Arnstadt: Klare Forderungen zum Schutz von Frauen

Arnstadt.  Kundgebung „Femizide verhindern – Opferschutz statt Täterschutz“ mit etwa 50 Teilnehmern vor dem Amtsgericht

Friedlich und mit einer klaren Botschaft versammeln sich die Demonstranten vor dem Arnstädter Amtsgericht. Nur ein selbst geschriebenes Transparent weist auf die Kundgebung „Femizide verhindern – Opferschutz statt Täterschutz“ hin. Der Großteil der etwa 50 Teilnehmer sind Frauen unterschiedlichen Alters. Sie stehen ruhig da, lauschen den Worten der Redner.

Anlass für die Kundgebung ist der Tod einer 40-Jährigen am Freitag vergangener Woche. Ihr ehemaliger Partner hatte die Radfahrerin im Elxlebener Weg mit dem Auto gerammt. Die Mutter zweier Kinder starb kurze Zeit später im Krankenhaus. Um einen Einzelfall handelt es sich nicht, sagt Diana Hennig. Sie und Josefine Galle (beide Grüne) sind die Anmelderinnen der Kundgebung.

Die Veranstalter fordern ein konsequenteres Vorgehen von Behörden und Gerichten gegen die Täter häuslicher Gewalt und gegen Stalker sowie eine Reform des Gewaltschutzgesetzes. „Die Freiheitsrechte der Täter dürften nicht über die Interessen der Opfer gestellt werden“, betont Diana Hennig. Denn ihr gehe es vor allem darum, dass seitens der Politik, Justiz und Gesellschaft mehr unternommen werden müsse. Sie favorisiert einen runden Tisch, bei dem alle wichtigen Behörden und Ämter zusammen sind und über jeden Fall einzeln entscheiden.

Deutliche Worte finden auch Viola Worsch, Leiterin des Weißen Ring im Ilm-Kreis. „Alle kümmern sich um den Täter – der Weiße Ring kümmert sich um das Opfer.“ Zu ihnen würden Frauen kommen, die Hilfe beim Ausstieg aus einer Beziehung brauchen, in der Gewalt, Nötigung, Missachtung und Misshandlungen an der Tagesordnung seien. Die Täter seien Männer. Und sie betont: „Das sind in der Mehrzahl deutsche Männer und zwar aus jeder sozialen Schicht.“

Aus Erfahrung weiß sie, dass viele Frauen sich schämen würden und nicht wissen wohin. „Dabei gibt es unzählige Hilfsangebote.“ Und dann sei die Gesellschaft gefragt, Familie, Freunde, Nachbarn, Kollegen, Ärzte und Erzieher, entsprechend sensibel auf Anzeichen häuslicher Gewalt zu reagieren. Beispielweise gebe es im Ilm-Kreis eine Arbeitsgruppe gegen Gewalt, entsprechende Flyer liegen überall aus. Doch es sei eine Gratwanderung, gibt Viola Worsch zu. „Erst wenn die betroffene Frau sich wirklich trennen will, kann Hilfe greifen.“

Auch die Politik ist in ihren Augen gefragt, besonders wenn es um Stalking und Bedrohung geht. Denn das sei nur schwer nachzuweisen. „Den gerufenen Polizisten fehlen für langfristige Lösungen die Grundlagen. Über eine Wohnungsverweisung gehen Sofortmaßnahmen meist nicht hinaus.“ Ein Gewaltschutzverfahren beispielsweise werde „vom Schreibtisch aus entschieden“ und ende mit einem Annäherungsverbot für sechs Monate. „Das ist irre, ein Unding und ungerecht.“

Viola Worsch lehnt es ab, dass eine Frau die Kosten für ein Gewaltschutzverfahren selbst zahlen muss. „Und ich fordere, dass es hier sehr schnell deutschlandweit Gesetzesänderungen gibt.“ Ebenfalls auf den Prüfstand gehöre ihrer Meinung nach die Zahlung der Kosten für den Aufenthalt im Frauenhaus. „Es kann nicht sein, dass eine Frau, die im Frauenhaus landet, hinterher eine Rechnung bekommt.“ Deshalb richtet sie an Landrätin Petra Enders deutliche Worte: „Ich fordere eine Kostenübernahme für alle Kosten im Frauenhaus, egal wie lange eine Frau im Ilm-Kreis wohnt. Braucht sie Schutz im Frauenhaus, muss sie ihn bekommen und zwar kostenlos.“

Ansprechpartner: Weißer Ring, Opfer-Telefon 0151/551 646 04, Interventionsstelle „Hanna“ 03693/505211, Frauenhaus : 0361/7462145, Flyer „Netzwerk gegen Gewalt“ in allen Geschäften und Behörden