Händler im Ilm-Kreis protestieren

Ilm-Kreis.  Noch können sie keine Anträge auf Erstattung ihrer Umsatzeinbußen stellen.

Jennifer Fürtig, Steffi Schneider, Jutta von Hollen und Stefanie Köhler (von links) gehören zu jenen Arnstädter Innenstadthändlern, die per Plakat auf ihre prekäre Lage aufmerksam machen wollen. 

Jennifer Fürtig, Steffi Schneider, Jutta von Hollen und Stefanie Köhler (von links) gehören zu jenen Arnstädter Innenstadthändlern, die per Plakat auf ihre prekäre Lage aufmerksam machen wollen. 

Foto: Hans-Peter Stadermann

„Das meint ihr aber nicht ernst?“ Mit strengem Blick geht eine Mitarbeiterin des Arnstädter Ordnungsamtes auf vier Geschäftsinhaberinnen zu und beäugt skeptisch die Plakate, die sie in die Kamera halten. „Wir machen auf“ steht dort in großen Buchstaben. Etwas kleiner gedruckt folgt das „…merksam“.

„Genau darum geht es uns: Wir wollen uns nicht behördlichen Anordnungen widersetzen, sondern aufmerksam machen auf die schwierige Situation, in der wir uns befinden“, sagt Stefanie Köhler von der Boutique Seidensprung. Die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes nickt. Bei ihren Rundgängen durch die Fußgängerzone bekommt sie viel mit. Auch, wie sehr verschiedene Händler um ihre Existenz bangen.

Nicht nur Stefanie Köhler macht bei dieser Aktion, die am Montag bundesweit anlaufen wird, mit. Auch Steffi Schneider von „Schubidu“, Jennifer Fürtig von „Lock’n’Roll“, Torsten Pietsch vom „Handyman“, Jutta von Hollen von „Cork Fashion“ und Vivian Wagner von der Spielewelt Schmidt werden in ihren Schaufenstern die Plakate platzieren. Einige von ihnen haben Angestellte, die sie wegen des Lockdowns in Kurzarbeit schicken mussten.

Komplett zum Erliegen kam die Geschäftstätigkeit zwar nicht. Kunden kaufen Gutscheine, bestellen Waren online. „Das ist aber nur ein Bruchteil des Umsatzes, den wir sonst erzielen“, macht Steffi Schneider deutlich.

Was sie ärgert: Bislang kann man die Dezemberhilfen, die der Bund zugesagt hat, noch nicht einmal beantragen. „Wir stehen also ohne Geld da, wissen auch nicht, wann und wie viel kommt“, so die Schuhhändlerin.

Dabei handele die Modebranche durchaus mit verderblicher Ware: Saisonartikel wurden schon vor Monaten eingekauft, bringen nun aber keine Erlöse und finden vermutlich auch nach dem Lockdown keine Abnehmer mehr. Das zehrt an den Rücklagen, die die Händler haben. „Lange halten wir das nicht mehr durch“, bringt es Stefanie Köhler auf den Punkt.

Im Frühjahr wiesen die Gastronomen mit ihrer Aktion „Leere Stühle“ auf ihre schwierige Lage hin. Es sei an der Zeit, dass die Händler nachziehen, findet Köhler.

„Denn wenn wir aufgeben müssen, veröden die Innenstädte. Das bekommen auch die Gastronomie und die Tourismusbranche zu spüren“, ist sich Stefanie Köhler sicher.

Innenstadthändler, die sich an der Aktion beteiligen möchten, können sich unter www.freundschaftsdienst.eu die Plakate herunterladen. „Uns ist es wichtig, uns bei all denjenigen Kunden zu bedanken, die uns auch in schwierigen Zeiten unterstützen. An eine politische Partei ist die Aktion nicht angebunden. Es geht nur um eins: Die Aufmerksamkeit lenken auf unsere schwierige Lage“, betont sie.

Einen etwas anderen Weg gehen die Ilmenauer Kaufleute und Gewerbetreibenden. „Wir wandeln die Kampagne leicht ab und sind ab Mittwoch mit eigenen Plakaten vertreten“, sagt der Vereinschef Dietmar Kersten. „Wir haben ganz klare Forderungen an die Politik.“ Vor allem ginge es um verlässliche Aussagen. Immer wieder öffnen zu dürfen, dann aber wieder schließen zu müssen, bringe die Geschäftsleute an ihre Grenzen. Zudem herrsche Unverständnis darüber, warum so viele Geschäfte schließen müssen, einige aber, die mehr als den Grundbedarf anbieten, geöffnet bleiben dürfen. Hier drängen sich die Kunden, sind Abstände nicht mehr einhaltbar. „So wird das doch nichts“, sagt Kersten. Wichtig sei zudem, dass all jene, die schließen müssen, auch verlässlich eine Entschädigung bekommen. Sonst stünden viele der Betroffenen vor der Pleite. „Wenn wir erst einmal weg sind, sieht es in der Goethe- und Universitätsstadt traurig aus“, mahnt der Vereinschef.