Gedenken der Opfer der Reichspogromnacht 1938 in Arnstadt

Arnstadt. Etwa 100 Gäste hatten sich am Sonntag aus Anlass einer Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht vor 76 Jahren, am 9. November 1938, auf dem Alten Friedhof in der Bach-Stadt eingefunden.

Felicitas Glase und Felix Bosse von der Emil-Petri-Schule in Arnstadt rezitierten anlässlich der Gedenkveranstaltung Gedichte und Texte. Foto: Hans-Peter Stadermann

Foto: zgt

Etwa 100 Gäste hatten sich gestern aus Anlass einer Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht vor 76 Jahren, am 9. November 1938, auf dem Alten Friedhof in der Bach-Stadt eingefunden. Am Jüdischen Gedenkstein legten Ilm-Kreis-Landrätin Petra Enders, der Erste Beigeordnete Arnstadts, Ulrich Böttcher, Vertreter der im Stadtrat vertretenen Parteien und Vereinigungen und Bürger Kränze und Blumen in Erinnerung an die Opfer nieder.

In der Gedenkrede erinnerte Ex-Bürgermeister Helmut Hüttner daran, dass in der "Reichskristallnacht" auch in Arnstadt die jüdische Synagoge in Flammen aufging und die Feuerwehr am Löschen gehindert wurde. Dieses grausame Kapitel deutscher Geschichte dürfe sich nie wiederholen, so Hüttner. Intoleranz, Unmenschlichkeit, Rassismus und ideologische Verblendung dürften keinen Platz mehr in der Gesellschaft finden.

Hüttner zog den historischen Bogen des Datums 9. November von 1918 mit der Proklamation des deutschen Reiches, dem Hitler-Putsch 1923 und 1989 dem Fall der Mauer, die Deutschland 28 Jahre lang getrennt hatte. Dennoch, in Anbetracht der Nazi-Verbrechen gegen die Juden, die ihren Beginn in ebenjener Reichspogromnacht hatten, sei es, bei aller Freude über den 25. Jahrestag des Mauerfalls, ein "Tag der Scham und der menschlichen Abgründe". An diesem Tag seien die Ansichten eines Irren zur Realität geworden, an dessen Ende sechs Millionen getötete Juden standen, so Hüttner. Und fügte an: "Damals schwieg die Mehrheit der Bevölkerung, die Demokratie hatte versagt". Der Bürgermeister a.D. mahnte eindringlich, dem Antisemitismus keinen Nährboden zu geben. Er sagte: "Für Christen müsste das eigentlich selbstverständlich sein, denn Christus war auch Jude".

Das spontane Schlusswort war Dr. Johanna Voigt vorbehalten. Sie habe 1938 nicht den Mut gehabt, etwas zu unternehmen und später ihr Verhalten hinterfragt. An die Arnstädter Schüler, die an der Veranstaltung teilnahmen, richtete sie den Rat, ausländische Schüler in ihrer Mitte aufzunehmen, sich um sie zu kümmern. "Denn man kann immer etwas tun" so die 80-Jährige.

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