Bürger von Plaue votieren gegen Fusion mit Arnstadt

Plaue  Bürgerentscheid mit deutlichem Ergebnis. Gebietsreform zu einem späteren Zeitpunkt ist dennoch weiter möglich

Kurz nach 18 Uhr begann im Feuerwehrgerätehaus in Plaue die Stimmauszählung. Bürgermeister Jörg Thamm (rechts) leerte die Wahlurne. Jens Köhler, Vertrauensmann des Bürgerbegehrens, und Karin Sauer hei der Auszählung.

Kurz nach 18 Uhr begann im Feuerwehrgerätehaus in Plaue die Stimmauszählung. Bürgermeister Jörg Thamm (rechts) leerte die Wahlurne. Jens Köhler, Vertrauensmann des Bürgerbegehrens, und Karin Sauer hei der Auszählung.

Foto: Britt Mandler

Drückende Schwüle liegt über Plaue. Am späten Nachmittag ging ein kräftiger Regenschauer nieder. Am frühen Abend ist es immer noch heiß. Die Temperaturen halten die Bürger von Plaue, Rippersroda und Kleinbreitenbach aber nicht ab, ins Feuerwehrgerätehaus zu kommen. Kurz vor 18 Uhr gibt der letzte Besucher seine Stimme im Bürgerentscheid zur Frage ab, ob Plaue mit Arnstadt fusionieren soll. In Neusiß ist ein weiteres Wahllokal geöffnet.

Insgesamt sind 1718 Wahlberechtigte angeschrieben und um ihre Meinung gebeten worden. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens, die lange darum gekämpft hatten, dass die Abstimmung stattfinden kann, finden, das finanziell klamme Plaue sollte seine Selbstständigkeit aufgeben und Ortsteil von Arnstadt werden. Denn in die große Kommune fließt mehr Geld, so dass lange in Plaue Liegengebliebenes endlich umgesetzt werden könnte.

Neusißer lassen keine Zweifel an ihrem Kurs

Mit ihrem Vorstoß stießen die Initiatoren allerdings auf ein geteiltes Echo. Denn es ist erst wenige Monate her, dass der Stadtrat die Entscheidung fällte, dass Plaue eigenständig bleibt und Neusiß als neuen Ortsteil aufnimmt. Auch der Wechsel in die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Geratal/Plaue verlief reibungslos. Das Geld, das das Land zur Gebietsreform überwies, floss in den Schuldenabbau, wird aber auch investiert.

Vor allem im Internet erfolgte der große Schlagabtausch. Der in den restlichen Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft mit gemischten Gefühlen verfolgt wurde. Denn was passiert, wenn die Mehrheit der Befragten für den Wechsel nach Arnstadt stimmt? Dann sind auch sie gezwungen, die Selbstständigkeit aufzugeben. Ohne Plaue und Neusiß ist die VG nicht mehr überlebensfähig.

Die Bürger von Neusiß – 167 sind stimmberechtigt, fühlen sich unter den Fittichen von Plaue offenbar wohl. Um 18.15 Uhr gibt Ortsbürgermeister Ralf Hühn (BI) das Ergebnis durch. 114 Neusißer hatten abgestimmt. Nur acht sehen ihre Zukunft in Arnstadt, der Rest votierte für ein selbstständiges Plaue.

Um 18.35 Uhr steht das Endergebnis fest. 342 Ja-Stimmen gab es, drei Wähler hatten ihren Stimmzettel durch zusätzliche Bemerkungen ungültig gemacht. Dem standen 763 Wähler gegenüber, die möchten, dass Plaue selbstständig bleibt.

Die Enttäuschung ist dem Vertrauensmann Jens Köhler deutlich anzusehen. „Wir akzeptieren aber das Ergebnis“, betont er. Es sei schade, dass teilweise unsachlich informiert wurde und die derzeit durch Entschuldungsbeihilfe und Fusionsprämie gute Finanzlage auf die Zukunft projiziert wurde. Dabei sei dieser Bonus 2020 aufgebraucht, so seine Warnung. „Wir warten nun gespannt darauf, wie die Stadtratskoalition aus CDU, UWG und Bürgerinitiative Neusiß die gemachten Versprechungen umsetzen wird“, so Köhler. Erschreckt habe ihn auch, wie roh mitunter der Umgangston war – selbst im Wahllokal. Dort drohte am Sonntagvormittag ein Wähler, dass alle, die für Arnstadt stimmen, am Abend „im Zimmertal aufgehängt“ würden. Von einer Anzeige wurde abgesehen.

Bürgermeister Jörg Thamm (CDU) signalisierte nach Ende der Stimmauszählung, dass die Kontakte zu Partnern wie Arnstadt auf keinen Fall abreißen werden. „Wir kooperieren weiter miteinander“, sagte er.

Das war auch schon im Stadtrat Thema. Denn sollte eine Gemeinde, aus welchem Grund auch immer, die VG verlassen, dann müssen die anderen Kommunen diesen Schritt ebenso gehen und mit Ilmenau oder Arnstadt fusionieren. Vorerst aber seien sie in der Verwaltungsgemeinschaft gut aufgehoben.

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