Bittstädt: Seifenkisten im Rennen

Bittstädt  Seifenkistenrennen um den 3. Bratwurstcup lässt viele Zuschauer staunen. 60 Starter wagen sich auf die Strecke

Der Viersitzer von Thomas Freund – die „Wilde Sau“ – war nur eines der spektakulären Gefährte beim 3. Bratwurstcup der Seifenkisten in Bittstädt.

Der Viersitzer von Thomas Freund – die „Wilde Sau“ – war nur eines der spektakulären Gefährte beim 3. Bratwurstcup der Seifenkisten in Bittstädt.

Foto: Berit Richter

Ist da jetzt wirklich eine Küche an mir vorbeigefahren? So mancher, der sich Samstag an die Strecke des 3. Bratwurstcups für Seifenkisten auf dem Pfennigsberg zwischen Bittstädt und Arnstadt verirrte, mag sich verwundert die Augen gerieben haben. Das, was sich da an den als Schikane dienenden Strohballen vorbei schob vorbeischob, sah doch tatsächlich nach einem Herd aus, inklusive Brathähnchen und Kochtopf-Lenkrad.

„Wie viel Stunden Arbeit da drin steckt wissen wir nicht, wir haben die Kiste von einem Freund übernommen. Der hat sie zusammen mit dem Wirt einer Gaststätte in Posterstein gebaut. Wir fanden sie zu schade, dass sie nur rumsteht und deshalb fahren wir sie in dieser Saison“, verrieten Karin Gäbler und Rico Haase. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist ihnen an jeder Rennstrecke gewiss, das Siegen aber eher schwierig. „Sie fährt sich natürlich wesentlich schwieriger als ein schnittiger Rennwagen“, erklärte Rico Haase. Auch wenn es immer wieder solche Gaudi-Kisten gibt, wie auch die „Wilde Sau“ von Thomas Freund – der Viersitzer gab sogar Wildschweingeräusche von sich und erschreckte damit so manchen Spaziergänger – oder das Batmobil des Erfurters Vasseili Janke – „Ich habe fünf Jahre daran gebaut“ – Seifenkistenrennen ist ein ernster Sport. Und so mancher Rennwagen erinnerte rein optisch nicht von ungefähr an legendäre Silberpfeile oder rote Ferraris.

„Wir sind so etwas wie die umweltfreundliche Formel 1, denn wir fahren ja ohne “, sagte Rennleiter Marcus Bauer mit Augenzwinkern. Dem Arnstädter ist es zu verdanken, das nun schon zum dritten Mal um den Bratwurstcup gefahren wurde. Vor zwei Jahren holte der begeisterte Seifenkisten-Fahrer das erste Rennen in die Region, fand mit seiner Idee Unterstützung bei den Freunden der Thüringer Bratwurst.

Auch in diesem Jahr zählte das Bittstädter Rennen zum Mittel-Deutschland-Cup mit insgesamt acht Läufen. „Das Finale ist nächste Woche in Lauterbach“, so Thomas Bauer, dessen ganze Familie dem Seifenkisten-Sport frönt. So mischten Neffe Valentino und Bruder Axel bei den Doppelsitzern kräftig mit.

In zehn Klassen gingen die rund 60 Starter, die vor allem aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, aber auch aus Tschechien stammten, an den Start. Unterschieden wurde nach dem Alter der Starter, aber auch nach der Disziplin. So gab es Ein- und Doppelsitzer, Rennen, in denen es auf die schnellste Zeit ankam, aber auch Wertungen zu Präzision. Hier mussten die Läufe möglichst in derselben Zeit absolviert werden. Die geringste Differenz gewann.

Bis zu 75 Stundenkilometer wurden auf der 650 Meter langen Piste bergab allein durchs Gewicht erreicht. Wer denkt, Seifenkistenrennen seien nur etwas für Kinder, irrt sich. Ab sechs Jahren darf man fahren. Nach oben gibt es keine Grenze. Die ältesten Teilnehmer sind oft schon im Rentenalter. „Wir sind alle eine große Familie, helfen uns gegenseitig“, sagte Thomas Bauer. Gewinnen möchten die meisten aber trotzdem gern.

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