Drogenproblem an Schulen in Ilmenau

Ilmenau  Die Polizei ruft die Ilmenauer Bevölkerung zu Hinweisen auf, die bei der Bekämpfung von Drogenhandel helfen können. Gemeinsam mit dem Ordnungsamt will man einen Streifendienst einführen.

Der Revolution Train – Drogenzug macht Station in Arnstadt: Schüler TGS Stadtilm im Gespräch mit Cathrin Faupel und Marco Kormann von der Polizeilichen Beratungsstelle der LPI Gotha

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Foto: Hans-Peter Stadermann

„Gibt es in Ilmenau Drogenumschlagplätze?“, wollte Madeleine Henfling (Grüne) am Donnerstag von Polizeioberrat Jörg Bürger wissen, der zur Stadtratssitzung am Rednerpult über die Sicherheitslage in Ilmenau berichtete. Henfling hatte das aus der Zeitung erfahren (TA vom 22. Oktober).

Hintergrund des Berichtes war damals, dass das Ilmenauer Ordnungsamt künftig Kontrollen an Brennpunkten in der Kernstadt und in den Ortsteilen verstärken will. Das wurde am Rand einer Diskussion über einen Vorschlag im Bürgerhaushalt bekannt, die im Wirtschafts-, Umwelt- und Verkehrsausschuss geführt wurde. Ging es zunächst um den Müll auf Spielplätzen, kam schnell die Rede auf den Drogenhandel, bei dem Beteiligte auch vor dem Verkauf von Substanzen an Kinder nicht zurückschrecken.

Mutmaßlicher Verkauf an Kinder

Zwei Umschlagstellen benannte damals Stadtratsmitglied Bernd Rocktäschel (Ilmenau direkt): den Spielplatz unterhalb der Weihrach-Straße im Wohngebiet „Am Stollen“ und das Umfeld des Ausflugsziels „Haus am See“ im Erholungsgebiet der Teiche.

„Wenn wir da nicht einschreiten, wird das dramatisch“ , schilderte er und kritisierte zugleich den Einsatz der Außendienstmitarbeiter des Ilmenauer Ordnungsamts, der sich hauptsächlich auf die Einhaltung von Park- und Halteregeln konzentriere.

Polizeichef Jörg Bürger gab zu, dass es auf dem Stollen verstärkt zur Feststellung von Personen kam, das sei aber im vorigen Jahr gewesen und seitdem habe es kaum noch Auseinandersetzungen gegeben. Einen gezielten Ansprechpartner für den Drogenverkauf habe die Polizei dort aber nicht feststellen können. Seiner Meinung nach sei dort kein Umschlagplatz für Drogen.

Schulen helfen nicht beim Drogenproblem

Ob es am Haus am See eine solche Stelle gäbe, beantwortete sein Kollege, Norman Stanelle, mit den Worten: Haus am See ist nicht erhöhter mit Drogen konfrontiert im Vergleich mit anderen Stellen.

Im Stadtrat kam die Diskussion in Bezug auf Drogen aber auch auf die Schulen zu sprechen. Dass auch dort mit Drogen gehandelt werde, sei man sich bewusst, sagte der Chef der Polizeiinspektion Arnstadt-Ilmenau. Allerdings sage es ihnen keiner. „Die Schulen helfen uns da nicht“, machte er klar. Madeleine Henfling bekräftigte diese Meinung. „Wir haben an den Schulen ein Drogenproblem. Die Schulen machen es aber nicht öffentlich, weil sie Angst um ihre Schülerzahlen haben.“

Im Gespräch ist ein gemeinsamer Streifendienst von Polizei und Ordnungsamt, der aber bisher am mangelenden städtischen Personal scheitere. Von vier Außendienstmitarbeitern verfügt bislang einer über weitergehende Qualifikationen in diesem Bereich. Eine Fortbildung für einen weiteren Kollegen ist angelaufen, hatte Ordnungsamt-Abteilungsleiterin Maja Weigt im Ausschuss erläutert. Auch für Bürgermeisterin Beate Misch (CDU) bestehe im Bereich des Ordnungsamts Nachholebedarf. Denn nicht zuletzt auch durch die Vielzahl an Eingemeindungen hat sich das Gebiet der Stadt Ilmenau verdreifacht – die Zahl der Einwohner stieg um 13.000 auf rund 39.000. Deswegen ist im Haushaltsentwurf für das Jahr 2020 eine weitere Stelle für das Ordnungsamt vorgesehen.

Hinweise aus der Bevölkerung erwünscht

Bislang tauchen die Themen Drogen und Beschaffungskriminalität nur dann regelmäßig öffentlich auf, wenn sie vor der Zweigstelle Ilmenau des Amtsgerichts Arnstadt verhandelt werden. Vor allem die synthetische Droge Crystal Meth ist auf dem Vormarsch, das bestätigte Polizeichef Bürger. Dass diese synthetischen Drogen erst nach vielen Jahren ihre schädlichen Auswirkungen zeigen würden, dem widersprach Stadtrat Dr. Stefan Mohr (CDU). Die Konsumenten der Drogen seien an den Symptomen erkennbar, wie Überaktivität, Grimassen schneiden und Gedankensprünge vollführen. Die körperlichen Verfallserscheinungen seien rasant und innerhalb von zwei Jahren feststellbar. Laut Mohr gäbe es auch immer mehr Fälle, die zum Sozialtherapeutischen Centrum Sturmheide oder in die geschlossene Anstalt nach Hildburghausen kommen.

Inspektionsleiter Bürger wäre froh über Hinweise aus der Bevölkerung zum Thema Drogen, er sprach von einem anonymen Bereich, der zur Beschaffungskriminalität führe, aber auch zu mehr Verkehrsunfällen.

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