Bach-Festival Arnstadt wartet mit musikalischer Feinkost auf

Arnstadt  Triumphale Konzerte in Bachkirche, Prinzenhofkeller und Rathaussaal. Zudem gab es Stadtführungen, Orgelbesichtigung und Gottesdienste

Aleksandra und Alexander Grychtolik bei der Cembalo-Matinee am Sonntagmorgen im Arnstädter Rathaussaal. Foto: Hans-Peter Stadermann

Aleksandra und Alexander Grychtolik bei der Cembalo-Matinee am Sonntagmorgen im Arnstädter Rathaussaal. Foto: Hans-Peter Stadermann

Foto: zgt

Schon jetzt zur Halbzeit des diesjährigen Bach-Festivals lässt sich sagen, dass die neue Organisation, die den Veranstalter, den Kulturbetrieb der Stadt Arnstadt unter der Leitung von Alexandra Lehmann mit der Programmgestaltung durch Kantor Jörg Reddin zusammenband, eine gute Idee war. Sie hat sich bislang bestens bewährt. Auf diese Weise konnte auch in diesem Jahr die Mischung von hochkarätigen Konzerten, Stadtführungen, Orgelbesichtigungen, Kantatengottesdienst und geistlichen Mittagsmusiken und nicht zuletzt der Handwerkermarkt im Rathaus beibehalten werden.

Stadtführer Thomas Roll präsentierte am Samstag wieder seine bewährte Stadtführung über Arnstadts Bachfamilie. Gleich im Anschluss gab es erneut die "romantisch-freche Stadtführung" mit Evelyn Günther als Maria Barbara und Stefan Buchtzik als J. S. Bach. Evelyn Günther führte sodann am Sonntagnachmittag, ebenfalls als Bachs Braut Maria Barbara, nach Dornheim.

Für den Musikfreund waren es aber an den beiden ersten Festivaltagen Freitag und Samstag vor allem die Hauptkonzerte, die das Herz höher schlagen ließen. Bereits das Eröffnungskonzert war eine Wucht, die als a-cappella-Veranstaltung Originalität mit Virtuosität und Witz mit Würde verband. Mit dem Lübecker Kammerchor "I Vocalisti", der Obertonsängerin Anna Maria Häfele und dem Vokalquartett "Quartonal" standen Berühmtheiten im Chor der Bachkirche, die ihren Ruf bestätigten.

Das Großartige an den "I Vocalisti" war, dass sie die Musik von Bach durch Interpretationen von "Singet dem Herrn BWV 225" mit der Moderne verbanden oder kontrastierten.

Zwischen dem Eingangsstück von Bach und dem folgenden "Canticum Novum" von Michael Ostrzyga herrschte zum Beispiel ein grandioser Kon-trast, denn die letztere Interpretation erwies sich als das modernste Stück, das auch mit Geräuschen arbeitete und trotzdem wunderbar meditativ war.

Die nächste Variation von Aleksandar S. Vujic erwies sich als folklorenah mit balkantypischen krummen Metren und Harmonien, und die nachfolgenden Bearbeitungen von Hans Schanderl und Ugis Praulins bauten Brücken zwischen Bach und Moderne.

Alles wurde mit atemberaubender Perfektion, Innigkeit und Gesangsfreude vorgetragen. Als bescheidener Tupfer auf dem i erwies sich dabei der Popstar Anna Maria Hefele, deren fragiler Obertongesang sich diskret in höchste Höhen schraubte, aber bescheiden nie in den Vordergrund rückte.

Das aus den "I Vokalisti" hervorgegangene Männerquartett "Quartonal" bot im Anschluss eine virtuose wie unterhaltsame Brücke von Bach zur Popmusik.

Nach dem wunderbaren "Psalm 77" von Heinrich Poos und dem innigen "Bist du bei mir BWV 508" sowie "Von guten Mächten" von Philipp Goldmann wechselte man zu munteren Vogelliedern und Gänseliedern, um schließlich bei den "Champs-Elysées" von Joe Dassin, "Über den Wolken" von Reinhard Mey und "Everytime" von The Flames zu landen.

Die Cembalo-Matinee am Sonntagmorgen im Arnstädter Rathaussaal mit Aleksandra und Alexander Grychtolik stand unter dem Motto "Barocke Improvisationskunst".

Dieser Titel erwies sich als große Untertreibung, denn was das Künstlerpaar an Improvisation und freiem Fantasieren bot, machte den Zuhörer schier fassungslos. Die gemeinsame Improvisation einer Chaconne für zwei Cembali nach Antonio Bertali (1605-1669) ließ den silbrig-seidigen Klang des Cembalos, der an fernöstliche Musik erinnerte, aufleuchten mit einer atemberaubenden Spielweise, die aufzeigte, wie das Künstlerpaar langjährig musikalisch verwachsen war.