Denkmaltag im Ilm-Kreis

Ilm-Kreis  30 Denkmäler im Ilm-Kreis laden am Sonntag zum Tag des offenen Denkmals ein. Sülzenbrücken feiert dass ganze Wochenende

Diese Glockenattrappen wurden wie vor hundert Jahren in Sülzenbrücken beim Fest-Umzug durch den Ort gefahren.

Diese Glockenattrappen wurden wie vor hundert Jahren in Sülzenbrücken beim Fest-Umzug durch den Ort gefahren.

Foto: Berit Richter

„Vom Turme schalltet heute wunderbares Glockengeläut“, so hat es Ortchronist Alwin Tantz 1919 festgehalten, als erstmals wieder die Kirchturmglocken erklangen. Hundert Jahre später trug sein Urururenkel Vincent das Gedicht vor. Nur einer von zahlreichen Punkten zum Festprogramm mit dem die Sülzenbrückener am Wochenende 100 Jahre Glockenweihe feierten.

Begonnen hatte es Samstag mit einem Umzug, der an die Ankunft der Glocken vor 100 Jahren erinnerte. Damals waren sie mit einem Pferdefuhrwerk in Neudietendorf am Bahnhof abgeholt wurden, nun zogen Pferde drei Attrappen durchs Dorf.

„Eine schreckliche Zeit, in der wir jetzt leben. Was werden wir noch alles auf dem Altar des Vaterlandes opfern müssen?“, hatte Alwin Tanzt 1917 in der Chronik festgehalten, als erst die Orgelpfeifen und dann auch zwei der drei kupfernen Glocken beschlagnahmt wurden. Am 12. Juni 1917 hatten die Kirchenglocken ein letztes Mal geläutet, drei Tage später wurden sie zerschlagen und abgeliefert.

Sülzenbrücken für Preis vorgeschlagen

Doch ohne Geläut mochten die Sülzenbrückener nicht bleiben. Und so machte man sich schon 1918 Gedanken um eine Neuanschaffung. In Morgenröthe-Rautenkranz wurden drei neue Glocken, diesmal aus Hartgusseisen, hergestellt, in Apolda bei der Firma Lattermannn und Schilling dann verfeinert. Am 8. September 1919 trafen sie im Ort in, am 17. September erklangen sie zum ersten Mal. 6780,50 Mark haben die drei Glocken gekostet. Die verbliebene Bronzeglocke verkaufte man ans benachbarte Rehestädt.

An all das erinnerte am Wochenende nicht nur der Umzug, sondern auch eine liebevoll zusammengestellte Ausstellung zur Geschichte des Ortes, der Kirche und besonders ihrer Glocken. Sogar die Stimme von Alwin Tantz war in einer Aufnahme zu hören. Seien Person und andere Zeitgenossen hatten die Sülzenbrückener zuvor im Umzug dargestellt.

Dass in dem kleinen Ort so viel – es gab unter anderem auch ein Kinderfest, eine Dorf-Rallye und Führungen – auf die Beine gestellt wurde, beeindruckte auch Landrätin Petra Enders (Linke), die versprach, Sülzenbrücken für den Denkmalpreis des Kreises vorzuschlagen.

Er sei stolz darauf, dass es nach der 1275-Jahrfeier wieder gelungen sei, ein so großes Fest auf die Beine zu stellen, dankte Ortsteilbürgermeister Reymond Armster „allen Organisatoren, freiwilligen Helfern, Ideengebern und Sponsoren.“ Mit der elektrische Läuteanlage für die Glocken und einem neuen historischen Zifferblatt für die Turmuhr wurden gleich noch zwei Neurungen eingeweiht.

„… in dieser schweren, bitterernsten Zeit, den Menschen ein Wohlgefallen“, hatte sich Alwin Tantz in seinem Gedicht gewünscht. Mögen die Glocken immer im Frieden läuten, war Samstag der Wunsch von Pfarrer Mathias Hock.

Am Denkmaltag gab es dann in der St-Wigberti-Kirche einen Festgottesdienst und danach einen zünftigen Frühschoppen.

Geöffnet hatte am Denkmaltag die Ilmenauer Porzellanfabrik. „Zu Ilmenau gehören eben nicht nur Goethe und die Uni, dazu gehört auch Glas und vor allem Porzellan“, so Günter Andrä vom heimatgeschichtlichen Verein der Stadt. Er setzt sich für einen Traditionsverein in Sachen Henneberger Porzellan ein – und vor allem natürlich für ein schlüssiges Konzept für das große Areal des Porzellanwerkes.

Mit dabei war auch Horst Bradsch, der selber neun Jahre lang in der Entwicklungsabteilung des Porzellanwerkes arbeitete und am Sonntag Einzelstücke des Henneberger Porzellans zum Kauf anbot. „Es ist einfach wichtig, an die seit 1777 bestehende Tradition der Porzellanherstellung hier zu erinnern“, meinte er. Nach der Privatisierung 1990 folgte fünf Jahre später der Konkurs und 2002 die Einstellung der Produktion.Der Denkmaltag dort stand unter dem Motto „Neues Porzellanwerk Ilmenau – Aufbruch, Umbruch, Abbruch?“, seit dem Frühjahr hatten ihn die Mitglieder des Heimatgeschichtlichen Vereins vorbereitet. „Ganz wesentlich wurden wir dabei von dem leidenschaftlichen Sammler und ausgezeichneten Henneberg-Kenner Michael Kühnlenz unterstützt“, so Andrä.

Im ehemaligen Speisesaal und späterem Werksverkauf wurden Filme und Dias aus dem Betriebsalltag gezeigt. An den Wänden hingen große Poster vom Werksgelände und den verschiedenen Porzellanformen, darunter Geschirr und Sammeltassen. Und auch Plakate, auf denen die Instandhaltung der ehemaligen Fabrik gefordert wurde – etwa als Stätte für Kultur, Sport und Freizeit,.

Die in Auftrag gegebene Studie zum Gelände des Porzellanwerkes liegt vor. „Ohne Unterstützung vom Freistaat wird eine Revitalisierung des Porzellanwerks nicht funktionieren, da die Kosten erheblich sind. Es ist schließlich die größte Gewerbefläche im Stadtgebiet, die noch verfügbar ist und für ein Wachstum der Technologieregion gebraucht wird. Es braucht deshalb im Wirtschaftsministerium eine zeitnahe Entscheidung zum Umgang mit dem Gelände“, so der CDU-Landtagesabgeordnete Andreas Bühl gegenüber unserer Zeitung. Der Zustand des immer weiter verfallenden Fabrikgebäudes sei nicht befriedigend, die Vielfalt der Projekte auf dem Gelände hingegen beeindruckend. „Dass muss bei einem Sanierungskonzept bedacht werden“, so Bühl.

Insgesamt luden am Denkmaltag 30 Denkmäler im gesamten Kreisgebiet zum Besuch ein. – von der Klosterkirche in Ichtershausen bis hin zur Dorfkirche bis hin zur Museumsbrauerei in Singen.

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