Bachs Orgelspieltisch bleibt in Arnstadt viel bewundertes Herzstück

Arnstadt  Stadtwerke schließen Finanzierungslücke zur Neugestaltung der Bach-Ausstellung im Schlossmuseum in Arnstadt

Die Stadtwerke unterstützen die Neugestaltung der Bach-Ausstellung. Im Bild Claudia Krottasch, Friedrich-Reinhard Wilke, Museumschefin Antje Vanhoefen und Fördervereins-Chef Christian Hühn (von links).

Die Stadtwerke unterstützen die Neugestaltung der Bach-Ausstellung. Im Bild Claudia Krottasch, Friedrich-Reinhard Wilke, Museumschefin Antje Vanhoefen und Fördervereins-Chef Christian Hühn (von links).

Foto: Britt Mandler

Interessiert schaut sich gestern Nachmittag ein Ehepaar in der Bach-Ausstellung im Schlossmuseum um. Beide sind leicht als Touristen zu erkennen. Rucksäcke, Sonnenhüte und Kameras lassen darauf schließen. Das Paar plaudert angeregt vor den Ausstellungsobjekten, er greift schließlich zum Stift und trägt sich ins Gästebuch ein. Viel zu entziffern ist nicht, denn es sind japanische Schriftzeichen, die der Gast niederschreibt. Nur, dass er und seine Begleiterin aus Sapporo kommen, ist lesbar.

Museumsdirektorin Antje Vanhoefen freut sich über diesen kurzen Gruß. An Besuchern mangelt es dem Schlossmuseum an diesem Tag nicht. Immer wieder steigen Gäste bis unters Dach im „schönsten halben Schloss der Welt“, wie Vanhoefen das Neue Palais, das zur Hälfte eine Baustelle ist, gerne nennt.

Was viele der Besucher nicht ahnen: Schon in wenigen Wochen wird die Bach-Ausstellung komplett schließen. Das Kino ist bereits ausgebaut.

Ein Dauerzustand wird das aber natürlich nicht. „Wir wollen im Herbst eine völlig neu konzipierte Ausstellung präsentieren“, betont sie. Die Vorbereitungen im Hintergrund laufen schon. Fachlich werden die Arnstädter Museumsexperten von Benedikt Schubert vom Bach-Archiv in Leipzig beraten. Evamaria Korn kümmert sich um die Museumspädagogik.

Die vier Räume mit knapp 200 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden auch künftig genutzt. Zentrales Herzstück ist und bleibt der Orgelspieltisch, an dem der große Musiker einst saß. Das ganze Drumherum wird aber umgestaltet, so Vanhoefen. Denn werden Dauerausstellungen nach zehn oder 15 Jahren nicht überarbeitet, wirken sie irgendwann unmodern. Damit werde man Bach weder als Mensch noch seinem Werk mehr gerecht. Das Gute an der Neukonzeption ist: Der Musikwissenschaftler setzt neue Akzente, die dem Besucher helfen, Bach musikalisch näherzukommen, seine Denkansätze zu verstehen im Kontext der von tiefer Religiosität geprägten Zeit, in der er lebte.

Möglich wurde die Neugestaltung durch eine kräftige Finanzspritze aus dem Tourismusbudget, das Weimar und Arnstadt gemeinsam gewonnen haben. Damit sollen Bachstätten in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden.

Ganz reicht das Geld aber nicht, um alle Pläne umzusetzen. Daher sprach der Förderverein des Museums mögliche Sponsoren an – und stieß bei den Stadtwerken auf offene Ohren. Genau zwei Jahre ist es her, dass der Betrieb schon einmal viel Geld in die Hand nahm und die Restaurierung zweier Gemälde unterstützte.

„Dank unserer Kunden aus der Region erwirtschaften wir hier genug, um der Stadt auch etwas zurückgeben zu können“, betont Stadtwerke-Geschäftsführer Friedrich-Reinhard Wilke. Die 2500 Euro sind dazu bestimmt, ein ganz neues Ausstellungsstück präsentieren zu können. Claudia Krottasch restau-riert gerade ein Kruzifix, das aus dem 14. Jahrhundert stammt. Es wurde schon einmal in der Reformationsausstellung gezeigt, der Zustand des Fragments war aber äußerst fragil. Nun werden lose Teile wieder angebracht und das wertvolle Exponat wird so gesichert, dass es nicht weiter Schaden nimmt. Präsentiert wird es künftig in direkter Blickachse zum Orgelspieltisch.

Die Schließzeit der Bach-Ausstellung soll im Sommer so kurz wie möglich gehalten werden. Die Räume werden in dieser Zeit renoviert, dann wird die neue Ausstellung aufgebaut.

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