Der vielseitige Abschluss des Arnstädter Bach-Advents

Arnstadt.  Es war ein sonniger Sonntag zum Arnstädter Bach-Advent mit bemerkenswerten Konzerten. An vier Tagen besuchen mehr als 12.000 Gäste Höfe und Konzerte.

Die modernste Musik des Bachadvents konnte man im Prinzenhofkeller erleben. Unter dem Bandnamen „artvark saxophone quartet“ spielten hier vier Holländer.

Die modernste Musik des Bachadvents konnte man im Prinzenhofkeller erleben. Unter dem Bandnamen „artvark saxophone quartet“ spielten hier vier Holländer.

Foto: Hans-Peter Stadermann

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Ein menschlich ähnlich sympathisches Konzert boten am Samstagnachmittag im Gewölbekeller des Prinzenhofes die sechs Mannen um den Ex-Keimzeit Saxofonisten Ralph Benschu und seinen langjährigen Kumpel, den Kirchenorganisten Matthias Eisenberg, die unter dem Band- und Programmnamen Swinging Bach ein musikalisches Feuerwerk der Extraklasse abbrannten. So herrlich und kraftstrotzend swingend hat man Bach wohl noch nie vernommen.

Das Sextett von Saxofon und Bassklarinette, Geige, Piano, Cello, Bass und Schlagzeug bot eine wahrhaft göttliche Trinität, die sich aus den drei Herkunftsbereichen Rock, Jazz und Klassik herleitete. Es war atemberaubend zu erleben, wie diese Musiker, aus so unterschiedlichen Bereichen herkommend, sich im Swinging Bach zusammenfanden. Wer hätte gedacht, dass klassische Musiker derart swingen können? Hier paarte sich aufs Feinste die Virtuosität und Perfektion des Klassikers mit der Spielfreude und Improvisationslust des Jazzers und der Seele und Klangmagie des Rockers und erwies wieder einmal, dass Bach auch der erste Jazzer und Rocker gewesen ist.

Swingende Hommagemit einem Stück von Händel

Ein Höhepunkt dieser swingenden Hommage an Bach war ausgerechnet eine Passacaglia von Georg Friedrich Händel, die in der Bachstadt Arnstadt aufzuführen fast wie ein Frevel erscheint. Diese herrlich übermütige Passacaglia zeigte den großen Melodiker Händel und das swingende Bach-Sextett von ihren besten Seiten und machte das Publikum restlos glücklich.

Die modernste Musik des Bach-Advents konnte man am frühen Samstagabend ebenfalls im Prinzenhofkeller erleben. Unter dem Bandnamen „artvark saxophone quartet“ spielten vier Holländer. Es war erstaunlich, wie voll der Keller war angesichts von modernem Jazz, der überdies nur von Saxofonen (zwei Mal Altsax, je ein Tenorsax und Baritonsax) gespielt wurde.

Offenbar hatte sich der Ruhm dieser Musiker bereits so weit herumgesprochen, dass der Keller fast bis auf den letzten Platz gefüllt war. Nach einer sympathischen energischen Hommage an Charlie Mingus und einem genial perkussiven Stück, bei dem die Instrumente geschlagen und mit Klappengeräuschen gearbeitet und ein großartiges Afro-Feeling verbreitet wurde, spielten die vier Musiker vor allem das 50 Minuten dauernde Stück „trance“, das diesen Titel nicht zu Unrecht trug.

Die Musik, ausgehend vom Urknall und die Evolution beschreibend, entwickelte einen solchen Sog, dass man immer mehr in Trance geriet. War das Jazz oder war es eher von Avo Pärt oder John Cage inspiriert? Auf jeden Fall war es eine betörende Klangwelt, die, wohl typisch holländisch, auch recht humorig daherkam.

Der Sonntag, der letzte Tag des viertägigen Festivals, bot die gleiche spannende Mischung von Musikstilen wie die drei vorangegangenen Tage. Sympathisch erwies sich etwa das Duo aus Franken mit dem unaussprechlichen Namen Nobutthefrog, was so viel wie „nichts als der Frosch“ bedeuten dürfte.

Die beiden jungen Leute machten, unter anderem im Café Marlitt, „Straßenmusik“ vom Feinsten und weckten mit feingestrickten Eigenkompositionen wehmütige Erinnerungen an die Anfangszeit von Simon und Garfunkel, nur, dass weibliche und männliche Stimme großartig miteinander harmonierten.

Zündende Rhythmenund arabisch angehauchte Tänze

Ein Höhepunkt der klassischen Musik und des gesamten Festivals überhaupt war der Soloauftritt von Nikola Vuckovic, dem Partner der „Teufelsgeigerin aus Montenegro mit dem engelsgleichen Antlitz“. Dieser zauberte auf dem Flügel des Rathaussaales in einer halsbrecherischen Tour eine Klangwelt der Hochromantik hervor, in der er Brahms, Liszt und Chopin auf atemberaubende Weise mit Rachmaninow verschmolz. Zuvor hatte das Tanz- und Trommelprojekt Sila Laka, ebenfalls im Rathaussaal, in die märchenhafte Welt der westafrikanischen Musik entführt.

Mit ihren zündenden Rhythmen, den arabisch angehauchten Tänzen und dem hypnotischen Gesang boten sie einen faszinierenden Höhepunkt. Nach der „Musica Punct Fuenf“ in der Bachkirche, die mit dem Posaunenchor Arnstadt, dem Bachchor, dem Spatzenchor und dem Streichtrio Julia Fischer, Julia Helmboldt und Marco Onofri besinnliche Weihnachtsatmosphäre verbreitete, gab anschließend auf dem Marktplatz die Heavy-Metal-Band aus Leipzig mit dem schönen Namen Molllust und dem Untergenre Opera Metal den klanggewaltigen perfekten „Rausschmeißer“, der den Marktplatz, wohl auch kältebedingt, langsam aber sicher leerte.

Das Team vom Bach-Advent ruft zu einem Fotowettbewerb auf. Fotos an foto@bach-advent.de schicken, die drei Besten werden prämiert.

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