Arnstadt: Dampfrösser im Rampenlicht

Arnstadt  Das Fest im Eisenbahnmuseum in Arnstadt beginnt mit einer Nachtfotografie-Parade und lädt am Tag zu Mitfahrten im Führerstand ein.

Am Freitagabend zur Blauen Stunde kommen die Dampfloks auf die Drehscheibe. Sie werden von Fotografen aus vielen Gegenden Deutschlands abgelichtet. Dafür haben sie zehn Euro Eintritt bezahlt. Ihre Wünsche nach Position und Beleuchtung der Loks werden erfüllt.

Am Freitagabend zur Blauen Stunde kommen die Dampfloks auf die Drehscheibe. Sie werden von Fotografen aus vielen Gegenden Deutschlands abgelichtet. Dafür haben sie zehn Euro Eintritt bezahlt. Ihre Wünsche nach Position und Beleuchtung der Loks werden erfüllt.

Foto: André Heß

Zwischen Dämmerung und Dunkelheit, zur Blauen Stunde, rücken am Freitag die Lokomotiven aus dem Schuppen ins Scheinwerferlicht. Umsäumt von etwa 50 Fotografen bringt der „Förderverein Bahnbetriebswerk Arnstadt Historisch“ ein Stahlross nach dem anderen auf die Drehscheibe aus dem Baujahr 1936, die eine Last von 240 Tonnen tragen kann und einen Durchmesser von 23 Metern besitzt. Damit und darauf können sich die prächtigen Lokomotiven drehen und wenden. Die Stille ringsum hat etwas von einer Andacht, nur das Schnaufen der Dampfrösser und das Klicken der Fotoapparate ist zu hören.

Sigurd Wohlfahrt aus Ingersleben ist einer der Fotografen, der sein Stativ aufgestellt hat. Er müsse die Empfindlichkeit am Apparat noch etwas hochdrehen, sagt er, damit das Schwarze der Dampflok nicht zu schwarz abgebildet werde. Der Großvater war Lokschlosser, ihn fasziniert die alte Eisenbahntechnik, und die Fotos wandern auf seine Internetseite.

Normalerweise ICE, in der Freizeit Dampflok

Die Nachtfotoparade ist der Beginn des Eisenbahnfestes, das am Samstag und Sonntag bei großer Resonanz fortgeführt worden ist. Dann konnte man die acht Dampfloks, neun Dieselloks und zwei Elektroloks im Bestand des Museums bei Tageslicht betrachten, aber auch auf einer 79 Jahre alten Dampflok im Führerstand bis zum Bahnhof Arnstadt und zurück mitfahren, nachdem man das Schlangestehen nach den begehrten Plätzen überstanden hatte. Gesteuert wurde sie von Thomas Boldt aus Hamburg, der hauptberuflich einen ICE fährt und den Meininger Dampflokfreunden sehr verbunden ist.

Am Samstag war es nicht so still an der Drehscheibe wie am Abend zuvor. Für Kenntnisgewinn und amüsante Unterhaltung zugleich sorgte der Eisenbahnfan und -autor Stefan Wes­pa aus Elgersburg. Er moderierte die Veranstaltung und informierte über die historischen Lokomotiven. Der Höhepunkt im Dampflokbau sei die 015 gewesen, erklärte er, als sie mit einem Akkuschleppfahrzeug aus dem Schuppen geschoben wird, da sie seit 2000 nicht mehr von allein fahren kann. Eine Reparatur würde schätzungsweise eine Million Euro kosten, erklärt Wes­pa den vielen staunenden Besuchern. Das besondere an der „Königin“ seien die zwei Meter großen Räder und dass sie, als Interzonenzug eingesetzt, einst die Rentner aus der DDR in den Westen brachte, die mit Kaffee und Schokolade wieder zurückkamen.

Das Eisenbahnmuseum in Arnstadt im ehemaligen Bahnbetriebswerk ist ein technisches Denkmal, sagte Vereinsvorsitzender Michael Klatt. Einmal im Jahr findet das Eisenbahnfest statt, dann kommen die Fans längst nicht nur aus Thüringen, wenn es um sie herum spektakulär dampft, zischt und pfeift.

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