Hinter verschlossenen Türen (28): Dienstedter Karsthöhle vor 55 Jahren entdeckt

Die Dienstedter Karsthöhle wurde vor 55 Jahren von Felix Gebser entdeckt. Für unsere Serie wurden die Türen zur Erlebniswanderung auf den Spuren der Ur-Ilm schon vor Saisonbeginn geöffnet.

Reinhard Gebser führt das Erbe seines Vaters Felix weiter, der 1957, also vor 55 Jahren, die Dienstedter Karsthöhle entdeckte. Foto: Thomas Becker

Reinhard Gebser führt das Erbe seines Vaters Felix weiter, der 1957, also vor 55 Jahren, die Dienstedter Karsthöhle entdeckte. Foto: Thomas Becker

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Dienstedt. Um ehrlich zu sein - eigentlich waren die Entdecker der Dienstedter Karsthöhle ja frühe Vorfahren von uns, außerdem Tiere wie Füchse, die hier einen einzigartigen Unterschlupf fanden. Das Verdienst, die Attraktion den Menschen der Neuzeit eröffnet zu haben, gebührt allerdings dem Dienstedter Felix Gebser.

Der, eigentlich Landwirt und Mühlentreiber, hatte ein großes Herz für die Heimatforschung, beschäftigte sich dafür nicht nur mit Ausgrabungen auf Geländen früherer Ortschaften, sondern war auch neugierig, ob die an vielen Plätzen der Umgebung sichtbaren Auswaschungen vielleicht auch eine begehbare Höhle gebildet haben könnten.

1953 und 1954 war er schon auf der richtigen Spur, grub allerdings noch erfolglos wenige Schritte neben dem heutigen Haupteingang zur Höhle. 1957 war ihm dann das Glück hold - durch das Aufgraben eines Fuchsbaus entdeckte er die Höhle. Mit einigen Helfern arbeitete er sich ins Innere vor und stieß auf einen nahezu geröllfreien Quergang. Scherben, Knochen, Holzkohlereste und Steingeräte zeugten davon, das früher Menschen die vor Millionen Jahren vom Wasser der Ur-Ilm ins Gestein gegrabenen Gänge als Zuflucht nutzten.

Die erstaunlichste Entdeckung gelang Lothar Großkunze, der im Höhlensand auf ein versteinertes Kieferfragment eine Pflasterzahnsauriers stieß. "Das wurde später von Geologen der Bergakademie Freiberg mitgenommen, seitdem fehlt leider jede Spur davon", sagt Reinhard Gebser, Sohn des 1988 verstorbenen Höhenentdeckers. Ein anderes Fundstück, ein steinernes Trinkgefäß, findet man heute im Museum für Ur- und Frühgeschichte in Weimar.

Über die Jahrzehnte wurde die Höhle Stück für Stück von Einlagerungen befreit, gesichert und gestaltet. So gab es in den ersten Jahren unter anderem Ausgrabungen in der Fleder-mauskluft, wo es einen vier Meter hohen Kamin gibt. "Im vergangenen Jahr haben wir aber nur eine Fledermaus gesehen", sagt Reinhard Gebser.

Riesiges Hohlraumsystem wird im Berg vermutet

Es gibt einen Anhaltspunkt dafür, dass das System der Klüfte und Gänge riesig sein könnte. "Als einmal bei Barchfeld ein Wacholderbusch brannte, haben wir das drei Stunden später hier in der Höhle gerochen", so der 67-Jährige, der schon als Kind durch die Gänge kroch. "Ende der 50er Jahre kam ich hier in eine Spalte, da waren plötzlich zwei Füchse neben mir. Weil ich mir die Arme an den Steinen aufgeschabt hatte, musste ich eine Woche ins Krankenhaus für die Tollwut-Impfung", erinnert sich Gebser.

Diese und weitere Episoden erzählt er heutzutage Besuchern, wenn die Höhle im Sommerhalbjahr für Besichtigungen öffnet (Erwachsene 2 Euro, Kinder 1 Euro). Dann führt der ehemalige Fernsehmechaniker auch durch den Bereich, der durch Manfred Korn, Winfried Wolf und Gerhard Hoffmann von 1993 bis 1998 bergmännisch erschlossen wurde, weil eine geologische Verwerfung den natürlichen Gang zum Einsturz gebracht hatte. 12 850 Schubkarren Abraum (60 Tonnen Gestein) wurden damals per Hand heraus geholt, 50 Tonnen Feldgestein als Sicherungsmauerwerk im Ausgangsbereich eingebaut und eine Treppe zur Überbrückung des Höhenunterschiedes errichtet.

Die Temperatur in der Höhle liegt übrigens meist bei 7 bis 8 Grad, im Sommer auch schon mal bei 13. Momentan ist es trocken, im Vorjahr tropfte es zuweilen von der Decke. Dass es früher deutlich mehr Sickerwasser gab, zeigt ein schöner Tropfstein-Wandbehang. Den Füchsen, die einst hier lebten, war der Trubel nach der Höhlenöffnung zu viel. Dafür haben heute Marder die Gänge als Rückzugsgebiet entdeckt - ihre Hinterlassenschaften sind nicht zu übersehen. Ansonsten ist die Höhle aber pflegeleicht. Ärgerlicher ist da schon, dass immer mal wieder Menschen hier ihr Unwesen treiben, in diesem Winter zum Beispiel auch die Eingangstür aufbrachen.

Am 5. Mai öffnet die Höhle wieder ihre Pforten - Gelegenheit für alle, auch einmal einen Blick hinter die ansonsten verschlossen Türen zu werfen.

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