Heyda: Mit 86 Jahren noch in der Schmiede

Heyda  Die Handwerker Sattler, Tischler, Schmiede und auch Schneider sind oft schon aus den Dörfern verschwunden

Wenn Claus Reinhardt um eine nachbarschaftliche Gefälligkeit gebeten wird, macht er sich ans Werk.

Wenn Claus Reinhardt um eine nachbarschaftliche Gefälligkeit gebeten wird, macht er sich ans Werk.

Foto: Karl-Heinz Veit

Claus Reinhardt ist der „Heydaer Schmied“. Die Schmiedewerkstatt mitten im Dorf im Untergeschoss seines Wohnhauses kennen nur die Einheimischen. Kein Firmenschild und kaum noch Arbeitsgeräusche weisen auf den einstigen, florierenden Handwerksbetrieb hin.

Lange ist es her, als im kleinen Vorhof unter der alten Linde Arbeits- oder Reitpferde angeleint wurden und geduldig auf ihren Hufbeschlag warteten. Da klangen hell und rhythmisch die Hammerschläge auf dem Amboss. Der Schmied kam „in Takt“, um ein glühendes Eisen mit gezieltem, dumpfen Schlag in die gewünschte Form zu bringen. Schön rund gebogen wurde das Hufeisen, vierkantig spitz das Pfahleisen geschmiedet. Die Schneide von Rodehacke oder Kreuzpickel wurde flach ausgeschmiedet. Dann folgte, was nur mit meisterlichem Geschick und großer Berufserfahrung gelingen kann- das Härten des Stahls. Claus Reinhardt kennt für diese Prozedur noch jeden Trick – von der Anlassfarbe des Metalls, bis zum kurzen Eintauchen der zu härtenden Spitze oder Schneide in den Eimer mit abgestandenem Wasser.

„Ich mache heute nur noch kleine Gefälligkeitsarbeiten, wenn mich Nachbarn oder Freunde um Hilfe bitten. Das Beschlagen von Pferdehufen gehört seit langem nicht mehr dazu. Aber eine Hacke wieder spitz schmieden, das schaffe ich noch“, erzählt Claus Reinhardt. Sein Alter von fast 86 Jahren sieht man ihm nicht an. Ein gutes halbes Stündchen Arbeiten am offenen Feuer, so alle zwei drei Wochen, das sei ein Pensum, wo er noch keine Atemnot bekommt, sagt er.

Die alten Zeiten sind vorbei

„Ich mache die Kleinarbeiten dann quasi ehrenamtlich fürs Dankeschön und freue mich, wenn ich helfen und mich ein bisschen über alte Zeiten unterhalten kann.“ Besonders glücklich ist Uropa Claus immer dann, wenn der sechsjährige Urenkel Oskar aus Langewiesen ihm beim Schmieden in der Heydaer Werkstatt zuschaut und bei strenger Beachtung des Arbeitsschutzes auch selbst einmal den nicht ganz so schweren Schmiedehammer schwingen darf.

„Wir hatten im Dorf und in der Nachbarschaft alle Handwerke, die zur Selbstversorgung gebraucht wurden. Tischler, Sattler, Stellmacher, Klempner, Schneider und natürlich auch den Schmied gab es hier. Jeder hatte Arbeit und jeder hatte damit auch sein Auskommen. Reich wurde zwar keiner, aber zufrieden waren alle, wenn er Nutzen bringen konnte und seine Handwerksleistung anerkannt wurde“, schwärmt Reinhardt von „den alten Zeiten“, die vorbei sind.

Ihm liegt es sehr am Herzen, die alten, guten Tugenden und Traditionen zu bewahren. Dazu gehören für ihn auch, immer Freundlichkeit gegenüber jedermann zu üben, Hilfeleistung zu geben, wenn sie gebraucht wird und den Gemeinschaftsgeist im Dorf nicht untergehen zu lassen.

Wenn ab und an in Heyda aus der offenen Schmiedewerkstatt das Klanggeräusch des Schmiedehammers zu hören ist, sagt manch einer der Alten: „Hier ist die Welt noch ein Stück in Ordnung.“

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