Feuerwehr-Doppeljubiläum lockt Menschenmassen nach Stadtilm

Stadtilm (Ilm-Kreis). Auf dem Markt präsentierten die Wehren schwere Technik, die Besucher auch selber ausprobieren durften.

Gut besucht war die Aktionsstraße der Kreisjugendfeuerwehr. Hier konnte der Nachwuchs sein Können unter Beweis stellen. Gleich an mehreren Stationen war Zielsicherheit gefragt. Foto: Britt Mandler

Gut besucht war die Aktionsstraße der Kreisjugendfeuerwehr. Hier konnte der Nachwuchs sein Können unter Beweis stellen. Gleich an mehreren Stationen war Zielsicherheit gefragt. Foto: Britt Mandler

Foto: zgt

Nelly juchzt, als sie sich dem Boden nähert. Ganz unerschrocken war die Fünfjährige aus Stützerbach zuvor auf den großen Turm geklettert, der am Rande des Stadtilmer Marktplatzes aufgebaut wurde. Dort oben hatte sie nicht nur einen fantastischen Blick auf das Feuerwehrfest, das zu ihren Füßen begangen wurde. Sie wurde auch eingeklinkt in eine Seilbahn, mit der Feuerwehrleute im Ernstfall Menschen retten.

Unerschrocken springt das Mädchen vom Turm – und saust, gesichert durch ein weiteres Seil, in die Tiefe. „Das macht Spaß“, sagt sie lächelnd. Und fasst damit zusammen, was viele Besucher an diesem Tag denken. Ganz Stadtilm ist am 1. Mai in Feierstimmung. Die freiwillige Feuerwehr begeht ihren 150. Geburtstag, die Kreisjugendfeuerwehr ist zudem 20 Jahre alt geworden.

Um diese Jubiläen zu begehen, wurde ganz groß aufgefahren. Alte und neue Technik stehen auf dem Markt. Historische Spitzenwagen ebenso wie ein riesiges Löschfahrzeug, wie es auf Flughäfen zum Einsatz kommt. Am besten kommt bei den Besuchern an, dass diese Technik nicht nur zum Anschauen aufgestellt wurde. Anfassen und Ausprobieren ist ausdrücklich erwünscht.

Volksfeststimmung auf dem Markt

Per Seilwinde darf ein schrottreifes Auto auf die Seite gelegt werden. Ein schwerer Bagger darf per Luftkissen angehoben werden. Und natürlich dürfen die Kinder auch Feuer löschen, auf Leitern steigen, Uniformen, Einsatzbekleidung, kompliziert aussehende Technik anfassen.

Zwei Jahre lang haben Stadtilms Feuerwehrleute diese Geburtstagsfeier vorbereitet. Ein Einsatz, der sich gelohnt hat. Zumal viele Helfer von der Berufsfeuerwehr Erfurt über die Rettungshundestaffel Marlishausen bis zur Verkehrswacht gekommen sind, um das Fest zu einem Erlebnis zu machen. Bis in die Nacht hinein herrscht Trubel in dem sonst so ruhigen Städtchen.

Schon am Abend zuvor hatten die Kameraden im Bärsaal mit befreundeten Wehren die beiden Jubiläen gefeiert. Stadtbrandmeister René Strelow gab einen kurzweiligen Einblick in die Stadtilmer Feuergeschichte, die in der Tat einige Jahrzehnte weiter zurückgeht als bis ins Jahr 1865, als ganz offiziell die Turnerfeuerwehr gegründet wurde.

Dass sich gut ausgebildete Männer zusammenschlossen, hatte Gründe: Immer wieder brachen in Stadtilm Feuer aus. Selbst das Schloss, in dem heute das Rathaus untergebracht ist, wurde zum Raub der Flammen.

Über die Jahre, so Strelow, änderten sich die Einsatzschwerpunkte. Löschen müssen die Feuerwehrleute ebenso beherrschen wie technische Hilfeleistungen nach Unfällen oder bei Hochwasser.

„Die Feuerwehrarbeit hat unser aller Leben sicherer gemacht“, würdigte Bürgermeister Lars Petermann. Dass es die Wehren nicht leicht haben, wird immer wieder deutlich. Vor allem wünschen sie sich eine sichere Finanzausstattung. Das ist seit Jahren ein Thema.

Auch bei der Jugendfeuerwehr ist das so, betont René Sieber, Chef der Kreisjugendfeuerwehr. Er teilte sich mit dem Gründungsvorsitzenden Jens Schneeberger in die Festrede, der vor 20 Jahren den Anstoß gab, die Kreisjugendfeuerwehr zu gründen und ihr lange vorstand. „Dabei haben wir auch einige Lehrstücke in Demokratie erlebt“, erinnerte sich Schneeberger an den ersten, verpatzten Ablauf einer Vorstandswahl.

Über die Jahre habe sich die Arbeit aber kontinuierlich entwickelt. Es gelang, die Gesetzgeber zu überzeugen, schon Sechsjährige zur Feuerwehr zu lassen. Und dank der vielen Angebote gelinge es, das Interesse der Kinder und Jugendlichen am Retten und Helfen wachzuhalten.

Viele Festgäste hielten Grußworte, überbrachten Spenden – oder, wie der Beigeordnete der Landrätin, Rainer Zobel, gleich einen ganz dicken Scheck. 15 000 Euro hatte er im Gepäck – Fördermittel für die Jugendfeuerwehren.

Höhepunkt des Abends waren die Auszeichnungen. Einige davon haben echten Seltenheitswert. So das Große Brandschutzehrenzeichen am Bande Stufe 2, das Hans Hoffmann erhielt. Er ist seit 70 Jahren bei der Wehr. Herbert Pfotenhauer wurde das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber verliehen, eine der höchsten Auszeichnungen im Feuerwehrwesen.