Härtetest für Feuerwehrmänner: Ein Stützerbacher und sein Extremsport

Stützerbach  Der Feuerwehrmann Marco Juffa aus Stützerbach hat sich einer besonderen Sportart verschrieben: Er nimmt regelmäßig an sogenannten Firefighter Combat Challenges teil.

Marco Juffa  bei einer Firefighter Challenge.

Marco Juffa  bei einer Firefighter Challenge.

Foto: Julia Noack/Firefigtherchallengefan

Der Startschuss fällt. Marco Juffa rennt in Windeseile los, ein 19 Kilogramm schweres Schlauchpaket unter dem Arm. Auf dem zwölf Meter hohen Turm angekommen, zieht er per Seil ein zweites Schlauchpaket in die Höhe. Von dort aus geht es wieder abwärts. Dabei darf der Feuerwehrmann keine Stufe auslassen.

Die Hand gehört ans Geländer. Zurück auf dem Boden, muss per Hammer ein Gewicht bewegt werden. Dann geht es im Slalom zu einem mit Wasser gefüllten Schlauch.

30 Meter muss der gezogen werden, anschließend muss mit Wasser ein Ziel getroffen werden. Dann geht es in den Endspurt. Marco Juffa zieht eine Puppe an sich. 85 Kilogramm ist diese schwer. Rückwärts zieht er sie aus dem Gefahrenbereich – 30 Meter weit.

„Danach brennen Dir die Muskeln“, sagt der 41-Jährige und lacht, während er das Video ausschaltet, das seinen letzten Wettbewerb bei der so genannten Firefighter Combat Challenge in Berlin zeigt.

Dass der Wettkampf ebenso wie der Wettstreit Firefit einen englischen Namen trägt, ist kein Zufall. In den 70er Jahren wurde in Nordamerika ein Test für Feuerwehrleute initiiert gerufen, der die fünf wichtigsten Anforderungen widerspiegelt, die sie im Einsatz meistern müssen: Treppensteigen, Seile befördern, mit dem Hammer Verkeiltes lösen, Menschen retten – und das alles unter Atemschutz .

Aus Verlegenheitsstart wird pure Faszination

1991 entstand aus diesem Leistungstest der erste Wettkampf, der in alle Welt ausstrahlte. In Berlin fand schon der zehnte Wettbewerb dieser Art statt.

Marco Juffa stieß eher durch Zufall auf diese Sportart. Er diente zehn Jahre lang bei der Bundeswehr, ehe er wieder nach Stützerbach zurückkehrte. Dort stieß er zur Feuerwehr, fasste an der Technischen Universität beruflich Fuß – und stellte fest, dass er etwas für seine Fitness tun muss. Denn als er das Rauchen aufgab, kletterte sein Gewicht auf einmal nach oben.

Also trainierte er – zunächst für den Berliner Treppenlauf der Feuerwehrleute. 39 Etagen geht es dort unter Atemschutz nach oben. Eine Herausforderung, bei der Teilnehmer regelmäßig schlapp machen. Juffa nicht. Nur einmal, verpasste er die Anmeldung und trug sich dafür bei der Combat Challenge ein. Er trat ohne Erwartungen an, schlug sich achtbar. 3:19 Minuten brauchte er beim Debüt. „Die Sportart hat mich sofort fasziniert“, gibt er zu. Seither reist er von Wettbewerb zu Wettbewerb, steigerte seine Zeit auf 2:15 Minuten.

Er tritt zudem nicht nur einzeln an, sondern auch als Tandem und in der Staffel. Meist sind es lose Bekannte, mit denen er sich für den Wettbewerb zusammentut. Denn er kennt nur drei weitere Thüringer, die diesem Sport frönen. Aus dem Ilm-Kreis ist er der einzige.

Juffa trainiert oft für seinen Sport, erfährt im Sport- und Leistungszentrum Ilmenau viel Unterstützung. Einkleiden muss sich Juffa für den Wettbewerb selber. Die Einsatzbekleidung kostet locker über 1500 Euro. „Die Szene ist nicht groß, daher gibt es auch noch nicht viele Sponsoren“, sagt er. Deutschlandweit gibt es vielleicht 400 der extremen Feuerwehrsportler.

Juffa würde sich freuen, wenn er in der näheren Umgebung weitere Feuerwehrkameraden für seine Sportart interessieren könnte. Das Training wäre einfacher. Und man profitiert, ist er sich sicher. Denn auch, wenn das, was im Wettbewerb abgefragt wird, im Einsatz eher die Ausnahme ist: Die Kondition verbessert sich deutlich, und das spürt er auch im Ernstfall.

Im kommenden Jahr will der 41-Jährige an mindestens zehn Wettkämpfen europaweit teilnehmen. „Schön wäre es auch, wenn wir so einen Wettbewerb mal in den Ilm-Kreis holen könnten“, sagt er. Aktive Sportler müssen dafür nicht in der einladenden Wehr sein, sie müsste nur Helfer stellen.

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