Dornheim: Wenn sich virtuose Musik mit der feinen Akustik vermählt

Ilm-Kreis  Die Gaechinger Cantorey gibt Konzerte in der Traukirche zu Dornheim und in der Bachkirche Arnstadt. Das Publikum erlebt dabei einen frischen Stuttgarter Stil.

Die Gaechinger Cantorey war am Wochenende in Dornheim und in Arnstadt zu erleben, hier ihr Dirigent Hans-Christoph Rademann in Aktion.

Die Gaechinger Cantorey war am Wochenende in Dornheim und in Arnstadt zu erleben, hier ihr Dirigent Hans-Christoph Rademann in Aktion.

Foto: Martin Förster

Rechtlich gehört Dornheim (noch) nicht zu Arnstadt, aber mit seiner Traukirche musikalisch und überhaupt auch sonst zur Bachstadt Arnstadt. In jedem Falle sind auch wir Arnschter froh, dass wir die Traukirche und ihre fantastischen Kammerkonzerte in unserer Nähe genießen können.

Am Samstagmittag war es wieder einmal soweit. Die exzellente Kammermusik, gespielt von der Salzburger Professorin Mayumi Hirasaki (Barockvioline) und der Münchener Professorin Christine Schornsheim (Cembalo), passte perfekt in den intimen Rahmen der Traukirche. Virtuose Kammermusik, perfekt und ergreifend gespielt, vermählte sich wundervoll mit der feinen Akustik und barocken Pracht der Traukirche.

Das von den „Thüringer Bachwochen“ inszenierte Konzert war Teil der Konzertreihe der Gaechinger Cantorey, die vom 13. bis 15. September unter dem Motto „Pilgerfahrt ins Bachland“ in Eisenach, Dornheim, Weimar und Arnstadt stattfand. Anders als in den anderen Konzertorten, wo geistliche Vokalwerke wie die H-Moll-Messe, Weimarer Kantaten und die Johannes-Passion aufgeführt wurden, war das Konzert in Dornheim, schon wegen seiner familiären Atmosphäre, zur Gänze der Kammermusik gewidmet.

Im Duo spielten Mayumi Hirasaki und Christine Schornsheim die leider viel zu selten zu vernehmenden Sonaten BWV 1021, 1016 und 1019 für Violine und Basso continuo beziehungsweise Cembalo obligato. Es war dem von weit angereisten Publikum eine Wonne, diese prächtigen Sonaten in Interpretationen zu erleben, die Virtuosität mit Innigkeit, Temperament und Herzenswärme vereinten.

Publikum ist begeistert von der Aufführung

Zwischen den drei mitreißend gespielten Sonaten erklangen zwei ebenso einfühlsam gespielte Solowerke. Zunächst präsentierte Christine Schornsheim mit der Toccata in D für Cembalo solo BWV 912 eine ziemliche Rarität. Herrlich erscholl der silberne Glanz des Cembalos unter den freudig bewegten Fingern der Münchener Virtuosin.

Das zweite Solo-Werk wurde von der Violinistin Mayuma Hirasaki präsentiert. Bei diesem konnte von einer Rarität im Sinne einer selten gespielten Komposition keine Rede sein, denn es erklang die oft gehörte schönste und schwierigste Komposition für Geige überhaupt und für manchen die großartigste Komposition von Bach. Die Chaconne aus der Partita BWV 1004 bot einen unbestreitbaren Höhepunkt in einer meisterhaften wie herzenswarmen Interpretation.

Im Rahmen ihrer Pilgerfahrt ins Bachland gastierte die 2016 reformierte Gaechinger Cantorey unter der neuen Leitung von Hans-Christoph Rademann am Sonntagnachmittag in der Bachkirche mit der Johannes-Passion.

Vor der Aufführung gab es für den wissenschaftlich Interessierten noch eine Werkeinführung mit Michael Maut. Interessanter Weise wurde in der prall gefüllten Bachkirche die vierte Fassung der Passion gemäß der Aufführung vom 4. April 1749 in der Nikolaikirche gewählt. Diese Fassung enthält vor allem einige Textänderungen bei den Arien Nr.3 (Sopran), Nr.19 (Bass) und vor allem der Arie Nr.20 (Tenor), deren allzu blutrünstiger Text ersetzt wurde.

Auch sonst bewies die Arnstädter Aufführung der Johannes-Passion die Wirksamkeit des „neuen Stuttgarter Bachstiles“, der seit dem Sommer 2016 in der Gaechinger Cantorey unter dem neuen Leiter Hans-Christoph Rademann Einzug gehalten hat. Grundlage des neuen Klanges ist unter anderem die Truhenorgel.

Die Gaechinger Cantorey musizierte mit einer Frische und Perfektion, die lyrischen Liebreiz mit opernhafter Dramatik zu verbinden wusste. Die Solisten Elizabeth Watts (Sopran), Benno Schachtner (Alt), Patrick Grahl (Tenor), Peter Harvey (Bass, Christus) und Matthias Winkler (Bass, Arien) waren sämtlich bewunderungswürdig und gaben das erschütternde Geschehen innig und ausdrucksstark wieder.

Auch der Chor der Gaechinger Cantorey beeindruckte durch eine eindringliche Stimmgewalt, die den dramatischen Gestus der Massenszenen ebenso bewältigte wie die andächtigen Choräle. Auch das barocke Instrumentalensemble überzeugte in den lyrischen Szenen mit opernhafter Dramatik.

Diese erfrischende Aufführung, die vom internationalen Publikum begeistert aufgenommen wurde, bestätigte aufs Neue, dass die Gaechinger Cantorey auf einem guten Wege ist.

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