Die Hände greifen, die Füße tanzen auf den Pedalrippen

Böhlen  Lukas Maschke rührt mit seinem Spiel auf der Holland-Orgel den 120 Zuhörern bei der Sommerakademie in Böhlen das Herz

Lukas Maschke spielte in Böhlen wieder auf der historischen Holland-Orgel.

Foto: Karl-HEinz Veit

Das „Kleine Orgelkonzert“ im Programm der Thüringischen Sommerakademie in Böhlen bot wieder die ganz große Musik mit Bach-Werken. In der Familie Bach wurden einst von Vater Johann Sebastian Bach (1685-1750) und beiden Söhnen, Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) und Wilhelm Friedemann (1710-1784) die Noten geschrieben.

Diese erweckte Lukas Maschke, der junge, in Friedrichroda geborene, in Stuttgart, Weimar und Erfurt an beiden Musikhochschulen und beim Erfurter Domorganisten Silvius von Kessel ausgebildete Organist und Kirchenmusiker, der seit 2013 als Domorganist im Dom St. Ludgerus und an der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Billerbeck wirkt, zur lebendigen Musik. Wie im Jahr 2010, als der „Azubi-Organist“ Lukas Maschke in Vertretung einsprang, rührte er am Montagabend etwa 120 Zuhörern das Herz.

Dem Musizieren von Bach denkbar nahe

Die Musikauswahl seines mit Zugaben gefüllten, anderthalbstündigen Konzertes traf der Organist so, dass zumindest ein Teil der Vielgestaltigkeit des Musikschaffens der Bachs erlebbar wurde. Vielleicht sollte man sich Johann Sebastian Bachs Orgelspiel, damals als junger Kerl in der Arnstädter Kirche, so vorstellen, wie es Maschke auf der historischen Böhlener Holland- Orgel vorführte. Der beherzte Griff in die Tasten, die auf den Pedalrippen tanzenden Füße, das flinke Greifen nach den Knäufen neben dem Spieltisch zur wechselnden Klangmischung der Orgel könnten dem „Bachschen Musizieren“ ähnlich gewesen sein.

Fürs Fulminante mit Tutti- Spielpassagen, wo alle Register gezogen sind, wurde von Lukas Maschke der Vater Bach bemüht. Zweimal „Präludium und Fuge“ D- Dur und Es- Dur und die in ruhiger Melodiefolge dahin fließende „Triosonate Nr.1 Es Dur“ mögen ein Vater-Vorbild für die Bach-Söhne gewesen sein. Ihre Stücke demonstrierten jene frohsinnige Heiterkeit und fröhlich scherzende Verspieltheit, die sich für junge Leute ziemt. Beim Spiel der „12 Variationen auf die Folie d’Espagne“ von Carl Philipp Emanuel reizte Maschke das Klangpotenzial der Orgel aus. Teile aus „18 Stücke für eine Spieluhr“ von Wilhelm Friedeman gestaltete der Organist schön „taktvoll“.

Dass hinter der grundsätzlichen Leichtigkeit des Spielens von Lukas Maschke großes Talent, Fleiß, Nervenstärke und jugendlicher Schwung stecken, soll ausdrücklich erwähnt sein.

Nach reichlichem Beifall und dem Blumengruß im Altarraum verharrten auch diesmal alle Zuhörer auf ihren Plätzen. Sie harrten erwartungsvoll der Zugabe. „Gute Nacht, Freunde…“

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