Gastronomen im Ilm-Kreis kämpfen ums Überleben

Ilm-Kreis.  Viele Restaurants im Ilm-Kreis bieten Essen zum Mitnehmen an und hoffen auf das Weihnachtsgeschäft.

Gabriele Stoltze und Susanne Rennefranz (rechts) bieten einen Abholservice bei „Lebensart“in Arnstadt an

Gabriele Stoltze und Susanne Rennefranz (rechts) bieten einen Abholservice bei „Lebensart“in Arnstadt an

Foto: Hans-Peter Stadermann

Der erste Lockdown im Frühjahr traf die Gastronomen hart. Für etwas Entspannung – von einer Erholung konnte keine Rede sein – sorgten die Sommermonate – seit Anfang November ist nun wieder Schluss mit Lustig, haben alle Cafés, Restaurants und Kneipen wieder zu. Wie gehen die wirte im Ilm-Kreis damit um? Alle Entwicklungen im kostenlosen Corona-Live-Blog

„Augen zu und durch und dabei nie den Optimismus verlieren, es hilft ja nichts, nur zu jammern“, sagt Matthias Lorenz, der Wirt des Gasthauses „Zum schwarzen Hahn in Elxleben, während er am Rost vor seiner Gaststätte steht und Bratwürste und Brätl wendet. mittwochs, donnerstags und freitags steht er hier – bei Wind und Wetter – sonntags bietet er ein Mittagsmenü zum Mitnehmen an. Lorenz hat es quasi doppelt hart getroffen.

Er übernahm die Kneipe erst Anfang des Jahres, dann war gleich wieder für Wochen alles zu Ende, er richtete den Biergarten her, mischte beim Kürbismarkt mit – dem einzigen Fest im Ort, das in diesem Jahr über die Bühne ging – und steht nun wieder wie im April und Mai am Rost vor seiner kneipe. „Ich bin Koch, ich will in meiner Küche stehen und lecker Essen zubereiten und zufriedene Gäste haben, die sich hier bei mir wohlfühlen“, bricht es dann doch aus ihm raus.

Für das Weihnachtsessen hat er schon -zig Vorbestellungen, der Saal ist quasi voll, das Hygienekonzept steht, alles an benötigtem Equipment ist organisiert, „ich kann nur hoffen, dass das auch stattfinden kann, das wäre nicht nur finanziell gesehen ganz wichtig für mich.“

Eines will er unbedingt noch loswerden: „Ohne die Unterstützung der Gemeinde und ohne die der Elxlebener hätte ich vielleicht schon die Schürze in die Ecke geschmissen.“ Aber Jammern gilt nicht.

In Arnstadt gibt es etliche Restaurants, die ebenfalls tageweise Essen zum Mitnehmen anbieten. Die „Südtiroler Stubn“, die „Freundschaft“ oder „Lebensart“ zum Beispiel, um nur einige zu nennen. „Wir wollen zeigen, das es uns gibt, das wir noch da sind“ – so das Credo bei allen. Und die Hoffnung: Ab Dezember kann dann alles wieder halbwegs normal man wieder loslegen.

Die Gemütslage ist aber derzeit eher durchwachsen, die bangen Blicke richten sich auf Berlin und auf das, was die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten dort beschließen werden. Und dann werden die Leute ja nicht auch gleich wieder in die Restaurants stürmen, diese Erfahrung hat man nach dem ersten Lockdown im Frühjahr gemacht.

In der „Freundschaft“ in Arnstadt gab es am Sonntag Roulade, Gänsebrust und -keulen und Wildgulasch – alles mit Klößen – zum Mitnehmen, am Mittwoch dieser Woche ist Schachtetag, da gibt’s dann Schlachteplatte und Lumpensuppe für zu Hause, man hat einen Schnitzeltag eingerichtet.

„Die Leute bringen dann ihre Töpfe und Dosen mit, das ist niedlich und schön zu erleben“, heißt es von dort, während in der Küche Pfannen und Töpfe rasseln und man fasst riecht, was wie gebrutzelt wird.

Es fehlt das Gemeinsame, gerade jetzt, wo es abends früher dunkel wird. Das Zusammensitzen, das zusammen auch mal was Essen, das zusammen auch mal ein Bier zu trinken oder sich einfach nur mal zusammen wohlfühlen im Kreise seiner Lieben, das fehlt. „Oder auch mal den ganzen Frust der letzten Wochen rauslassen“, sagt Stephan, mit seiner Freundin Lisa am Arnstädter Hopfenbrunnen sitzt und nicht so richtig weiß, wohin mit sich und mit ihr.

Auch die Stadtilmer „Wilhelmshöhe“ bietet mittwochs bis bis freitags immer abends und an den Wochenenden mittags Essen zum Mitnhemen an. „Es sind vor allem unsere Stammkunden, die uns die Treue halten und uns in dieser schwierigen Zeit helfen“, heißt es dort.

Im Ilmenauer Rathaus setzte die Abteilung Wirtschaftsförderung die Situation der Gastronomen schon bei der ersten Virus-Welle auf ihre Agenda: Auf den städtischen Internetseiten wurden alle Betriebe gelistet, die trotz Corona Speisen im Angebot haben. Mit der neuerlichen Schließung von Gaststätten und Restaurants wurde die Übersicht aktualisiert. Unter www.ilmenau-marktplatz.de/gastronomie finden sich detaillierte Angaben zu den Gastwirtschaften und Verweise auf ihr Angebot.

Neben den auch außerhalb von Corona-Zeiten bekannten Imbissstätten mit Lieferangebot, lassen inzwischen auch einige andere Betriebe ihre Speisen auf dem Transportweg zu ihren Kunden kommen. Zu ihnen zählen beispielsweise das „Rail Road Stakehouse“ in Manebach, der Ratskeller in Ilmenau, oder das Waldcafé und Restaurant „Lenkgrund“ in Frauenwald, die neben Speisen eigenen Angaben zufolge auch Kuchen liefern.