Haltepunkt auf der ICE-Strecke: Warum es in Ilmenau Skepsis gibt

Ilm-Kreis  Landtagsmitglied Andreas Bühl spricht von „riesiger Chance“ für Wissenschaftsstandort. Gefahr für bestehende Trasse

Hier an der ICE-Strecke bei Wümbach könnte ein Bahnhof für den Regionalverkehr gebaut werden. Ein sogenanntes Überholgleis wurde beim Bau der Strecke von Erfurt durch den Thüringer Wald

Hier an der ICE-Strecke bei Wümbach könnte ein Bahnhof für den Regionalverkehr gebaut werden. Ein sogenanntes Überholgleis wurde beim Bau der Strecke von Erfurt durch den Thüringer Wald

Foto: Hans-Peter Stadermann

Nach der Ausschreibung einer Regionalexpress-Verbindung zwischen Erfurt und Nürnberg durch die Thüringer Landesregierung fordert Landtagsmitglied Andreas Bühl (CDU) wie zuvor bereits Landrätin Petra Enders (Die Linke) einen Haltepunkt für Ilmenau. „Damit hätte die neue Verbindung deutlich mehr Sinn, denn viele Studenten der Universität kommen aus Franken“, erklärte der Landespolitiker.

Wie das Rektorat auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, liegt der Anteil von Besuchern der Ilmenauer Bildungseinrichtung bei rund elf Prozent. Im Wintersemester 2017/2018 waren 629 Frauen und Männer aus Franken an der Universität eingeschrieben.

Bereits in der Vergangenheit gab es Pläne, an der ICE-Strecke zwischen Berlin und München einen Haltepunkt auf Höhe des heutigen Ilmenauer Ortsteils Wümbach zu installieren. Doch als die Zuggattung Interregio von der Bahn beerdigt wurde, starb auch die ursprünglich geplante Station im Ilm-Kreis.

Einer, der das Thema immer wieder ansprach, war der ehemalige Bürgermeister von Langewiesen, Horst Brandt (SPD). Das heutige Mitglied im Ilmenauer Stadtrat wurde nicht müde, den Vorteil einer Anbindung gen Süden zu betonen. „Wir wollen nicht eine Brücke vor der Nase haben und vorbeirauschende ICEs sehen, sondern auch einen Mehrwert für die Region generieren“, sagte Brandt damals.

Damit unterschied sich einmal mehr seine Meinung von der des ehemaligen Oberbürgermeisters Gerd-Michael Seeber (CDU). Denn der lehnte einen Haltepunkt auf der ICE-Strecke rundweg ab. Stattdessen setzte er auf eine Bestandsgarantie für die Eisenbahnstrecke zwischen Ilmenau und Erfurt über Plaue und Neudietendorf. „Angst um ihre Bimmelbahn“, hätten die Ilmenauer, frotzelte dereinst Horst Brandt.

Doch Stadträte und Rathauschef hatten auch gute Gründe, sich für die bestehende Bahnverbindung stark zu machen. Mit der Sanierung des Bahnhofsempfangsgebäudes, seiner Umfirmierung als Terminal A sowie der später folgende Bau von Terminal B und C investierten Stadt und Wohnungsbaugesellschaft IWG mehrere Millionen Euro. Im Gespräch ist inzwischen ein viertes Bürogebäude am Bahnhof als Terminal D. Für rund eine Million Euro lässt aktuell die Bahn die Plattform an Gleis 2 erneuern und in Regie der Stadt soll zudem ein Mobilitätszentrum entstehen – eine Mischung aus Parkhaus, Forschungseinrichtung der Universität zum automatisierten Fahren, Angeboten zum Auto- und Fahrradverleih sowie Ladestationen für alternative Antriebe.

Rund eine Million Fahrgäste nutzen durchschnittlich pro Jahr die Fahrzeuge der Erfurter Bahn und Südthüringen Bahn, die die Linie zwischen Ilmenau und Erfurt bedienen.

Für den Landespolitiker Bühl bleibt jedoch selbst die auf der Strecke installierte Expressverbindung immer noch eine „lahme Bahnverbindung“. Immerhin verkürzt sich mit den STX-Zügen die Fahrzeit von knapp einer Stunde auf 45 Minuten.

Dennoch sei für den Wissenschaftsstandort Ilmenau gerade die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ganz entscheidend. „Deshalb besteht hier eine Chance, die man nutzen muss. Ich trete dafür ein, dass dieser Halt doch noch kommt“, sagte Bühl. Seiner Meinung nach habe sich das Land in der Vergangenheit zu sehr auf den ICE-Knoten in Erfurt und die S-Bahn-ähnliche Anbindung nach Jena konzentriert. „Wenn man eine faire Chancenverteilung für unsere Hochschulen im Freistaat haben will, dann ist jetzt die Zeit, dies mit einem Haltepunkt in Ilmenau deutlich zu machen“, meinte Andreas Bühl.

Ob das Land allerdings zwei Linien im Abschnitt zwischen Ilmenau und Erfurt bezuschusst, daran hatte schon der frühere Landrat Lutz-Rainer Senglaub (CDU) Zweifel, der bereits vor 13 Jahren warnte, dass ein Halt in Wümbach unter Umständen die traditionelle Verbindung gefährden könne.

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