Holzhausen: Beatles und Bratwurst

Holzhausen  Silke Gonska und Frieder W. Bergner aus Weimar gastieren in Holzhausen. Publikum schwelgt im Musikgenuss Richtung Liverpool

Silke Gonska (Gesang) und Frieder W. Bergner (Posaune, Tuba) gastierten im Bratwursttheater in Holzhausen und  

Silke Gonska (Gesang) und Frieder W. Bergner (Posaune, Tuba) gastierten im Bratwursttheater in Holzhausen und  

Foto: Gabi Damm

Bratwurst und Beatles? Geht das zusammen? Es geht, und zwar genau so gut wie Beatles und Jazz. Dies bewies das Duo Silke Gonska (Gesang) und Frieder W. Bergner (Posaune, Tuba) am Samstagabend im Bratwursttheater, das uns leider bald verlassen wird.

Dem eingespielten Duo gelang es auf einfühlsame Weise, die Faszination der Beatles mit der Attraktion des Jazz zu verbinden. Und so spürte man bei jeder Interpretation wieder die Magie der größten Pop-Gruppe aller Zeiten, die mit der spannendsten Musikrichtung des letzten Jahrhunderts eine innige Verbindung einging.

Man merkte es den beiden Musikern an, dass sie auch 50 Jahre nach Auflösung der „Fab Four“ noch immer die musikalische und textliche Tiefe der Beatles-Songs bewundern. Dabei fiel auf, dass sie sich, bis auf die charmante Einleitung mit der deutschen Kurz-Version von „I wanna hold your hand“, auf die Spätzeit der Beatles, also die Jahre 1967-69, konzentrierten. So boten sie zwei Stücke vom legendären „Sergeant Pepper“-Album, fünf Lieder vom „Weißen Album“ und drei Songs aus dem Jahre 1969.

Die Magie der Beatles lebt wieder auf

Ferner fiel auf, dass mehr als die Hälfte der gespielten Titel, nämlich allein sechs, von Paul Mc Cartney, stammten, nur drei von John Lennon und immerhin zwei vom damals unterbewerteten George Harrison. Sollte diese Gewichtung darauf hindeuten, dass „in the long run“ doch Paul Mc Cartney der Hauptmatador gewesen ist?

In jedem Fall boten die beiden Weimarer mit launiger Conference zärtlich verjazzte Versionen, welche die Magie der Beatles auf fast unheimliche Weise wieder aufleben ließen. Wie herrlich zum Beispiel die tiefgründige Interpretation von George Harrison`s „Within you, without you“, die auch ohne Sitar und Tabla tief unter die Haut ging. Wie großartig die Version von „Mother nature son“, die aus der ursprünglich intimen Pastorale eine unbändige Burleske machte. Großartig wirkte auch die swingende und tanzbare Version von „Here comes the sun“ mit ihrem improvisierten Mittelteil.

Stimmliche Raffinesse paarte sich mit ergreifender Naturliebe bei „Blackbird“ und Humoriges zeigte sich bei der fetzigen „Revolution“. Menschliche und philosophische Tiefe boten die faszinierenden Interpretationen von „Dear Prudence“ und „The fool on the hill“. Das ebenso unterhaltsame wie tiefgründige Konzert endete mit der Zugabe „Imagine“, dem Kult-Hit John Lennons aus dem Jahre 1971, der wie die übrigen Lieder der Beatles noch heute gültige Fragen und Antworten aufwarf.

In jedem Falle kam das originelle Programm beim in großer Anzahl erschienenen Publikum bestens an. Die Verbindung von Pop und Jazz erwies sich auch an diesem lauen Herbstabend als spannend und äußerst unterhaltsam. Bei dem Instrumentarium, das hauptsächlich aus Tuba und Posaune bestand, war es verständlich, dass es eher die sanfteren und textlich gehaltvolleren Stücke der Beatles waren, die dem jazzigen Duo als Vorlage dienten. Aber es gab ja auch Flotteres – wie zum Beispiel das charmante „When I`m 64“ oder das rockige „Get back“.

Im Übrigen kamen ja auch noch das Schlagwerk, vor allem ziemlich perkussiv gespielt, zum Einsatz. Und natürlich die Elektronik, die beim Samplen von Stimme, Posaune und Tuba unentbehrlich war.

Insgesamt war es ein wohltuender Abend, an dem man in nostalgischen Erinnerungen an die „Fab Four“ aus Liverpool schwelgen konnte. Und so mancher Zuhörer dürfte sich dann zu Hause noch eine alte Beatles-Platte aufgelegt haben.

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