Ilm-Kreis: Ärzte und Patienten beklagen Missstände

Ilmenau  Christdemokraten laden zu einer Gesprächsrunde zur Gesundheitspolitik nach Ilmenau. Die Besucherresonanz auf die Veranstaltung ist gut.

Auf diesem Archiv-Bild stehen die Patienten für die Vergabe von Terminen für ein Quartal bei einer Fachärztin in Ilmenau.

Auf diesem Archiv-Bild stehen die Patienten für die Vergabe von Terminen für ein Quartal bei einer Fachärztin in Ilmenau.

Foto: André Heß

Zwei Ärztinnen am Tisch wollten nicht verstehen, warum die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Thüringen mit einer Stiftung eine junge Ärztin förderte, die nicht gewillt war, ihre Praxis in Geschwenda oder Gräfenroda zu eröffnen, wo ein Mangel an Hausärzten besteht, stattdessen in Ilmenau, wo die Lage etwas entspannter ist.

„Die Kollegin wollte nicht dorthin“, sagte Sven Auerswald, KV-Geschäftsführer, am Dienstag bei einer gut besuchten Gesprächsrunde der CDU zur Gesundheitspolitik im Ilmenauer Restaurant „Zum kleinen Eisbär“. Der Fakt, dass in Gräfenroda Hausärzte fehlen, sei der KV bekannt. Man habe das auch als Fördergebiet erklärt.

Eine Kinderärztin aus Ilmenau klagte über ihr Arbeitspensum, sie müsse im Quartal 1500 Scheine schreiben, bekomme aber nur 66 Prozent der von ihr angeforderten Leistungen bezahlt. Der Grund hierfür liegt in einem Honorardeckel, der für 4000 Ärzte in Thüringen gelte. Sie sagte, wenn sie dann jemanden für einen Termin abweise, würden „Eltern die Schwestern am Telefon bis auf fünf Zentimeter zusammenfalten“.

Die KV habe jetzt eine Bedarfsplanung von 270 zusätzlichen Ärzten für Thüringen auf dem Papier ermittelt. Derzeit seien allein 35 Hausarztstellen in Thüringen nicht besetzt. Diese zusätzlichen Ärzte einzustellen, mache aber nur Sinn, wenn diese zusätzlich von den Krankenkassen vergütet würden, sonst müssten auch dafür die 4000 Ärzte noch mitzahlen. Es handelt sich um Zusatzkosten von 70 Millionen Euro.

Als Gesprächspartner hatte Andreas Bühl (CDU) auch den Bundestagsabgeordneten und Parteikollegen Tino Sorge eingeladen. Er ist Mitglied im Ausschuss für Gesundheit des Bundestags und hat sein Elternhaus in Manebach. Er besuchte zuvor eine Seniorenresidenz in Gräfenroda und das noch in Holzhausen angesiedelte Bratwurstmuseum. Sorge sprach davon, dass die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum von statistisch belegbarer Unterversorgung oder von gefühlter Unterversorgung geprägt sei.

Dass inzwischen Ärzten der rote Teppich ausgerollt würde, damit sie sich auf dem Lande niederlassen, dass sie in Praxen im Angestelltenverhältnis arbeiten können und damit das wirtschaftliche Risiko nicht tragen müssen, all das ändere nichts an dem gewandelten Berufsethos der Ärzteschaft.

Der liege nicht mehr darin, als Landarzt wie selbstverständlich rund um die Uhr für die Patienten da zu sein. Darum werde sich auch die Versorgung auf dem Lande ändern mit der Digitalisierung, so der Bundespolitiker. Er sprach von elektronischer Gesundheitskarte und Patientenakte sowie von der Telemedizin. Das habe bisher seine Hürden in dem unzureichenden Internetempfang und zu geringen Übertragungsgeschwindigkeiten. Außerdem müsse man auf mehr Fachkräfte, besonders in der Pflege, aus dem Ausland zurückgreifen, dafür sei der Bundesgesundheitsminister europaweit unterwegs. Dass dies an einem zu geringen Mindestlohn liege, wie eine Ärztin einwarf, wollte Sorge nicht stehen lassen. Pflegefachkräfte würden längst weit über Mindestlohn bezahlt, in Klinken noch besser als im ambulanten Bereich.

Zur Bedarfsplanung hatte Sorge eine andere Meinung als die KV. Diese müsse schon genauer hinsehen bei der Unterversorgung in ländlichen Gebieten. Angesprochen wurden unterschiedliche Preise für Medikamente in Apotheken und Onlinehandel sowie von Krankenkassen nicht bezahlte Sätze von Winterreifen für Rettungswagen und Einsatzfahrzeuge der Bergwacht. Schließlich ging es um den „Profit der Krankenkassen“. Da sei die Politik gefragt, sagt eine Ärztin. Es fehle aber an politischem Druck.

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