Auf dicken Reifen und mit Lasergewehren

Frankenhain  Biathlon für Jedermann beim Cross-Skating in Frankenhain

Mit den Cross-Skates auf weichen Reifen lässt es sich für Biathlon-Einsteiger gut rollen. Geschossen wurde geräuscharm mit Lasergewehren.

Mit den Cross-Skates auf weichen Reifen lässt es sich für Biathlon-Einsteiger gut rollen. Geschossen wurde geräuscharm mit Lasergewehren.

Foto: Berit Richter

Biathlonzentrum. Auf der Laufstrecke wird mit viel Einsatz geskatet, am Schießstand jeder Fehler verflucht, vom Streckenrande erklingt Kuhglockengeläut. Alles wie beim „richtigen“ Biathlon, also? Nicht so ganz. „Aber wir wissen hinterher schon, wie sich die Biathleten fühlen“, meint Stephan Hagen, im RollDichFit-Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Cross-Skating nennt sich die noch relativ junge Sportart, die Samstag erstmals im Ilm-Kreis Station machte. Dahinter verbirgt sich Skilanglaufen im Sommer, aber nicht mit den Skirollern sondern auf zwei großen, luftbereiften Reifen. „Das ist viel sicherer, auch durch die zwei Bremsen“, erklärt Stephan Hagen. „Asphalt ist für uns genauso gut befahrbar, wie gepflasterte und feste Waldwege. Und auch das manchmal launische und nasse Wetter gilt nicht mehr als Ausrede.“

„Man schnallt die Skates nach der Arbeit einfach an und kann gleich losrollen, auch in der Stadt“, ergänzt Andre Kittler, die das Wochenende in Frankenhain organisierte und selbst aus der „Wintersporthochburg“ Kiel stammt. „Manche von uns sind zwar auch Skilangläufer, aber durch die Skates sind wir wetterunabhängig.“

2018 wurde aus dem 2013 gegründeten RollDichFit-Team der erste gemeinnützige Cross-Skating-Verein Deutschlands. Von der Ostsee bis zu den Alpen sind dessen Mitglieder zu Hause. Rund 50 kamen am Wochenende nach Frankenhain. „Wir waren schon dreimal in Oberhof, da hatten wir immer Pech mit dem Wetter“, freut sich Stephan Hagen, dass es in Frankenhain besser wettertechnisch läuft.

„Wir sind hier sehr gut aufgenommen worden, haben eine tolle Kommunikation mit dem SV Eintracht“, berichtet Andrea Kittler. Auf dem Programm stehen drei Wettbewerbe, die durchaus am „echten“ Biathlon angelehnt sind: Ein Massenstart für den fünf Mal die 1,2-Kilometer-Runde zu absolvieren ist, vier Schießeinlagen inklusive; ein Teamsprint und ein Staffel. „Für Sprint und Staffel stellen wir die Teams vor Ort zusammen, achten da auch auf ähnliche Leistungsstärke der Partner“, so Kittler.

Denn auch wenn die Cross-Skater betonen: „Wir verstehen uns als reiner Breitensport“ heißt das nicht, dass es am Ehrgeiz auf der Strecke und am Schießstand – hier hat man übrigens generell drei Nachlader für fünf Scheiben – mangelt. „Manche trainieren schon leistungsorientiert“, sagt Stephan Hagen, „und freuen sich, sich mit anderen messen zu können.“

Einmal im Monat organisiert der Verein ein Treffen. „Dabei bewegen wir uns durchaus auf den Spuren der Biathleten, waren auch schon in Willingen und Altenberg“, erzählt Stephan Hagen. Aber auch ohne Schießen wird der Sport betrieben, bei Touren-Treffen wie dem Fläming Skate, wo dann schon mal Strecken bis 60 Kilometer auf dem Plan stehen.

Durch die ideale Kombination aus Bein- und Stockarbeit ist Cross-Skating ein Ganzkörpertraining, bei dem man den größten Teil der Muskulatur zum Einsatz bringt. „Die Unterstützung des Bewegungsablaufes durch die Stöcke kräftigt und trainiert die Oberarm-, Schulter-, Rücken- und Bauchmuskulatur. Es ist gelenkschonend und bietet dadurch vielen Sportlern eine neue Perspektive“ erklärt Andrea Kittler. Ab einem Alter von zehn bis zwölf kann man mit dem Sport beginnen, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. „Es gibt ganz verschiedene Roller mit denen man auch ganz verschieden trainieren kann“, sagt Stephan Hagen, „man kann klassische laufen oder skaten.“

Auf der Frankenhainer Strecke kommen die Frauen und Männer ganz schön ins Schwitzen. „Sie hatte es ganz schön in sich, war schwerer, als ich dachte“, findet Frauensiegerin Nataly Herbstreich, die sich in 25:13 Minuten bei den Frauen durchsetzt. Eduard Herbstreich macht in 18.03 Minuten bei den Herren den Familien-Doppelsieg perfekt.

Bekannte Namen sucht man in den Starterlisten aber vergeblich. „Die Biathleten haben Sorge, dass sie sich ihre Technik versauen“, weiß Stephan Hagen. „Aber zum Abtrainieren nach der Laufbahn wäre es schon etwas.“ Immerhin, so sagt er, habe sich Evi Sachenbacher-Stehle schon in der noch jungen Sportart probiert. Auch das unterscheidet die Cross-Skater vom Biathlon: „Wir haben natürlich nicht die Zuschauerzahlen. Also ein paar mehr, würden wir uns schon wünschen.“

Auch in Frankenhain bleibt man da leider unter sich. Aber vielelicht ändert sich das ja im nächsten Jahr. „Wir können uns jedenfalls vorstellen, wiederzukommen“, sagt Stephan Hagen. Und wir bis dahin Lust hat, die Sportart einmal auszuprobieren: Die einzige Thüringer RollDichFit-Gruppe gibt es in Erfurt. Der nächste Anfängerkurs starte am 31. August.

„Einen Kurs sollte man schon belegen, um die richtige Technik zu erlernen“, findet Andrea Kittler. Danach kann man entweder individuell rollen oder sich weiter mit Gleichgesinnten treffen. Ganz billig ist das Hobby nicht. Rund 400 Euro muss man mindestens für die notwendige Laufausrüstung rechnen.

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.