Die Rauschbrille zeigt durchaus eine erzieherische Wirkung

Ilm-Kreis.  Gespräch mit Vereinschef Dittmar Heyder über Tops und Flops in der Arbeit der Verkehrswacht im Ilm-Kreis.

Dittmar Heyder, Vorsitzender der Verkehrswacht im Ilm-Kreis, ist viel unterwegs. Hier brachte er gemeinsam mit Polizeihauptmeisterin Cathrin Faupel vor dem Start ins neue Schuljahr im Sommer 2019 in Plaue ein Banner an.

Dittmar Heyder, Vorsitzender der Verkehrswacht im Ilm-Kreis, ist viel unterwegs. Hier brachte er gemeinsam mit Polizeihauptmeisterin Cathrin Faupel vor dem Start ins neue Schuljahr im Sommer 2019 in Plaue ein Banner an.

Foto: Hans-Peter Stadermann

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„Auto am Haken“, „Pannenkurs für Frauen“, „Schulwegsicherheit geht alle an“ – so lauten drei Schlagzeilen zur Arbeit der Verkehrswacht im Ilm-Kreis. Im März feiert sie ihr 30-jähriges Bestehen. Dittmar Heyder (68) gehörte fast von Anfang an dem dem Verein an, der in Arnstadt gegründet wurde und 2013 mit Mitgliedern aus dem südlichen Ilm-Kreis fusionierte. Unsere Zeitung sprach mit dem ehemaligen Polizisten und Verkehrserzieher. Er leitet den Verein seit 1991.

Lassen sich junge Leute von Rauschbrille und Überschlagsimulator heute noch beeindrucken?

Ja, lassen sie. Vor allem, wenn sie merken, was die Rauschbrille, die einen Blutalkoholgehalt simuliert, speziell auf die Motorik für Auswirkungen hat. Da fahren sie Kegel um oder stürzen fast. Der Überschlagsimulator ist bei Aktionstagen in Gymnasien und Berufsschulen dabei, da erleben die jungen Leute, wie wichtig der Sicherheitsgurt ist.

Der Verein bietet regelmäßig Verkehrsteilnehmerschulungen an. Geht da im Internet-Zeitalter überhaupt noch jemand hin?

Auch hier ein klares Ja. Die Teilnehmer schätzen es, konkrete Fragen zu besprechen und Hintergrundinformationen zu bekommen. Nicht alles, was im Internet steht, versteht der Laie richtig. Wichtig ist, dass jemand diese Schulungen organisiert. Wir machen dies für die Leute kostenfrei, kommen auch gern auf die Dörfer und in Vereine. Diese Arbeit der Verkehrswacht wird mit Landes- oder Bundesmitteln bezuschusst.

Kaum ein Volksfest in den vergangenen Jahren, bei dem die Verkehrswacht nicht dabei war. Haben Sie die Wochenenden gezählt, die Sie ehrenamtlich unterwegs waren?

Nein, es würde aber einiges zusammenkommen. Ich mache das gern und möchte ein verlässlicher Partner sein. Ich habe immer Mitglieder dabei, wir wollen unseren Beitrag zur Verbesserung der Verkehrssicherheit leisten, das geht bei solchen Anlässen gut. Da kommen alle Altersgruppen, Fußgänger genauso wie Autofahrer. Wir nutzen unter anderem Simulatoren für Rad, Motorrad und Pkw, die wir angeschafft haben.

Der Ausbau des Verkehrserziehungszentrums im Jonastal war 1993 ein Kraftakt. Wie ist heute die Auslastung?

Ohne dieses Gelände wäre die Radfahrausbildung in dieser Qualität, wie wir sie anbieten können, nicht möglich. Seit 2011, als ich als Polizist in Pension ging, hat das meine Kollegin Cathrin Faupel übernommen und führt diese Arbeit sehr gut weiter. Die Räume werden auch für Veranstaltungen genutzt und im Verkehrsgarten üben gern Eltern mit ihren Kindern. Das ist gewollt, deshalb ist das Gelände ständig offen. Es gibt bundesweit nicht viele Einrichtungen dieser Art.

Wie wird die Jugendverkehrsschule in Langewiesen genutzt?

Sie dient hauptsächlich der Radfahrausbildung der Kinder im südlichen Ilm-Kreis. Wir sind froh, dass wir die Einrichtung haben, sonst würden wird die Ausbildung in den Sommermonaten nicht schaffen. Jährlich besuchen etwa 850 Viertklässler im Kreis den Kurs mit fünf Übungseinheiten. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt von Verkehrswacht, Polizei und Schulverwaltung.

Top oder Flop? Welche Aktionen Ihres Vereins fallen Ihnen dazu ein?

Wir versuchen immer mal wieder mal Neues. Die Rallye der Vernunft für junge Fahrer wurde leider zum Flop, weil Samstagnachmittag keiner Lust hatte. Daraufhin suchten wir uns Partner für Veranstaltungen während der Schul- und Ausbildungszeit. So kommen wir an die jungen Leute ran. Sehr gut angenommen werden Aktionstage im Kindergarten oder Verkehrssicherheitstage, mit denen wir uns an öffentlichen Veranstaltungen beteiligen.

Was hat sich im Laufe der Jahre in der Arbeit der Verkehrswacht verändert?

Wir unterbreiten inzwischen mehr Angebote für Ältere, so gibt es die Aktion „Aktiv mobil – sicher ans Ziel“ für Senioren. Auf Anfrage bieten wir auch Rollatortraining an, leider wird es wenig genutzt. Natürlich sind wir auch im Verein älter geworden, der Altersdurchschnitt unserer 35 Mitglieder liegt über 55 Jahre. Mitstreiter sind jederzeit willkommen.

Elterntaxi oder Schulbus? Was ist sicherer?

Auf jeden Fall der Schulbus. Als Polizist war ich oft in und an Schulen unterwegs und kenne die teils chaotische Situation. Wichtig ist, dass Kinder auf den Schulweg vorbereitet werden und ihn selbst gehen können.

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