Auf Wolke Sieben, aber nicht abgehoben: Celine Zenker freut sich über WM-Titel

Gräfinau-Angstedt (Ilm-Kreis). Die Keglerin vom KSV 90 Gräfinau-Angstedt holte in Kroatien Gold im Tandem und Bronze mit der U-23 Mannschaft.

ine Zenker vom KSV 90 Gräfinau-Angstedt ist vor wenigen Tagen Kegel-Weltmeisterin geworden. Foto: Christoph Vogel

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Ein Großteil der Kegler des KSV 90 Gräfinau-Angstedt haben ihr schon zum Titel gratuliert. Aber als Celine Zenker am Dienstag zum Training die Kegelbahn in Gräfinau-Angstedt betritt, gibt es immer noch herzliche Umarmungen und Gratulationen. Was sich in den letzten drei, vier Monaten im Leben der 19-jährigen getan hat, kann sie selbst noch gar nicht so richtig fassen.

„Ich bekomme schon wieder Gänsehaut“, gesteht Celine mehrmals während des Gespräch. Das geschieht immer dann, wenn die junge Frau von der Kegel-Weltmeisterschaft erzählt, an der sie in der Woche nach Pfingsten in Kroatien für die Deutsche U23-Mannschaft gestartet ist. Und dies mit einem Erfolg, mit dem sie selbst nie gerechnet hätte. Eine Bronzemedaille mit dem Team sowie Gold im Tandem-Kegeln ist die beeindruckende Bilanz ihrer ersten WM-Teilnahme.

Dass Celine Zenker eine überaus talentierte Keglerin ist, hat sie in der abgelaufenen Saison zur Genüge unter Beweis gestellt. In der 2. Bundesliga holte sie im Damen-Team des KSV 90 Gräfinau-Angstedt dank starker Leistungen mehrfach die sprichwörtlichen Kohlen aus dem Feuer. Ihr bislang größter sportlicher Erfolg war der zweite Platz bei der Deutschen Meisterschaft in der Altersklasse U18 im vergangenen Jahr.

Mitte Februar dieses Jahres kam dann ein Anruf von U23-National-Trainerin Daniela Kicker, der Celine Zenker den Weg zur WM-Teilnahme eröffnete – er beinhaltete die Einladung zur ersten Sichtung. „Sie hat mich abends nach dem Training angerufen. Ich war völlig sprachlos. Sie hat zweimal nachfragen müssen, ob ich noch am Telefon bin“, erzählt Celine, die damals völlig überwältigt war, mittlerweile aber darüber Schmunzeln kann.

Vier Wochen später gab es die zweite Sichtung – da wurde auch bekanntgegeben, wer mit nach Kroatien fahren darf. Da kurzfristig noch jemand abgesprungen war und der Thüringer U18-Auswahltrainer Jan Koschinski eine Empfehlung ausgesprochen hatte, war die 19-Jährige im WM-Aufgebot.

In Novigrad angekommen, hieß es zunächst abwarten, wer die sechs Damen sind, die im Mannschaftswettbewerb kegeln dürfen. „Das warten war für mich grauenvoll, bei mir hat sich eine große Spannung aufgebaut, weil es ja meine erste WM-Teilnahme war.“, sagt Celine. Am Ende wurde sie aufgestellt und holte mit dem Team Bronze. Damit aber noch nicht genug. Es folgte noch der Weltmeistertitel im Tandem an der Seite von Christina Neundörfer vom SKC Victoria Bamberg.

Spätestens, als hier die Goldmedaille für Celine Zenker in einem rein deutschen Finale feststand, brachen bei der jungen Frau alle Dämme, „ich stand auf der Bahn und habe vor Freude geweint“.

Alle Mannschaftskollegen gratulierten und nach einiger Zeit konnte sie auch endlich ihre Eltern in die Arme schließen, die unter den Zuschauern weilten. Und wieder bekommt Celine eine Gänsehaut, wenn sie an das erhebende Gefühl der Siegerehrung erinnert, „es ist ein Wahnsinnsgefühl“. In der vergangenen Woche zu Hause angekommen, wurde ihr in Emleben ein herzlicher Empfang bereitet.

„Als ich in unsere Straße abgebogen bin, habe ich schon mein Patenkind mit einer Fahne winken sehen. Und massig Leute, die mich gefeiert haben, waren da“, sagt Celine, die immer noch überwältigt davon ist. Auch an die Spruchbänder und Banner am Tor kann sie sich noch genau erinnern. „Es war ein atemberaubender Abend, einfach genial“, fügt sie noch an.

„Ich lebe für dieses Hobby“, sagt Celine. Sie kann sich nichts schöneres vorstellen, als auf der Kegelbahn gegen eine Kontrahentin anzutreten und ihr möglichst auf jeder Bahn die „Holz“ bzw. Punkte abzunehmen. Dafür nimmt die junge Frau so einiges auf sich. Zweimal in der Woche führt sie der Weg von Emleben, wo sie bei ihren Eltern wohnt, zum Training.

Das sind jeweils um die 100 Kilometer an einem der Trainingsabende. Was macht man nicht alles für sein Hobby“, sagt sie und kann sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Mit dem WM-Titel sind aber nicht nur die Erwartungen gestiegen – sowohl die eigenen, als auch die anderer – auch ihr Marktwert ist in die Höhe geschnellt. Es liegen auch schon Angebote vor. Genaueres verrät die Thüringerin aber nicht. Den Traum, in der 1. Bundesliga zu kegeln, möchte sie sich auf jeden Fall erfüllen. Das ist auch ihrem jetzigen Verein bewusst. „Ich würde aber gern noch eine Saison hier spielen“, sagt Celine. Denn sie weiß genau, was sie dem Gräfinauer Verein zu verdanken hat.

Da nennt sie Rolf Möller und Frank Wagner, die Trainer der Gräfinauer Bundesliga-Damen. „Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen“, ist Celine dankbar. Gleiches gilt auch für ihr privates Umfeld. Familie und Freunde sind ihr wichtig, von ihnen wird sie unterstützt und aufgebaut.

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