Zum Tod von Peter Unger: Ein profunder Kenner der reichen Geschichte von Arnstadt

Arnstadt.  Peter Unger verlor am 11. Oktober im Alter von 61 Jahren den langen Kampf gegen eine schwere Krankheit

Peter Unger liebte das Areal des ehemaligen Walpurgisklosters hoch über Arnstadt. Er war an der Ausgrabung der Fundamentreste beteiligt. Dieses Foto entstand zum 26. Walpurgisfest.

Peter Unger liebte das Areal des ehemaligen Walpurgisklosters hoch über Arnstadt. Er war an der Ausgrabung der Fundamentreste beteiligt. Dieses Foto entstand zum 26. Walpurgisfest.

Foto: Hans-Peter Stadermann

„Hallo, hier ist Peter Unger. Ich hab mal wieder was Schönes für Euch!“ Immer, wenn Fest- oder Feiertage vor der Tür standen, rief Arnstadts bekanntester Heimatforscher in der Lokalredaktion an. Die Texte, die er lieferte, waren gleichsam unterhaltsam wie fundiert und lehrreich. Zum Weihnachtsfest hätte er mit Sicherheit wieder Lesestoff beigesteuert. Doch es wird keinen Anruf mehr geben: Am 11. Oktober verlor Peter Unger den Kampf gegen eine lange, heimtückische Krankheit. Er wurde gerade einmal 61 Jahre alt.

Die Nachricht von seinem Tod erschütterte nicht nur die Kollegen in der Lokalredaktion. Denn Peter Unger machte sich an vielen Stellen verdient. Er erblickte am 2. Juli 1959 in Arnstadt das Licht der Welt und ließ sich zunächst als Archivassistent ausbilden. Dem schloss er schon bald ein Studium für Archivwesen an.

Von 1984 bis 1991 leitete er das Stadt- und Kreisarchiv Arnstadt, genoss aus dem großen Rundbogenfenster in der Ritterstraße nicht nur einen schönen Blick über die Stadt, sondern entdeckte auch so manche Preziosen der Stadt- und Kreisgeschichte. Nur Beruf war das Archivwesen für ihn aber nicht. Peter Unger war auch ein engagierter Ehrenamtlicher, etwa als Vorsitzender des Kreisvorstandes Arnstadt der Gesellschaft für Heimatgeschichte und Denkmalpflege im Kulturbund der DDR und als ehrenamtlicher Denkmalpfleger der Forschungsstelle für Ur- und Frühgeschichte Thüringens in Weimar.

Entdecker der ältesten Bratwurstrechnung der Welt

Einer seiner liebsten Plätze befand sich hoch über der Stadt. Denn von 1991 bis 1993 verbrachte Peter Unger viel Zeit auf dem Areal des ehemaligen Walpurgisklosters, leitete teils die Ausgrabungen. Auch später war er oft dort anzutreffen, etwa, wenn der Thüringer Geschichtsverein, dessen Vorsitzender er war, zu den beliebten Walpurgisfesten einlud.

Der Arnstädter war zudem Gründungsmitglied des Neideckvereins und bis 2004 Vorstandsmitglied, leitete auch hier die Grabungen, die bis 2004 liefen. Er dokumentierte die Funde, studierte Quellen zur Burg- und Schlossgeschichte. Auch war ihm der Aufbau einer ständigen Ausstellung im Gärtnerhäuschen ein Anliegen.

Auf Arnstadt beschränkt blieb sein Engagement nicht. Er war von 1994 bis 2001 auch Vorsitzender des Vereins Museum Wachsenburg, der hoch über Holzhausen ein Museum etablieren wollte. Peter Unger verbrachte viele Stunden in den unterschiedlichsten Archiven. Dabei machte er so manchen spannenden Fund. In Rudolstadt etwa fiel ihm im Jahr 2000 die „älteste Bratwurstrechnung der Welt“ in die Hände, ausgestellt im Jahr 1404 in Arnstadt. Diese Entdeckung gab den Anstoß zur Gründung des 1. Deutschen Bratwurstmuseums in Holzhausen, auch das Bratwursttheater, das Jahr für Jahr Hunderte Menschen anlockte, nutzt den historischen Stoff, den Peter Unger entdeckte.

Zudem entstammen seiner Feder unzählige Publikationen – von Zeitungsbeiträgen über Fachaufsätze bis hin zu Büchern, die er unter anderem in Zusammenarbeit mit Andrea Kirchschlager, Reinhard Pahl und anderen erstellte.

Nicht nur die Mitglieder des Thüringer Geschichtsvereins, dessen Vorsitzender Peter Unger auch nach seinem Umzug ins Vogtland blieb, trauern um den engagierten Heimatforscher.

Sie sprechen den drei Töchtern und Peters Frau Sigrid ihr tief empfundenes Beileid aus. Pandemiebedingt wird die Beisetzung Peter Ungers im engsten Familienkreis stattfinden. „In unseren Gedanken sind wir aber dabei, um seiner zu gedenken“, so Vereinsmitglied Lothar Schmidt.

Ehre wird Peter Unger auch im neuen Heft der Heimatgeschichtlichen Reihe erfahren, das Anfang Dezember erscheinen wird. Herausgeber ist sein Geschichtsverein.