Arnstadt: Orchester unterbreitet der Stadt ein teures Angebot

Arnstadt  Das im vergangenen Jahr gegründete Thüringer Bach Collegium würde seinen Sitz gern nach Arnstadt verlegen und will dafür 200.000 Euro haben.

Das Thüringer Bach Collegium ist auch schon in der Bachkirche in Arnstadt aufgetreten und plant im nächsten Jahr mehrere Auftritte in Europa.

Das Thüringer Bach Collegium ist auch schon in der Bachkirche in Arnstadt aufgetreten und plant im nächsten Jahr mehrere Auftritte in Europa.

Foto: Berit Richter

Am 13. Mai 2018 gründete sich das Thüringer Bach Collegium mit einem Konzert in der Bachkirche. Seither wurden deutschlandweit über 40 Konzerte gespielt. Die am 5. Juli 2019 erschienene CD „Concerti“ mit Werken von Prinz Johann Ernst von Sachsen Weimar – ebenfalls in der Bachkirche aufgenommen – wurde bereits über 3000 Mal verkauft und bekam selbst von der britischen BBC viel Lob. Kein Zweifel, das Ensemble hat sich innerhalb kürzester Zeit zum Werbeträger für Thüringen entwickelt. Der Bach-Stadt Arnstadt stünde es gut zu Gesicht. Noch residiert der Verein offiziell in Weimar.

Dass man das gern ändern würde, hatte Geschäftsführer Christian Bergmann, ein gebürtiger Arnstädter, schon im Frühjahr Jörg Neumann, Leiter des Kulturbetriebes, angedeutet. Man habe gemerkt, dass man in Weimar mit seinem reichen Kulturangebot doch etwas untergehe. In Arnstadt hätte das Ensemble ein Alleinstellungsmerkmal. Zudem gibt es viele Verbindungen in die Stadt, gehört zum Beispiel auch Kantor Jörg Reddin dem Collegium an, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, Werke von Johann Sebastian Bach, seinen Vorfahren, seinen Söhnen und seinen Zeitgenossen in historisch informierter Aufführungspraxis auf alten Instrumenten zu spielen.

Dienstag lag dem Werkausschuss Kulturbetrieb ein siebenseitiges Schreiben vor, mit dem das Thüringer Bach Collegium seinen Wunsch zum Ausdruck brachte, künftig in Arnstadt tätig zu sein. Nun braucht der Verein dafür keinen städtischen Segen. Auch Werbung in eigener Sache war eigentlich nicht nötig. Allerdings kommt der Wechselwunsch mit einem ordentlichen „Preisschild“ daher.

Verwaltung solle mit Collegium verhandeln

Man hätte gern ein Budget von 120.000 Euro, plus 30.000 Euro Werbeetat und Büro und eine halbe Personalstelle. Unterm Strich wären das rund 200.000 Euro Kosten, fast so viel, wie das Theater für seine Spielzeit bekommt. „Wir haben während der Spielzeit jedes Wochenende Veranstaltungen, erreichen 25.000 Zuschauer“, sagte Theatervereinsvorsitzender Reinhard Köhler und verwies darauf, dass man seit fünf Jahren keine Zuschusserhöhung bekommen habe, obwohl die Personal- und Nebenkosten steigen.

„Aus dem jetzigen Etat des Kulturbetriebes wäre es nicht darstellbar“, machte Jörg Neumann deutlich. Dann müsste der Stadtrat die nötigen Mittel im Haushalt bewilligen. „Seit der Gründung des Orchesters wurden die künstlerische Leitung sowie das Management ehrenamtlich durchgeführt. Das Ziel sei eine schrittweise Reduzierung der Dienstbelastung in der Staatskapelle Weimar auf 50 Prozent. Die entstehende freie Zeit werde für das Thüringer Bach Collegium eingesetzt, da eine professionelle Organisationsstruktur für den weiteren Fortbestand und Erfolg des Ensembles unabdingbar sei, werden im Anschreiben die Wünsche begründet. Geleitet wird das Ensemble von Gernot Süßmuth, Geschäftsführer und Kontrabassist ist Christian Bergmann, der seit 18 Jahren in der Staatskapelle Weimar spielt.

„Arnstadt ist DIE Bachstadt! Von allen Städten, die sich mit Bach schmücken, hat Arnstadt eine besondere Bedeutung, da nicht nur Johann Sebastian Bach, sondern viele Mitglieder der Familie Bach hier gelebt und gewirkt haben“, wirbt das Ensemble nun für sich. Arnstadt würde nach 300 Jahren wieder über ein eigenes Orchester verfügen, eines, das den Namen in alle Welt trägt.

Das Ensemble könnte die Stadt aktiv darin unterstützen, bei der Unesco den Status eines Welterbe als Bachstadt zu erhalten. Auch pädagogische Angebote in Schulen und Kindergärten stellt das Ensemble in Aussicht, dazu Konzerte und CD-Aufnahmen.

Gastspiele seien 2020 in England, Belgien, Österreich, Spanien und Kroatien geplant. Finanzieren möchte sich das Bach Collegium über Zuschüsse von Stadt, Land und Sponsoren.

Vom Land, so machte Jörg Neumann deutlich, gäbe es aber allenfalls eine Projektförderung. Die Stadt müsse „mindestens drei bis vier Jahre“ Gelder in der geforderten Größenordnung zuschießen müsse, ehe das Ensemble Einnahmen generiere. „Ich gehe davon aus, dass sie mit einer Maximalforderung hinein gegangen sind und wir jetzt verhandeln müssen“, meinte Ausschussvorsitzender Sebastian Köhler (CDU). Diesen Auftrag gab man der Verwaltung.

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