Ausstellung in der Sparkasse erinnert an jüdisches Leben

Mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte beschäftigt sich die gestern Abend eröffnete Ausstellung in der Sparkassen-Hauptstelle in Arnstadt. Ihr Titel: "Arisierung" in Thüringen. Ausgegrenzt. Ausgeplündert. Ausgelöscht.

Dokumente: Franziska Suntz von der Sparkasse gehörte zu den ersten Besuchern.Foto: Hans-Peter Stadermann

Foto: zgt

Arnstadt. Sie zeigt die systematische Verdrängung jüdischer Menschen aus dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben und die Bereicherung an ihrem Eigentum. Sie gibt Tätern und Opfern ein Gesicht. Erarbeitet wurde die Wanderausstellung von Geschichtsstudenten der Friedrich-Schiller-Universität unter der Leitung von Dr. Monika Gibas. Sie skizzieren nicht nur die chronologischen Etappen der so genannten Arisierung – ein Begriff, der aus dem Wortschatz der Nazis stammt. Sondern die jungen Leute untersuchten auch, was einzelne Unternehmerfamilien erleiden mussten. Bereits am 1. April 1933 war zum Boykott jüdischer Geschäfte aufgerufen worden. Zu Tausenden in der Reichspogromnacht inhaftiert, mussten jüdischen Geschäftsleute bis 1. Januar 1939 ihre Firmen, Werkstätten oder Läden aufgeben oder zum Bruchteil ihres Wertes verkaufen. Sie sollten so gezwungen werden, Deutschland zu verlassen. Die Behörden - insbesondere die Finanzbehörden - waren wesentlich beteiligt, so betonte Dr. Thomas Wurzel, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die die Erstellung der Schau unterstützt hat. Ebenso wie das Thüringer Staatsarchiv und die Landeszentrale für politische Bildung.

Die Dokumente zeigen unter anderem die "Arisierung" der Suhler Firma "Simson & Co." und des Kaufhauses "Römischer Kaiser" in Erfurt. Zwei Gymnasiasten aus Arnstadt arbeiten derzeit für eine weitere Schautafel die Geschichte des Arnstädter Holz- und Baustoffhändlers Max Ledermann auf, der in Theresienstadt starb.

In einem Begleitprogramm gibt es öffentliche Führungen und Vorträge. So spricht heute um 19.30 Uhr in der Musikschule Jörg Kaps über "Neue Forschungen zur jüdischen Geschichte Arnstadts".

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