Die eigentliche Herausforderung heißt: So lange wie möglich oben bleiben

Alkersleben  Auf dem Verkehrslandeplatz Arnstadt-Alkersleben finden seit Freitag die Thüringer Meisterschaften im Streckensegelflug statt.

Frank Hörig vom Luftsportverein Mühlhausen im Cockpit seines etwa 240 Kilogramm schweren Segelfliegers.

Frank Hörig vom Luftsportverein Mühlhausen im Cockpit seines etwa 240 Kilogramm schweren Segelfliegers.

Foto: Robert Schmidt

„Es soll windig werden“, sagt der Wetterfrosch. „Macht nichts, dann fliegen wir halt Wellen“, sagen die Segelflieger. Und: „Das Runterkommen ist nie das Problem, das schön lange Obenbleiben manchmal aber schon“, erzählt Frank Hörig vom Luftsportverein Mühlhausen mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht.

In Alkersleben finden seit Freitag und noch bis zum Sonntag in einer Woche die mittlerweile 28. Thüringer Meisterschaften im Streckensegelflug statt. „Es geht hier nicht so sehr um Platzierungen, sondern um den Spaß am Fliegen“, meint Hörig, während er sein gut 25.000 Euro teures Segelflugzeug zusammenschraubt. Ein eingespieltes Team braucht dafür zehn Minuten, meist sind es zwei oder drei Mann, die mit Hand anlegen. Flügel und Höhenruder werden angeschraubt. „Das Höhenruder ist das Wichtigste. Wenn es mit allem anderen Probleme gibt, kann man das irgendwie kompensieren, aber das Höhenruder darf nicht ausfallen“, so Hörig, der deswegen alles mehrmals kontrolliert.

Meistertitel in drei Segelflug-Klassen

Gestartet wird in Alkersleben in drei Klassen, die sich vor allem nach der Flugleistung der Segelflieger richten. Je nachdem, wer die vorgegebene Strecke von 150 bis 300 Kilometer – bei guten Bedingungen auch schon mal 500 Kilometer – als Schnellster bewältigt, der ist Tagessieger. Und wer da am Ende die mit seiner Flugzeugnase am weitesten vorne platziert ist, der darf sich dann Landesmeister 2019 nennen.

Aber wie gesagt: Segelflieger sind ein lustiges Trüppchen. Neben dem lautlosen Fliegen unter, in und über den Wolken freuen sie sich genauso auf das abendliche Beisammensein. Die Wiese neben der Startbahn sieht aus wie ein Campingplatz an einem gut besuchten Baggersee.

Dieses gemütliche Beisammensein verknüpfen sie übrigens auch gleich noch mit einem guten Zweck: „Wir haben hier eine Spendenbüchse für das Kinderhospiz in Tambach-Dietharz. Von jedem verkauften Kaffee geht da die Hälfte des Preises rein, und abends beim Biertrinken wird gespendet“, so Ralph Kuhles und Stefan Straßburger vom Segelflugclub Erfurt, dem Ausrichter der Meisterschaften, der gleichzeitig auch in Alkersleben beheimatet ist.

Der Flugplatz in Alkersleben bekommt gleich am ersten Tag der Meisterschaften viel Lob von den Piloten. „Ich bin das erste Mal hier und wirklich erstaunt, wie schön es hier ist und wie gut alles organisiert ist“, sagt Steffen Schmidt aus Neustadt an der Weinstraße, der seit seinem 14. Lebensjahr den Segelflugsport betreibt. „Jeder Flug ist anders, jede Wetterlage ist anders und wirkt sich auf den Flug aus. Wir Segelflieger spüren da oben die Kraft der Natur und können nur mit ihr zusammen klarkommen“, beschreibt er die Faszination. Sein längster Segelflug dauerte übrigens ganze 9 Stunden und 20 Minuten.

So lange werden die über 40 Piloten über und rund um Alkersleben in den nächsten Tagen wohl nicht unterwegs sein. Am liebsten wären ihnen ein paar Kumuluswolken, verbunden mit wenig Wind. Das soll zum Beispiel am Samstag nicht ganz so klappen, da wird zumindest zum Teil starker Wind aus südwestlicher Richtung erwartet.

Ein gutes, gebrauchtes Segelflugzeug wie die „ASW 19“ von Hörig bekommt man für 20.000 bis 25.000 Euro, es gibt aber auch solche für über 300.000 Euro. Die haben dann einen eigenen kleinen Motor und jede Menge technischen Schnickschnack. Die normalen Segelflugzeuge werden von einmotorigen Propellermaschinen auf gut 600 Meter Höhe gezogen, danach müssen die Piloten dann selbst sehen, wie sie klarkommen. Wettkampfleiter Stefan Straßburger rechnet mit rund 40 Flügen am Tag – bei richtig guten Bedingungen könnten es auch mehr werden. „Das kann man vorher nie so genau beurteilen. Die für uns aussagekräftigen Wettervorhersagen kommen jeden Morgen rein.“

Noch bis zum Sonntag, 18. August, sind die Segelflieger in Alkersleben, dann stehen die drei Landesmeister fest. Wer vorbeischauen möchte, der ist herzlich eingeladen.

Segelfliegen für jedermann

Die Mitglieder des Segelflugclubs Erfurt bieten von Alkersleben aus Flüge für jedermann an.

Mögliche Ziele mit dem Motorsegler sind dabei die Wachsenburg, Bad Berka, Talsperre Heyda und auch Erfurt-Süd (Flugdauer 15 Minuten); Ilmenau, Saalfeld, Gotha und Sömmerda (30 Minuten) oder der Inselsberg, Neustadt, Jena und die Saaletalsperre (60 Minuten).

Es gibt auch reines Segelfliegen mit einem Start an der Winde oder dem Schleppen auf 600 Meter Höhe.

Terminvereinbarungen und Informationen über Preise unter Telefon: 0151/29704134 oder unter 036200/60315.

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