Gedenktag für Faschismus-Opfer ist in Arnstadt zugleich Aktionstag

Arnstadt.  Stadtverband der Linken gedenkt in Arnstadt an 75. Jahrestag auf dem Friedhof der Opfer des Faschismus.

Vor 75 Jahren gab es erstmals einen Gedenktag für die Opfer des Faschismus. In seiner Rede stellte Gerhard Pein viele Bezüge zum Jetzt her.

Vor 75 Jahren gab es erstmals einen Gedenktag für die Opfer des Faschismus. In seiner Rede stellte Gerhard Pein viele Bezüge zum Jetzt her.

Foto: Melanie Tippel

Zum Gedenken an die Opfer kamen am Sonntagvormittag Mitglieder des Stadtverbandes der Linken auf dem Friedhof zusammen. Damit griffen sie eine lange Tradition auf: Erstmals fand dieser Gedenktag am 9. September 1945 statt. Seither werde er immer am zweiten Sonntag im September begangen, um an die Toten, aber auch an Überlebende der Konzentrationslager und Zuchthäuser zu NS-Zeiten zu erinnern, hieß es in einer Mitteilung weiter.

Mit Beginn des Kalten Krieges – und endgültig nach den deutsch-deutschen Staatsgründungen – teilte sich das bis dahin von einem breiten antifaschistischen Konsens getragene Gedenken in zwei unterschiedliche Gedenkkulturen. In der DDR zum offiziellen Gedenktag erhoben, wurde der zweite Sonntag im September in der Bundesrepublik aufgegeben.

Als Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung soll er aber erhalten bleiben, so der Wunsch der Mitglieder des Arnstädter Stadtverbandes. Zudem sei der Gedenktag auch ein Aktionstag gegen Rassismus, Neonazismus und Krieg. Er verbinde heute das Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes mit wichtigen Debatten der Gegenwart.

Die Mitglieder des Stadtverbandes trafen sich an der Erinnerungsstele für die antifaschistischen Widerstandskämpfer auf dem Arnstädter Hauptfriedhof, um der Opfer zu gedenken. Gerhard Pein, langjähriges Mitglied im Arnstädter Stadtrat, hob in seiner Ansprache die Notwendigkeit hervor, das Vermächtnis der Ermordeten am Leben zu erhalten.

Er verwies auf die Verantwortung der schweigenden Mehrheit, die erst die Machtergreifung der Nazis ermöglichte. „Hinsehen und bereit sein, sich mit dem Mut der Widerstandskämpfer entgegenstellen, das ist das Gebot der Stunde. Besonders in einer Zeit, in der Neonazis und Rechtspopulisten unverblümt ihre faschistischen Parolen auf die Straßen und in die Parlamente tragen und zum Kampf gegen die Demokratie aufrufen“, habe der Redner resümiert.

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