Gepflegter Bauhaus-Swing im Schlossmuseum

Arnstadt  Arnstadt: Dem Erfurter „Walkin´Trio“ gelingt am Tag des offenen Denkmals der musikalische Höhepunkt

Die Veranstalter des Schlossmuseums hatten zum Tag des offenen Denkmals Bemerkenswertes versprochen. Das in Thüringen recht bekannte „Walkin´Trio“ sollte anlässlich der Sonderausstellung „Bauhaus. Martin Jahn und Arnstadt“ Musik aus eben dieser Zeit des Bauhauses, also der 20er- und 30er-Jahre spielen.

Eine gute Idee, die vom „Walkin´Trio“ brillant umgesetzt wurde. Das „Walkin´Trio“ ist eigentlich ein klassisches Jazz-Klaviertrio mit Steffen Heinze am Piano, Uwe Rapp am Bass und Wieland Götze am Schlagzeug. Man glaubt es den drei Mannen aber gern, dass sie nicht nur perfekten Jazz, sondern ausweislich ihrer Eigeneinschätzung auch „Bossa Nova, Musical, Rock und Pop, sowie Filmmelodien und Eigenkompositionen mit Witz und Charme“ darbieten.

Lupenreiner Jazz in Arnstadt

Am Sonntagnachmittag des Denkmaltages präsentierte das um Trompete und Saxofon und zwei Mal sogar Klarinette zum Quintett verstärkte Ensemble allerdings so lupenreinen Jazz, wie man ihn schon lange nicht mehr in Arnstadt vernehmen konnte. Und das Schöne war, dass zahlreiche Zuhörer anwesend waren und ein ständiges Kommen und Gehen dafür sorgte, dass eine große Menschenmenge sich an perfekt ausbalanciertem Jazz erfreuen konnte.

Die ebenso virtuos und routiniert wie temperamentvoll und spielfreudig agierenden Musiker spielten Klassiker der Swing-Zeit wie „I Got Rhythm“ und „On The Sunny Side Of The Street“, aber auch das durch den Film „Casablanca“ berühmt gewordene „As Tears Go By“. Sie boten betörende Interpretationen von „All Of Me“ ebenso wie das durch Mama Cass populär gemachte „Dream A Little Dream Of Me“ oder das durch die Beatles bekannt gewordene “Ain´t She Sweet“.

All diese Swing-Klassiker boten die Musiker aber nicht in historisierendem Gewand, sondern eher modern und zeitgemäß. So wirkte die Musik nicht altbacken oder museal, sondern so frisch, wie sie zur Zeit des Bauhauses wohl empfunden worden ist.

Es wird wieder eine Neuauflage geben

Durch die Besetzung mit Trompete und Saxofon wurde an die legendäre Zusammenarbeit der beiden Jazz-Giganten Miles Davis und John Coltrane in den fünfziger Jahren erinnert – und damit auch an die große Zeit des klassischen modernen Jazz. Die mit viel Eleganz und Understatement auftretenden Musiker beeindruckten das begeisterte Publikum sowohl in den intimen Balladen als auch in den schnellen Tanzstücken. „Tanz im Museum“ war vom Veranstalter ja auch versprochen. Aber wie es in Arnstadt so zugeht, hielten sich an diese Empfehlung wieder nur wenige. Wie sagte ein Besucher? Man kann auch im Sitzen swingen.

So oder so war es ein so erfreuliches Konzertereignis, dass sich die Mitarbeiter des Schlossmuseums mit den Musikern einig waren, dass dies nicht die letzte Zusammenarbeit von „Walkin´Trio“ und Schlossmuseum gewesen ist. Schon jetzt kann man sich also in Arnstadt auf eine alsbaldige Neuauflage freuen. Und vielleicht wird dann auch mehr im Publikum getanzt, man weiß ja nie.

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