Geraberg: Schenke feiert 500-Jähriges

Geraberg  Geraberg feiert die vermutlich älteste Dorfkneipe in Thüringen. Wirtin Petra Remdt lädt ihre Gäste am Wochenende in den Biergarten ein.

Das Vorbereitungskomitee für die 500-Jahrfeier traf sich am Mittwoch im Biergarten der Schenke und hatte auch historische Bilder für die Ausstellung mit dabei. Viele Vereine und Gäste halten der Dorfschenke bis heute die Treue.

Das Vorbereitungskomitee für die 500-Jahrfeier traf sich am Mittwoch im Biergarten der Schenke und hatte auch historische Bilder für die Ausstellung mit dabei. Viele Vereine und Gäste halten der Dorfschenke bis heute die Treue.

Foto: André Heß

Älteste Kneipe, Wirtshaus, Gaststätte von Geraberg ist die Schänke oder Schenke in der Arnstädter Straße. Es ist wohl auch die älteste im Landkreis, gar in Thüringen. Davon gehen die Geraberger Heimatfreunde aus, auch wegen der fast durchgängigen Bewirtschaftung. Sie haben in einer Chronik derer von Witzleben die „Schänke zu Gera“ 1519 erwähnt gefunden. Wer älter als diese Gastwirtschaft in Thüringen ist, solle sich halt bei ihnen melden.

Die Pächter, Besitzer und Wirte wechselten in den Jahrhunderten, die Gäste blieben immer treu. Bis heute, wo Petra Remdt seit fünf Jahren die Alleinherrschaft über Gastraum, Essenkochen, Einkaufen, Saubermachen, Bedienen und Trinkgeld kassieren übernommen hat. Zu besonderen Feierlichkeiten wird sie aber noch unterstützt.

Eine solche ist an diesem Wochenende, eben die 500-Jahrfeier der Schenke. Sie möchte sie mit „e“ geschrieben wissen. „Wir schenken den Leuten was, eine Gemütlichkeit“. So gibt es am Samstag zum Jubiläum ab 19 Uhr im Biergarten eine Oldieparty, Lasershow und Livemusik sowie einen Lichtbildervortrag, auch will der Heimatverein eine Gerichtsszene nachspielen, war die Kneipe doch auch mal ein Gerichtssaal.

Am Sonntag ab 14 Uhr kommen die Vereine, die der Schenke über viele Jahre die Treue hielten und noch halten und werden Ständchen bringen. Noch heute tagen hier die Imker, Kaninchenzüchter, Ziergeflügelhalter, Rassegeflügelhalter, der Gartenbauverein, Dackelverein, die Jagdgenossenschaft und der Heimatverein und sorgen damit auch für Umsatz. Für die heutige Zeit, wo andere längst auf Selbstversorger umgestellt haben, eine bemerkenswerte Liste. Doch es waren noch viel mehr Vereine, die aber inzwischen andere Säle gefunden haben, wie Musikverein, Taubenzüchter, Spielmannszug, Chor, Kirmes und Fasching.

Gabi Irrgang, Silke Elle und Gerhard Kämpfer bereiten die Feierlichkeiten für und mit der Wirtin Petra Remdt vor, dazu gehört auch eine Ausstellung mit alten Bildern und Dokumenten früherer Dorfschenken-Gemütlichkeit. Kirche, Kneipe und Schule wurden fast zeitgleich gegründet. Zur Kneipe gehörte auch das Brauhaus, der Felsenkeller und Teiche, die frische Forellen lieferten.

Über die Wirtin, die gerade 66 Jahre jung geworden ist, kann sich keiner beklagen. Schon gar nicht über ihre Essen. Fischbrötchen, Rostbrätel, Steak mit Letscho, Schnitzel und Soljanka, „alles mit viel Liebe hausgemacht und das Bier ist frisch gezapft“, liest man im Aushang. Der Stammtisch ist noch mit Kartenspielern besetzt, Familienfeiern und Klassentreffen, die Grillabende freitags mit 50 Gästen besucht. Sonntags gibt es Rouladen und Klöße. Legendär waren die Schnorps-Turniere. Der Letzte bekam Kloß mit Täubchen serviert.

Petra Remdt hatte einst die 82-jährige Köchin abgelöst, wurde Pächterin und später Eigentümerin. Ihr Enkel mache eine Kochlehre, solange werde sie noch durchhalten.

Aus der Chronik des Gasthauses:

1519: Geraer Schenke im Besitz derer von Witzleben

1802: Besitzer ist Herzogliche Kammer in Gotha

1862: Pächter und Wirt ist Franz Keßler (die Keßlers sind Eigentümer bis 1950)

Fünfziger Jahre: FDGB-Urlauber mit Vollpension

1968 Eigentümerin Margot Bluth, geb. Richter

1978 Betriebsgaststätte des Nationaltheaters Weimar

1986/87: Sicherungssanierung durch Gemeinde

2. April 1987 Rolf und Petra Remdt werden Pächter und kaufen im Juli 1990

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