Gift in Grundschule Martinroda – Schüler müssen alle nach Plaue

Ilm-Kreis  In 10 von 18 Räumen werden nicht vertretbare Naphthalin-Werte festgestellt. Eltern sind benachrichtigt worden. Die Schulbehörden müssen einen Plan B aus dem Ärmel zaubern.

Die Grundschule Martinroda (im Bild) kann auf absehbare Sicht nicht mehr für Unterricht benutzt werden. In vielen Räumen wurde der Schadstoff Naphthalin in bedenklicher Dosis in der Raumluft gemessen.

Die Grundschule Martinroda (im Bild) kann auf absehbare Sicht nicht mehr für Unterricht benutzt werden. In vielen Räumen wurde der Schadstoff Naphthalin in bedenklicher Dosis in der Raumluft gemessen.

Foto: Arne Martius

Ein Elternbrief machte am Dienstag die Runde. Er kündigt an, dass die Martinrodaer Grundschule zu Schuljahresbeginn wegen Schadstoffbelastung in mehreren Räumen der Schule geschlossen werden müsse. Aus diesem Grund müssten die Schüler und Lehrer mit Beginn des neuen Schuljahres in die Grundschule Plaue verlegt werden, heißt es darin.

Der Elternbrief wurde am 25. Juli in der Kreisverwaltung aufgesetzt, aber wegen der fehlenden Unterschriften der Landrätin und des Schulamtsleiters aufgrund von Urlaubszeit erst am Montag verschickt. Der Hort könne noch bis zum Ende der Sommerferien in Martinroda in den nicht belasteten Räumen der Schule bleiben. Er werde mit der Schule dann zum Schuljahresbeginn nach Plaue umziehen, teilte das Landratsamt mit.

Demnach sind laut Messung in 10 von 18 Räumen höhere Naphthalin-Werte festgestellt worden, entscheidend ist laut Gutachten der Richtwert II bei Naphthalin, der bei 30 Mikrogramm/Kubikmeter als Grenzwert liegt. Das sei der Eingreifwert. Teilweise hätten die Werte in Martinroda bei 40 und 77 Mikrogramm gelegen.

Um gesundheitlichen Schaden von Schülerinnen und Schülern sowie den Lehr- und Erziehungskräften abzuwenden, müsse das Gebäude zu Schulbeginn geräumt werden, damit Spezialfirmen umfassende Sanierungsmaßnahmen vornehmen können. Die Arbeiten haben noch nicht begonnen.

Derzeit würden der Ilm-Kreis (zuständige Ämter für Gebäude und Schülertransport) und das Schulamt Westthüringen mit Hochdruck daran arbeiten, den Schulbetrieb nach Plaue zu verlagern und die Sanierung in Martinroda anzuschieben.

Bereits Anfang des Jahres wurde das Landratsamt auf einen chemischen Geruch in einem Klassenraum aufmerksam gemacht. Das Gesundheitsamt und das Amt für Gebäude- und Liegenschaftsmanagement besichtigten den Raum und gaben einen Beprobung in Auftrag.

Das Ergebnis, so die Kreisverwaltung, habe dazu am 13. Mai vorgelegen und stellte eine Überschreitung des Naphthalin-Richtwertes II fest. Der Raum wurde für den Unterricht gesperrt. Daraufhin sei eine Messung der Schadstoffwerte für die gesamte Schule beauftragt worden, hier lag das Gutachten am 17. Juli vor und bescheinigte auch in weiteren Räumen eine Überschreitung der zulässigen Richtwerte für Naphthalin.

Die Grundschule Martinroda wurde in den 1960er-Jahren erbaut. Damals verwendete man in den Sperrschichten für den Fußbodenaufbau oftmals teerhaltige Materialien. Mit großer Wahrscheinlichkeit sei dort die Ursache für die Schadstoffbelastung zu suchen, so die Verwaltung. Stichprobenartige Untersuchungen im Fußbodenbereich bestätigen bisher diese Annahme, heißt es weiter.

Die Sperrschichten müssen in allen betroffenen Räumen fachgerecht ausgebaut werden. Das bedarf spezieller Firmen. Es sei daher noch nicht abzusehen, wie umfangreich die Arbeiten sein werden. Wie lange der Schulbetrieb der etwa 86 Martinrodaer Schüler in die Grundschule Plaue verlegt werden muss, ist deswegen ebenso nicht absehbar.

In Plaue gehen zurzeit 88 Kinder zur Schule. Der Hort in Martinroda bleibt nur bis zur Verlegung der Grundschule, er zieht dann mit der Schule nach Plaue.

In Eisenach musste die frisch sanierte Wartburgschule mit Millionenaufwand nochmals saniert werden, nachdem dort im Sommer 2014 Naphthalin gemessen worden war. Sanierungen wegen desselben Schadstoffs waren auch im Gymnasium Ruhla und zwei weiteren Schulen in Eisenach nötig.

Zur Sache: Was ist Naphthalin?

Naphthalin zählt zu den Kohlenwasserstoffen, die größtenteils als krebserzeugend eingestuft sind. Es wird in Teerkleber, Teerfarben und Teerpappen sowie in wasserabweisenden Anstrichmitteln auf Teerbasis gefunden.

Naphthalin (von griechisch naphtha = Erdöl) ist laut Chemie.de ein farbloser Feststoff, der schon bei Raumtemperatur gasförmig wird.

Oftmals ist es in Teerpappen als Feuchtigkeitssperre verbaut worden und gast manchmal unter neuen Bodenbelägen aus.

Naphthalin ist gesundheitsschädlich. Beim Einatmen kann es zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen.

Empfindliche Personen können bei Daueraufenthalt gesundheitliche Beeinträchtigungen spüren.

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