Borkenkäferplage trifft Gehren noch nicht mit voller Wucht

Gehren  Wald des Forstamtes wird auf Schädlinge abgesucht. Leitung verschiebt geplante Aufforstung wegen Trockenheit

Durch die Borkenkäferplage kommt es zum Überangebot von Fichtenholz. Thüringen-Forst kann noch verkaufen, da Rahmenverträge mit Sägewerken bestehen, sagte Amtsleiter Karsten Rose. Archiv-

Durch die Borkenkäferplage kommt es zum Überangebot von Fichtenholz. Thüringen-Forst kann noch verkaufen, da Rahmenverträge mit Sägewerken bestehen, sagte Amtsleiter Karsten Rose. Archiv-

Foto: Hans-Peter Stadermann

Die vergangenen Jahren waren zu heiß, es gab zu wenig Regen, sagte Karsten Rose, der Leiter des Forstamtes Gehren, am Freitagvormittag. Die Folge sei ein katastrophaler Bodenwassergehalt. Die Bäume, insbesondere Fichten, würden ein schnelles Opfer für den Borkenkäfer. Ihnen fehle durch die Trockenheit die Kraft, sich selbst zu wehren, so Rose weiter.

„Das ist eine Sache, die mir Angst macht. Man ist hilflos, wir können es ja nicht regnen lassen“, so Rose. „Das Forstamt Gehren ist noch auf der glücklichen Seite, im Vergleich zu anderen Regionen Thüringens sind wir wenig betroffen.“ Dennoch habe in den vergangenen Wochen die Geschwindigkeit zugenommen, in denen befallene Bäume entdeckt wurden.

„Wir suchen den Wald ständig ab und markieren die Bäume. Das Schadholz muss möglichst schnell raus oder begiftet werden.“ Eine Lösung sieht Rose im Waldumbau. „Wir brauchen schnell Mischwald. Aber Waldumbau kostet richtig viel Geld und dauert“, so der Forstamtsleiter.

Überangebot von Holz lässt Preise purzeln

Weil es so trocken ist, wurden ursprünglich für den Herbst geplante Aufforstungsarbeiten erst einmal vertagt. Ein Problem sei auch das Wild. Dem würden die Baumarten besonders gut schmecken, die beim Waldumbau neu gepflanzt werden. „Naturnaher Wald fordert eine konsequente Jagd“, sagt Rose. Selbst im Bereich Gehren würde jedes Jahr mehr Wild geschossen, als eigentlich hier leben dürfte.

Schutzzäune für die Neuanpflanzungen seien kein Thema, weil zu teuer. Pro Hektar wären rund 11.000 Euro für den Zaun notwendig, der dann auch noch 40 Jahre stehen müsste, so der Forstamtsleiter weiter.

Ein Problem entstünde auch durch das Überangebot an Holz, da die Trockenheit nicht nur in Thüringen, sondern ganz Mitteleuropa ihre Spuren hinterlässt. „Wir haben Holz, dass wir nicht mehr verkaufen können“, sagte Wolfgang Heyn. Der Geschäftsführer des Thüringer Waldbesitzerverbandes war ebenso der Einladung der Landtagsabgeordneten Eleonore Mühlbauer (SPD) gefolgt.

Sie hatte nach Gehren geladen, um sich über die Trockenheit und Schädlingsplagen am Beispiels des Gehrener Forstes zu informieren. Wolfgang Heyn nannte als Beispiel eine Waldgenossenschaft aus Osthausen. Dort hoffe man, aufgrund der halbierten Holzpreise, das Jahr 2019 mit einer schwarzen Null abschließen zu können. Forstamtsleiter Rose meinte, dass der Thüringen-Forst Rahmenverträge mit Sägewerken habe und noch Holz verkaufen kann. „Die Frage ist nur, zu welchem Preis“, so Rose.

Ein weiteres Thema der Gesprächsrunde war Wald, der nicht bewirtschaftet wird. Das passiert, wenn sich Erbengemeinschaften nicht einig sind oder die Besitzer nicht ausfindig gemacht werden können. „Das Problem im Wald ist die Nichtbewirtschaftung“, bestätigte Detlef Sommer, Geschäftsführer vom Thüringer Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbezirk-Inhaber.

Tritt in einem solchen Wald Borkenkäferbefall auf, wird es kompliziert. „Wenn der Besitzer bekannt ist, schreiben wir ihn an. Dann wird eine Frist gesetzt, in der er sich kümmern soll, bevor wir dann eine Zwangsmaßnahme vornehmen“, so Rose. Doch dafür bliebe in einem Krisenjahr nicht immer die Zeit.

Auf Nachfrage erfährt Eleonore Mühlbauer, dass der Trend beim Landverkauf von Ackerfläche sich nicht beim Waldverkauf fortsetzt. „99 Prozent der Waldkäufer stammen aus der Region“, so Rose. Große Gesellschaften würden nicht zuschlagen, wie es in der Landwirtschaft zu beobachten sei. Dem stimmte auch Wolfgang Heyn zu, der ähnliche Erfahrungen gemacht habe.

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