Ein neuer Johannes für die Kanzel

Arnstadt.  Ein Arnstädter Unternehmen ermöglichte die Anfertigung einer verloren gegangenen Figur für die Oberkirche.

Die Restauratoren Pierre Zwetkow und Mary Randhage, AMW-Chef René W. Scharn, Holger May vom Oberkirchenverein und Pfarrer Thomas Kratzer (von links) zeigen auf die neue Johannes-Figur an der Kanzel.

Die Restauratoren Pierre Zwetkow und Mary Randhage, AMW-Chef René W. Scharn, Holger May vom Oberkirchenverein und Pfarrer Thomas Kratzer (von links) zeigen auf die neue Johannes-Figur an der Kanzel.

Foto: Hans-Peter Stadermann

Wie mag er ausgesehen haben? Wie hielt er den Kelch, wie trug er die Haare? Die Restauratoren Mary Randhage und Pierre Zwetkow hatten nur einen alten Kupferstich, an dem sie sich bei der Anfertigung einer neuen Johannes-Figur für die Kanzel in der Oberkirche orientieren konnten.

Kalk, der glänzt wie Porzellan

Aber sie verfügen über die Rezeptur, mit der der Arnstädter Künstler Burchard Röhl 1624 die barocke Ausstattung von Kanzel und Altar schuf. Er verwendete Kalkstuck, wurde auch als Kalkpolierer bezeichnet. Seine polierten Plastiken glänzten wie Porzellanfiguren, erklärte Mary Randhage am Freitag bei der Übergabe des neuen Johannes an die Evangelische Kirchgemeinde und den Oberkirchenverein.

Während Röhl einst in den Kalk viel Sand und Kälberhaar mischte, Holz und Strick als Armierung verwendete, entschieden sich die Restauratoren von heute für Edelstahl. Gefasst wurde die Apostel-Figur wie damals vom großen Meister in Weiß und Gold.

Arnstädter Unternehmen widmet sich Kultursponsoring

Leider ging das Original verloren. Die Neuanfertigung wurde von der Arnstädter Werkzeug-und Maschinenbau AG finanziert. Als international agierendes Unternehmen wolle man etwas für die Stadt tun, betonte Vorstand René W. Scharn. Man erhalte immer wieder Anfragen, unter anderem auch von Sportvereinen, konzentriere sich aber auf Kultursponsoring.

Johannes, einer der zwölf Apostel, war Missionar und soll der Legende nach ohne Schaden aus einem Schierlingsbecher getrunken haben, wie Pfarrer Thomas Kratzer erläuterte. Er ist froh, dass die Kanzel um ein Stück komplettiert wurde. Die Nachbarfigur des Johannes fehlt ebenfalls, sie ist leider auf dem alten Kupferstich nicht zu sehen und schwerer nachzuarbeiten. Anders das Relief zwischen den Figuren. Kratzer fände es schön, wenn es bis 2024 – dann wird das Ensemble 400 Jahre alt – wiederhergestellt werden könnte. Es bedarf noch vieler Spender, um das reichlich vorhandene Kunstgut in dem sanierten Gotteshaus zu restaurieren. AMW-Chef Scharn sagte spontan weitere Unterstützung zu.

Am Sonntag, 13. September, wird die feierliche Wiederinbesitznahme der Arnstädter Oberkirche gefeiert.

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