Heringsfest in Geraberg

Geraberg  Das Fest ist mehr als Fisch essen – das zeigt der Sportfischerverein Geratal. Es bietet Unterhaltung, Handwerkermarkt und gute Laune.

Im Akkord belegen Rosi Henschel (vorn links) und Petra Eichel die Fischbrötchen. Jeder Handgriff sitzt.

Im Akkord belegen Rosi Henschel (vorn links) und Petra Eichel die Fischbrötchen. Jeder Handgriff sitzt.

Foto: Berit Richter

Petra Eichel, Rosi Henschel und Regine Voigt haben alle Hände voll zu tun, ihre Mitstreiter ebenso. Der Fisch samt Zutaten muss ins Brötchen. Wieder und wieder. Seit acht Uhr sind die Frauen im Vereinshaus am Brötchen belegen. Und schon wieder verlangt der Verkauf nach Nachschub.

„Etwa 2500 Fischbrötchen machen wir an so einem Tag“, erklärt Detlef Bräuning, der Vorsitzende des Sportfischervereins Geratal. Zum 16. Mal hat der Verein am Sonntag in den Morbacher Park zum Heringsfest geladen. Dessen Tradition aber reicht viel weiter zurück.

Vor rund 100 Jahren verdienten die Bewohner im Ortsteil Arlesberg ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung von Pech vor allem für die Schiffsindustrie. An der Küste tauschten sie dieses Pech gegen Fisch um, meist Salzheringe, weil die sich auf der langen Fahrt nach Thüringen besser hielten. Zuhause wurde dann gefeiert.

Auch zu DDR-Zeiten gab es keine Pause, sagt Detlef Bräuning. Bis 1989 gab es alljährlich ein Heringsfest, erst nach der Wende wurde es ruhiger, bis schließlich die Sportfischer die Tradition wiederbelebten.

Griene Haringe mit Gackeschippel

Heute kommt der meiste Fisch, der an diesem Tag über die Theke des Vereinsheimes geht, nicht mehr von der Küste, sondern von einem kleinen Zuchtbetrieb aus Sachsen-Anhalt. „Mit dem haben wir gute Erfahrungen“, erklärt Bräuning. Natürlich dürfen die berühmten „grienen Haringe mit Gackeschippel“ nicht fehlen. Damit sie gut gelingen, legt Ullrich Schoenr sie in Mehl ein. „Ich mache das seit vielen Jahren“, erzählt er. „Etwa 500 Portionen werden es heute sein.

Rund 60 Helfer sind es, die an diesem Tag dafür sorgen, dass kein Magen lange knurren muss und auch sonst alles reibungslos läuft. „Ehepartner, Kinder, Bekannte, Freunde, viele helfen da mit“, weiß Detlef Bräuning zu schätzen. Auch die drei Nachwuchsangler im Verein packen fleißig mit an, sammeln zum Beispiel den Müll ein und freuen sich schon aufs kommende Wochenende. Dann werden sie sich mit gleichaltrigen aus Frankenhain zum Angeln und Zelten am Steingrabenteich treffen.

Bräunings Dank geht auch an die Sponsoren. „Wir wissen ja nie, wie das Wetter wird, wie das Fest läuft, was wir einnehmen. Da beruhigt es doch, wenn man im Vorfeld schon einige Kosten gedeckt hat.“

Dass die Besucher nicht nur wegen Heringen, Zandern und Fischbrötchen kommen, sondern das Programm drumherum zu schätzen wissen, hatte sich im vorigen Jahr zum Jubiläumsfest gezeigt. Auch diesmal gab es deshalb mit Schlagersängerin Nicci Sander, den Flamingo-Boys und den Geraberger Musikanten mancherlei zu erleben. Auch wenn der Verein improvisieren musste. „Unsere Band ist kurzfristig ausgefallen. In Erfurt haben wir aber Ersatz gefunden“, so der Vereinschef.

Beliebt bei den zahlreichen Besuchern ist das Händlerangebot. Sandro Schwandt muss viele Fragen beantworten. Seine großen Schwibbogen fallen aber auch sofort auf. Beim Geraberger Weihnachtsmarkt ist er Stammgast, doch das Heringsfest war Neuland für ihn. Dabei zeigt der Sache aus dem kleinen Örtchen Remse, dass Schwibbögen nicht nur zur Weihnachtszeit gut aussehen. Ob Bäckerei oder Haus im Walde – die Motive taugen auch zu anderen Jahreszeiten. 1,40 mal einen Meter misst der größte Schwibbogen, den Schwandt mitgebracht hat. „Er ist 23 Kilogramm schwer, und ich habe 14 Tage daran gearbeitet“, verrät er.

Auch bei Paul Rosbander aus Gräfenroda und seinen Schmiedefreunden bleibt so mancher stehen und schaut ihnen über die Schulter. „Wir stellen heute einen Angelhaken mit Wurm her“, verrät er. Zum Einsatz im Gewässer taugt das rund einen Meter große Exemplar aber nicht, vielmehr soll es als Symbol künftig vor dem Vereinsheim stehen. „Im letzten Jahr haben die Schmiede uns ein Schild geschmiedet, das hängt jetzt im Vereinsheim“, freut sich Detlef Bräuning über die gutnachbarschaftliche Zusammenarbeit.

Die gibt es auch mit dem Förderverein der Grundschule Geschwenda, der wieder den Kuchenstand betreut. „Die Eltern haben ganz fleißig gebacken“, erzählt Schulleiterin Claudia Kiesewetter. Über 90 „ganz tolle Kuchen“ sind so zusammengekommen. Der Verkaufserlös soll in die Anschaffung eines neuen Spielgerätes für den Schulhof fließen. Da hofft man natürlich, dass nach dem Fisch- auch der Kuchenappetit groß ist.

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