Baufeld vorbereitet.

Foto: Britt Mandler

Ungemütlich peitscht der Regen über die riesige Freifläche, die sich zwischen N 3, MDC und Rehestädt erstreckt. Vor wenigen Monaten drehten hier noch Landwirte ihre Runden. Mittlerweile stehen Baucontainer, schwere Maschinen bereiten den Boden vor für die Großinvestition, die hier in den nächsten Monaten getätigt wird.

Innerhalb von 60 Monaten will das chinesische Unternehmen CATL hier 1,8 Milliarden Euro investieren und bis zu 2000 neue Arbeitsplätze schaffen. Ein Vorhaben, dessen Dimension offenbar erst jetzt, wenige Tage vor dem Spatenstich am 18. Oktober, so richtig in der Region ankommt.

Im Frühjahr 2018 fiel nach hartnäckigem Werben durch Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) die Entscheidung der Chinesen: Wir kommen nach Deutschland. Anderswo in Europa hätte man preiswerter arbeiten können, spielt Europachef Matthias Zentgraf auf die hiesigen Löhne an. Auch Energiekosten und Abgaben seien anderswo niedriger. Letztlich gaben aber andere Faktoren den Ausschlag. Etwa, dass es hier Energie aus alternativen Quellen, ein hohes Fachkräftepotenzial und eine gute Verkehrsanbindung gibt. Und, ganz wichtig: Es gibt Universitäten und Forschungseinrichtungen, die sich mit Speichertechnologien befassen.

Schwächelnde Wirtschaft als Chance begreifen

Denn klar ist: CATL will seine Produkte weiterentwickeln, um zukunftsfähig zu bleiben. Wie groß das Potenzial ist, macht Zentgraf zum Wirtschaftsforum der Sozialdemokraten am Mittwochabend in wenigen Sätzen deutlich. In China produziert CATL für so gut wie alle heimischen Fahrzeugproduzenten.

E-Mobilität ist dort weiter verbreitet als in Deutschland, ganze Bus- und Lastwagenflotten sind bereits elektrisch unterwegs. Auf dem E-Mobilitätsmarkt hat CATL mit seinen Batterien einen Anteil von 41 Prozent – und das wollen die Chinesen auch in Europa gern erreichen.

Viele namhafte deutsche Hersteller sind schon mit CATL im Geschäft. Porsche, Daimler, Bosch und andere blitzen in der Präsentation auf, die Zentgraf den Gästen präsentiert. In den vergangenen Wochen hatte er mehrfach Gäste aus der Region bei sich im Werk.

Politiker aus Stadt- und Gemeinderäten und dem Kreistag waren bei ihm, um sich über die Baupläne zu informieren und darüber ins Gespräch zu kommen, was eine solche Großansiedlung für die Region bedeutet und was sie dafür tun können, dass die Rahmenbedingungen stimmen.

Kleinigkeiten wurden schon umgesetzt: So entstand am Lützer Feld eine Ampelanlage. Mit dem neuen Werk wird auch der Verkehr an der Kreuzung zunehmen. Es muss aber mehr getan werden, damit die Thöreyer Straße keinen Verkehrskollaps erleidet. Schon seit Monaten wird geplant, wie man die Verbindungsstraße zur Autobahn so ausbauen kann, dass Laster und Mitarbeiter nicht im Dauerstau stecken bleiben.

Zudem plant CATL, bis zu 2000 Mitarbeiter einzustellen. Allerdings nicht auf einmal, wie Zentgraf versichert, sondern sukzessive. Die Agentur für Arbeit, aber auch die Landesentwicklungsgesellschaft und das Wirtschaftsministerium sind bereits mit im Boot. Denn allein über Arbeitssuchende und Umschulungsmaßnahmen lässt sich der Bedarf nicht decken. „Es gibt aber Potenzial“, betont Kay Senius von der Bundesagentur – insbesondere unter den Ex-Thüringern, die ihre Heimat einst verließen, weil hier gut bezahlte Industriearbeitsplätze rar waren. Mittlerweile kehren mehr von ihnen zurück, als Thüringer dem Freistaat berufsbedingt den Rücken kehren, betont auch der Wirtschaftsminister.

Auf Einladung des Wirtschaftsforums spricht auch Ralf Pieterwas, Chef der IHK Südthüringen. Er weist auch darauf hin, dass die Wirtschaft anfange zu schwächeln. Nach zehn Jahren Wachstum sei das normal – und biete Chancen, dass sich Firmen neu aufstellen, neue Herausforderungen annehmen.

Schon in der letzten Krise hätten die Firmen profitiert, die ihre Mitarbeiter während einer Flaute nicht nach Hause schickten, sondern sie weiterbildeten. Das sei auch diesmal der richtige Weg. Wichtig sei aber, dass Thüringen signalisiert, ein offener Freistaat zu sein. Und dass gute Bedingungen geschaffen werden. Neue Wohnungen gehören ebenso dazu wie Lademöglichkeiten für Elektro-Autos.

Hintergrund zum chinesischen Unternehmen:

Das Unternehmen Contemporary Amperex Technology Co. Limited (CATL) wurde 2011 in China gegründet.

Das Unternehmen befindet sich überwiegend in Privatbesitz und ist seit dem vergangenen Jahr börsennotiert.

Weltweit beschäftigt CATL rund 25.000 Mitarbeiter, Hauptsitz des Unternehmens ist in Ningde in China.

Ursprünglich war am Erfurter Kreuz eine Investition in Höhe von 240 Millionen Euro geplant. Das Unternehmen entschied allerdings vor kurzem, innerhalb der nächsten 60 Monate bis zu 1,8 Milliarden Euro zu investieren, da die Automobilindustrie signalisiert hat, mehr Bedarf zu haben als ursprünglich angegeben.

Am kommenden Freitag wird am Erfurter Kreuz der Spatenstich für den Neubau des Batteriewerks erfolgen.

Parallel dazu laufen schon die Umrüstarbeiten im ehemaligen Solarworld-Werk. Hier ist seit Mitte dieses Jahres nicht nur die Verwaltung und Logistik von CATL untergebracht. Mitte 2020 sollen hier auch bereits die ersten Batteriemodule produziert werden.

Im kommenden Jahr soll mit rund 200 Mitarbeitern begonnen werden, perspektivisch will CATL bis zu 2000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Ein Drittel der Erstbelegschaft wird aus China anreisen, um die deutschen Kollegen für ihre neuen Aufgaben fit zu machen.

Das Unternehmen und der Freistaat Thüringen setzen nicht nur auf Arbeitskräfte aus dem direkten Umfeld, sondern hoffen, dass viele ehemalige Thüringer die Chance zum Zurückkehren nutzen.

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