Arnstadt: Live-Übertragung aus der Liebfrauenkirche im Radio

Arnstadt  Das „kleine Notre Dame“ Arnstadts soll bekannter werden. Die Vorbereitungen für Live-Übertragung im Radio dauern ein halbes Jahr.

Kantor Jörg Reddin (von links), Ulrike Greim, die Rundfunkbeauftragte der Evangelischen Kirche, Melanie Rudolph von der Sparkasse Arnstadt-Ilmenau und Jörg Neumann vom Kulturbetrieb der Stadt in der Liebfrauenkirche.

Kantor Jörg Reddin (von links), Ulrike Greim, die Rundfunkbeauftragte der Evangelischen Kirche, Melanie Rudolph von der Sparkasse Arnstadt-Ilmenau und Jörg Neumann vom Kulturbetrieb der Stadt in der Liebfrauenkirche.

Foto: Berit Richter

Zu einem besonderen Gottesdienst lädt die evangelische Kirchgemeinde am Sonntag, 7. Juli, um 10 Uhr in die Liebfrauenkirche ein. Nicht nur, dass es ein Kantatengottesdienst ist, er wird auch live durch MDR-Kultur im Radio übertragen. „Etwa 200.000 Hörer werden so, von unserer Liebfrauenkirche erfahren“, freut sich Jörg Reddin.

„Unser kleines Notre Dame“ liegt dem Kantor am Herzen. Denn das Gotteshaus steht, obwohl es zu den schönsten und bedeutendsten romanisch-gotischen Bauwerken Mitteldeutschlands zählt, im Schatten der Bachkirche. „In der Bachkirche haben wir 40.000 Besucher im Jahr, in der Liebfrauenkirche 9000“, sagt Jörg Reddin. Er hofft, dass sich das nach dem Gottesdienst ändert, dass die Hörer neugierig werden und auch die Liebfrauenkirche besuchen.

Die Kantatengottesdienste hatte Reddins Vorgänger Gottfried Preller ins Leben gerufen. Sein Nachfolger führt die Tradition fünf bis sechsmal pro Jahr gerne fort, auch wenn „es jedes Mal ein großer finanzieller Aufwand ist.“ Deshalb dankt er „für die freundliche Unterstützung der Sparkasse Arnstadt-Ilmenau, des Kulturbetriebes der Stadt Arnstadt, der Zentrale für Kirchenmusik Erfurt, dem Kirchenamt der Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und dem mdr-Kultur.“

Jeden Sonntag und an jedem kirchlichen überträgt der Rundfunk um 10 Uhr einen Gottesdienst live aus Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen und abwechselnd von den drei Konfessionen evangelisch, katholisch und freikirchlich. „Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und die Evangelische Kirche in Anhalt verantworten 13 bis 15 Gottesdienste pro Jahr“, erklärt Ulrike Greim, die dortige Rundfunkbeauftragte. „Wir freuen uns immer, wenn wir engagierte Kirchgemeinden mit einem tollen Programm finden.“ Die Vorbereitung ist aufwendig. Sie dauert in der Regel ein halbes Jahr – bis hin zu einem minuziös ausgefeilten Konzept. Alle Texte werden zudem auf Verständlichkeit geprüft. Für Technik und Beteiligte ist es wichtig, den Ablauf einmal vorher zu proben. So stehen die Ü-Wagen des MDR zwei Tage vor Ort, wird es Samstag, 18 Uhr einen Probendurchlauf in der Kirche geben.

In Arnstadt wurde schon aus der Bachkirche und aus der katholischen Himmelfahrtskirche gesendet. Für die Liebfrauenkirche aber wird es eine Premiere sein. „Wir haben im letzten Jahr aber schon einmal eine Kantatengottesdienst hier gefeiert, sozusagen als Test“, erzählt Jörg Reddin. Die großartige Akustik, die besondere Atmosphäre des kathedralenartigen Baus begeisterten damals nicht nur ihn.

Erklingen wird am Sonntag unter anderem die Kantate „Meine Seel‘ erhebt den Herren“ von Johann Sebastian Bach. Ausführende sind Anja Binkenstein – Sopran, Sandra Marks – Alt, Mark Mönchgesang – Tenor, die capella arnestati auf historischen Instrumenten und der Kantatenchor Arnstadt unter Leitung von Kantor Jörg Reddin.

Ungewöhnlicherweise für einen evangelischen Gottesdienst steht Maria im Mittelpunkt, was dem Ort und dem Zeitpunkt geschuldet ist. „Liebfrauen“ ist eine Bezeichnung für Maria, mehrfach ist Maria auch in der Kirche abgebildet, unter anderem als Plastik, der Arnstädter Madonna, und in der laufenden Woche wird nach dem kirchlichen Kalender an Maria erinnert. „Maria steht nicht auf dem Sockel und schweigt, Maria ist mitten im Geschehen und glaubt voraus“, so Ulrike Greim.

Gemeinschaft wird großgeschrieben

„Sie ahnt und besingt, dass sich die Dinge ändern, wenn Gott durch sie in die Welt kommt.“ In der Predigt wird Christiane Eilrich, die über Maria promiviert hat, Parallelen zur katholischen Bewegung Maria 2.0. schlagen und sich mit dem Protest solidarisieren. Die Liturgie gestaltet Pfarrer Thomas Kratzer.

Christiane Eilrich stammt aus Morsum auf Sylt und wird eine große Besuchergruppe des dortigen Kirchenfördervereins mitbringen, die sich vier Tage lang auf die Spuren von Bach und Luther begibt. Nicht nur die weit gereisten Gäste, sondern alle Gottesdienstbesucher sind deshalb im Anschluss zum Essen – belegte Brote, Salate, Bratwurst, Kuchen – Trinken und vor allem zum weiteren Zusammensein eingeladen. Die Gemeinschaft wird großgeschrieben.

Zu empfangen ist der Gottesdienst über UKW in den drei Bundesländern, im Digitalradio, über Kabel, über Satellit und via Live-Stream: www.mdr.de/kultur/radio .

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