Ichtershausen: Neues aus dem ehemaligen Gefängnis

Ichtershausen  In Ichtershausen wurde vielfach deutsche Geschichte geschrieben. Im einstigen Gefängnis berichtet davon ab sofort ein neues Info-Zentrum.

Blick ins Innere des Info-Zentrums zu Romanik und Reformation in einem früheren Lagergebäude der einstigen Jugendstrafanstalt. Einige beeindruckende Urkunden sind ausgestellt, allerdings als Kopien, die Originale werden in Archiven sicher verwahrt.

Blick ins Innere des Info-Zentrums zu Romanik und Reformation in einem früheren Lagergebäude der einstigen Jugendstrafanstalt. Einige beeindruckende Urkunden sind ausgestellt, allerdings als Kopien, die Originale werden in Archiven sicher verwahrt.

Foto: Berit Richter

„Dies ist ein geschichtsträchtiger Ort, aber viele wissen das gar nicht“, sagt Thomas Seidel, der Geschäftsführer der Firma Neues Kloster Ichtershausen (NKI) GmbH & Co KG. Das soll sich ändern. Ab sofort gibt das Info-Zentrum Romanik und Reformation am Lutherweg Einheimischen wie Besuchern einen Überblick über die Geschichte des ehemaligen Klosters samt Kirche. Am nordöstlichen Ende des Klosterareals, direkt am Lutherweg, am Jakobspilgerweg und am Geraradweg, hoffen die Initiatoren,- viele Menschen zu erreichen.

Eingerichtet ist das Zentrum in einem ehemaligen Lagergebäude der Jugendstrafanstalt, deren Geschichte als Kloster und Schloss Jahrhunderte zurückreicht. Ein Ort, an dem wiederholt deutsche Geschichte geschrieben wurde.

Die Staufer-Freunde wählen König Philipp

So wurde Philipp von Schwaben im Verlauf des deutschen Thronstreits am 6. März 1198 in Ichtershausen vorbestimmt, am 8. März in Mühlhausen von der staufischen Partei zum König gewählt. 1204 warf sich der abtrünnige Landgraf Hermann von Thüringen in Ichtershausen König Philipp zu Füßen und erhielt Gnade gegen Stellung von Geiseln, darunter sein minderjähriger Sohn Ludwig IV., der spätere Gemahl der heiligen Elisabeth.

Dass man nun das Info-Zentrum einweihen konnte, mache nach all den Rückschlägen beim Umbau des seit 1870 als Gefängnis dienenden Areals Mut für künftige Schritte. Auch über diese Zeit wird das Zentrum informieren – und zwar jeden, der vorbeiläuft oder fährt. Wurde es doch so gestaltet, dass von außen Texte, Zeittafeln, Bilder und ein Film abzurufen sind. Im Inneren gibt es eine kleine Ausstellung mit Kopien historischer Urkunden und Fundstücken, so unter anderem Stuckresten aus romanischer Zeit, die bei Sanierungsarbeiten in der Kirche gefunden wurden.

„Wir wollen auch wechselnde Ausstellungen zeigen“, kündigte Thomas Seidel an. „Und wenn jemand zuhause etwas aus der Zeit der Romanik oder der Reformation hat, würden wir uns über Leihgaben freuen.“ Zudem kann der Raum, der auch über Toiletten, Tresen, Tische und Bänke sowie demnächst einen Ofen verfügt, für kleine Feiern gemietet werden.

Regelmäßige Öffnungszeiten kann der Förderverein Klosterkirche Ichtershausen als Betreiber bisher nicht anbieten. „Vielleicht, wenn hier das Nachbarschaftswohnprojekt realisiert ist“, meint Vorsitzender Hartwig Heyder. „Vielleicht gibt es dann Bewohner, die sagen, ich helfe ein paar Stunden mit.“

Mit 145.000 Euro hat die Thüringer Aufbaubank das Info-Zentrum gefördert, das vor allem dem Tourismus zugute kommen soll. Die 17 Vereinsmitglieder erbrachten zudem viel Eigenleistungen bei der Herrichtung des ehemaligen Wirtschaftsgebäudes.

Schauen wir wieder in die Historie: Während des Bauernkrieges versammelten sich 1525 in Ichtershausen 4000 Bauern und stellten radikale Forderungen. In dieser Zeit wurde das 1147 als zweites Zisterzienserinnenkloster auf deutschem Boden gegründete Kloster zerstört und seine Schätze geplündert. 1539 begann Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen auf dem Klostergelände mit dem Bau des Alten Schlosses. 1546 schrieben er und Landgraf Philipp von Hessen in Ichtershausen im Namen des protestantischen Militärbündnisses Schmalkaldischer Bund ihren historischen Absagebrief an den Kaiser, dem der Schmalkaldische Krieg folgte. 1641 fiel Ichtershausen an Herzog Ernst den Frommen von Gotha. 1676 erklärte dessen Sohn Herzog Bernhard I. Ichtershausen zu seiner Residenz, die er aber bereits vier Jahre später nach Meiningen verlegte.

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