Diese Musik hört der Ilm-Kreis

Bei Spotify-Nutzern im Ilm-Kreis sind vor allem internationale Ohrwürmer beliebt. Aber auch Konzerte vor Ort treffen den Musikgeschmack der Menschen. Für lokale Musiker ist der Streamingdienst deshalb meist noch uninteressant.

Streamingdienste erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Streamingdienste erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Foto: Daniel Volkmann

Eine CD oder Schallplatte in den Händen zu halten, ist für die Ilmenauer Band Janna noch immer etwas besonderes. „Wir sind, wie man sagt, physische Typen, halten also gerne ein Medium in der Hand, auch wenn der Rest des Lebens ziemlich digital daher kommt“, sagen Hanna Flock-Rosenbrück und Joachim Rosenbrück. Mit irischer und schottischer Folkmusik sind die beiden Musiker in Thüringen bekannt, zudem zählen Coversongs zu ihrem Repertoire. Was für die Band Janna derzeit nicht in Frage kommt: Die eigene Musik bei Streamingdiensten anzubieten.

„Eine CD oder gar Schallplatte bedingt ein genaues Zuhören, kein nebenbei Dudeln“, begründen die beiden ihre Entscheidung. Doch auch wenn die eigenen Fans ähnlich tickten, bei Streamingdiensten präsent zu sein, sei „in nächster Zeit unumgänglich“, blicken Janna voraus. Denn der Musikmarkt habe sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert.

Musikstreaming erfreut sich steigender Beliebtheit, vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. 69 Prozent der 14 bis 29-Jährigen hören mindestens einmal wöchentlich Musik über Anbieter wie Spotify, Apple Music, Deezer und Co. Wer herausfinden will, welche Musik junge Menschen im Ilm-Kreis hören, sollte sich daher beispielsweise die Hitliste des größten Anbieters Spotify anschauen. Im vergangenen Jahr war in diesem Ranking der litauische Musikproduzent Dynoro mit seinem Song „In my Mind“ im Ilm-Kreis am beliebtesten, belegte in Ilmenau Platz 1 und in Arnstadt Platz 2. Damit spiegelt sich ein weltweiter Trend in der Region wider. „In my Mind“ wurde allein bei Spotify bisher mehr als 526 Millionen Mal gestreamt.

Spotify: Top 10 Arnstadt

2018 am meisten gehört bei dem Streamingdienst

  • Platz 1 :Capital Bra – „Neymar“
  • Platz 2: Dynoro – „In My Mind“
  • Platz 3: Dennis Lloyd – „Nevermind“
  • Platz 4: Calvin Harris (with Dua Lipa) – „One Kiss“
  • Platz 5: Kontra K (feat. RAF Camora) – „Fame“
  • Platz 6: Bonez MC – „500 PS“
  • Platz 7: Post Malone – „Better now“
  • Platz 8: Summer Cem – „Tamam Tamam“
  • Platz 9: El Profesor – „Bella ciao“ (Hugel-Remix)
  • Platz 10: RIN – „Dior 2001“

Von solch einer Popularität sind neben Janna auch andere Künstler aus dem Ilm-Kreis weit entfernt. Und auch bei Streamingdiensten sind sie meist nicht zu finden, etwa das Jazzy Duo aus Arnstadt. Deswegen könnten die Geschwister Jessica und Philipp Jacob, die bereits drei Alben veröffentlicht haben, laut eigener Aussage auch nicht viel zu dem Thema sagen. Musikalisch hat das Jazzy Duo bereits einen weiten Weg hinter sich: über Jazz, moderne Coversongs und Songwriting sind die beiden Musiker laut Homepage inzwischen bei deutschem Pop angelangt.

Was beispielsweise Janna gegenüber Streamingdiensten skeptisch macht, seien unzureichende Aussichen auf Vergütung. Aus Gesprächen mit anderen Musikern, die bereits dort vertreten sind, wisse man, „dass dabei kein nennenswerter Erlös erzielt wurde“. Mit dem Verkauf von Tonträgern und Einnahmen bei Konzerten seien die Musiker aus dem Ilmenauer Ortsteil Heyda zudem bisher gut gefahren, um zukünftige Produktionen finanzieren zu können.

Die geringen Einnahmen für Künstler bei Spotify & Co. bemängelt auch Robert Graefe. Der Ilmenauer Songwriter sieht Streamingdienste jedoch überwiegend als Chance für seine Arbeit als Musiker. Der 28-Jährige Gitarrist stellt seine Lieder seit drei Jahren als Stream zur Verfügung. „Es ist doch heute so: Wer nicht bei Spotify ist, ist als Künstler nicht für ein größeres Publikum präsent“, sagt er.

Seine Zielgruppe seien vor allem junge, gitarrenaffine Männer. Seine eigene Reichweite sei derzeit noch gering. Doch das könne sich schnell ändern. „Wichtig ist es, in Playlisten reinzukommen. Ich sehe das bei Musikern, die die gleiche Stilrichtung haben und wie ich live vor im Durchschnitt 40 Zuhörern spielen. In einer Playlist erreicht man dann mal schnell 50.000 Leute“, sagt Graefe.

Indes war in der Spotify-Hitliste des vergangenen Jahres im Ilm-Kreis ein anderes Genre beliebt: Hip-Hop (siehe Kasten unten). Songs dieser Stilrichtung wurden neben internationalen Ohrwürmern sowohl in Arnstadt als auch Ilmenau viel gehört, wenngleich sich zwischen den Platzierungen teils Unterschiede zeigen. Doch lässt sich bei jungen Hörern ein Trend zum Hip-Hop konstatieren.

Spotify: Top 10 Ilmenau

2018 am meisten gehört bei dem Streamingdienst

  • Platz 1: Dynoro – „In My Mind“
  • Platz 2: Dennis Lloyd – „Nevermind“
  • Platz 3: Marshmello – „Friends“
  • Platz 4: El Profesor – „Bella ciao“ (Hugel-Remix)
  • Platz 5: Loud Luxury (feat. Brando) – „Body“
  • Platz 6: Post Malone (featuring 21 Savage) – „Rockstar“
  • Platz 7: Bausa – „Was Du Liebe nennst“
  • Platz 8: Calvin Harris (with Dua Lipa) –„One Kiss“
  • Platz 9: Rudimental (feat. Jess Glynne, Macklemore & Dan Caplen) – „These Days“
  • Platz 10: Camila Cabello – „Havana“

Der Musikgeschmack der Menschen im Ilm-Kreis ist gleichwohl deutlich vielschichtiger. Dies zeigt beispielsweise eine Auswertung der im vergangenen Jahr verkauften Karten des Ticketshops Thüringen, der zur Mediengruppe Thüringen gehört (siehe ebenfalls unten). Beliebt waren bei den Kartenverkäufen Auftritte deutscher Musiker und Konzerte, die in der näheren Umgebung stattfinden. Exemplarisch zeigt sich das an der Vorfreude der Menschen in Arnstadt auf ein Konzert in diesem Jahr. Zum 20. Jubiläum des Sport- und Freizeitbades traten am 1. Juni die Schlagersängerin Vanessa Mai, die Volksmusik-Gruppe Voxxclub und die Party-Coverband Biba und die Butzemänner auf. Die Tickets waren gefragt.

Ticket-Shop Thüringen: Top 10 Arnstadt

Ticketverkäufe 2018 in Arnstadt, Veranstaltungstermine liegen in 2018 und in 2019.

  • Platz 1: Bad-Jubiläum, unter anderem mit Vanessa Mai – 1. Juni 2019, Arnstadt
  • Platz 2: Clueso – 29. Dezember 2018, Erfurt
  • Platz 3: Herbert Grönemeyer – 30. August 2019, Erfurt
  • Platz 4: Gold 50 – 21. Juli 2018, Arnstadt
  • Platz 5: Thüringer Bach Collegium – 30. November 2018, Arnstadt
  • Platz 6: Musikparade 2019 – 2. Februar 2019, Erfurt
  • Platz 7: 6. Winterball – 23. Februar 2019, Arnstadt
  • Platz 8: Night of the Proms – 6. Dezember 2018, Erfurt
  • Platz 9: Das große Schlagerfest – 26. April 2018, Erfurt
  • Platz 10: Roland Kaiser – 1. März 2019, Erfurt

Dass der Musikgeschmack der Menschen im Ilm-Kreis sehr vielfältig ist, zeigt auch eine kleine Umfrage unter Politikern. Beispielsweise sind die Lieblingskünstler von Landrätin Petra Enders (Linke) altgediente Stars wie Bob Dylan, Neil Young und Janis Joplin.

Aber auch die Songs der Sängerin Annett Louisan höre die Landrätin sehr gern. Musik konsumiere Enders hauptsächlich klassisch über das Radio. Aus den Charts seien ihr daher auch die meisten Songs bekannt, die sich in der Spotify-Hitliste finden. Einzige Ausnahme sei hierbei der Song „Neymar“ des Berliner Rappers Capital Bra. Einen Lieblingssong oder ein Lieblingsalbum des vergangenen Jahres habe die Landrätin allerdings nicht.

Ticket-Shop Thüringen: Top 10 Ilmenau

Ticketverkäufe 2018 in Ilmenau, Veranstaltungstermine liegen in 2018 und in 2019.

  • Platz 1: Stern-Combo Meißen – 6. Juli 2019, Ilmenau
  • Platz 2: Gestört aber Geil – 30. April 2018, Ilmenau
  • Platz 3: Johann-Strauss-Revue – 2. Februar 2019, Ilmenau
  • Platz 4: Die lustigen Musikanten – 21. März 2018, Ilmenau
  • Platz 5: Südtiroler Weihnacht – 7. Dezember 2018, Ilmenau
  • Platz 6: Heimatgefühle – 14. März 2019, Ilmenau
  • Platz 7: Schlager-Hitparade – 27. April 2018, Ilmenau
  • Platz 8: Felix Meyer – 15. Dezember 2018, Erfurt
  • Platz 9: Herbert Grönemeyer – 30. August 2019, Erfurt
  • Platz 10: Udo Lindenberg – 14. Juni 2019, Erfurt

Der Ilmenauer Oberbürgermeister Daniel Schultheiß (parteilos) ist hingegen ein Nutzer von Spotify. Sein Musikgeschmack hänge von der jeweiligen Stimmung ab und reiche von Klassikern der 60er Jahre über Rock der 80er und 90er bis Hip-Hop, sagt er. Der Streaming-Spitzenreiter „In my Mind“ von Dynoro sei ihm bestens bekannt, da sein siebenjähriger Sohn „total darauf steht“.

Zudem sei ihm wichtig, die lokale Musikszene wie Bands in der Ilmenauer Baracke 5 oder Labels wie Fatkids Records zu unterstützen. Solche Angebote bereicherten oft mehr als die Musik aus den Charts, da „man sie auch live vor Ort genießen kann“, sagt Schultheiß.

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