Gräfinau: Würdigung eines Armenarztes

Gräfinau-Angstedt.  Dirk Rudolf macht sich als Holzskulpturensäger selbstständig und bekommt gleich großen Auftrag

Natürlich hat Dirk Rudolf den Eingang zu Haus und Werkstatt selbst gestaltet. Er arbeitet nun als Holzskulpturensäger.

Natürlich hat Dirk Rudolf den Eingang zu Haus und Werkstatt selbst gestaltet. Er arbeitet nun als Holzskulpturensäger.

Foto: Gerd Dolge

Den Schritt in die Selbstständigkeit wagte jetzt Dirk Rudolf. Er ist künftig als „Skulpturensaeger“ – so seine eigene Bezeichnung und Schreibweise – unterwegs.

Holzskulpturen mit den Motorsäge kreiert der 51-Jährige schon seit einigen Jahren. Nun machte er seine Passion zum Beruf. Ein erster großer Auftrag ließ nicht lange auf sich warten: Am 6. Oktober beging die Stadt Pößneck den 110. Todestag des Armen-Arztes Dr. Eduard Weißer. Zu seinen Ehren wurde eine Skulptur aufgestellt. Diese Holzfigur, die Rudolf aus einem rund 2,50 Meter langen Eichenstamm heraus formte, steht im Zusammenhang mit dem städtischen Dr.-Eduard-Weißer-Preis für soziales und gesellschaftliches Engagement in Pößneck, der erstmals 2020 verliehen wurde.

Anlässlich des Todestages wurde die Skulptur im Garten des Schützenhauses eingeweiht. Eduard Weißer (1835 – 1910) war ein als Impf- und Armenarzt bekannter einheimischer Mediziner, dem die Stadt Pößneck die Ehrenbürgerschaft zuerkannt hatte. Das Preisgeld wurde in diesem Jahr vom Pharma-Unternehmer Ernst-J. Strätling gestiftet. Außerdem will sich Strätling mit einer lebensgroßen Weißer-Skulptur für die seiner Meinung nach stets als „außergewöhnlich“ bezeichnete Unterstützung durch die Stadt bedanken.

Genial ist der schlichte Hut

In der kleinen Einweihungsfeiererzählte Dirk Rudolf auch ein wenig von seiner Arbeit. So erfuhren die Mitwirkenden vom Rhythmus seiner Arbeit: „Man kann nicht ununterbrochen an einer Figur arbeiten“, so Dirk Rudolf. „Den Dr. Weißer habe ich mir als einen Mensch vorgestellt, der es nicht einfach hatte und auch schwere Zeiten durchmachen musste. Er war bescheiden und erfolgreich. So wollte ich ihn auch darstellen.“

Genial dabei die Einbeziehung des schlichten Hutes von Dr. Weißer, den er bescheiden mit beiden Händen vor dem Körper hält und dabei das Anliegen des Arztes figürlich zum Ausdruck brachte und wo Dirk Rudolf für das Gesicht auch mit dem Schnitzmesser arbeiten musste: „Die Gesundheit und das Wohlergehen der ärmeren Bevölkerungskreise lagen ihm besonders am Herzen. Als unermüdlicher Arzt und Menschenfreund stellte er seine Dienste zu jeder Tages- und Nachtzeit, bei Wind und Wetter zur Verfügung. Sein Amt als erster Pößnecker Impfarzt übte er mit peinlicher Gewissenhaftigkeit aus. Er engagierte sich aber auch im Schulvorstand und in mehreren wohltätigen Vereinen. Seine Sorge galt immer den Kindern“ heißt es in einem kleinen biografischen Abriss.

Ein Fuhrwerk mit Pferden aus einem Eichenstamm

Viel Zeit zum Feiern blieb Dirk Rudolf nicht, er musste schnell „umschalten“: In seiner Werkstatt wartete ein zwei Mater langer und im Durchmesser 1,10 Meter großer Eichenstamm auf ihn. Der Auftrag für den Holzskulpturensäger lautete: ein Fuhrwerk mit Pferden, Wagen und Fuhrmann als Wahrzeichen für den Ort Pennewitz. Dass die Pennewitzer ausgerechnet auf Dirk Rudolf aus dem „Nachbarort“ Gräfinau-Angstedt gekommen waren, um sich ein neues Wahrzeichen des Ortes schaffen zu lassen, kommt nicht von ungefähr. Er hat sich in den zurückliegenden zehn und mehr Jahren zu einem profilierten Holz-Kunst-Handwerker mit der Motorsäge entwickelt. Es sind schon lange nicht mehr nur Eulen, Bären, Hasen, Wölfe, Rehe und Adler, die unter den sensiblen Händen und messerscharfen Motorsägen entstehen.

Erinnert sei nur an das von Kindern heiß geliebte Krokodil vor dem Kindergarten „Pfiffikus“, die drei aus Pappeln geschnitzten Figuren von Fisch, Reiher und Neptun am Torteich von Gräfinau-Angstedt, an das neue „Ruetschwänzchen“ in Wümbach, vor allem aber an den Engel am Pfarrteich gegenüber der Marien-Kirche von Angstedt, von dem die Betrachter meinen, er haben gerade zur Landung am Ufer des Teiches angesetzt.

Täglich vier bis sechs Stunden „am Holz“, „mit der Säge“ stehen auf Dirk Rudolfs Tagesprogramm. Die schriftlichen – bürokratischen wie zeichnerischen – Arbeiten kommen meist danach noch. Doch es zeigt sich immer wieder: Mit seiner Skulpturensägerei hat Dirk Rudolf seinen Traumberuf gefunden.