Ilm-Kreis: CATL-Ansiedlung als Herausforderung

Ilm-Kreis  Am Erfurter Kreuz muss beim Verkehr auf der Straße und auf der Schiene einiges passieren. Die Zeit drängt

Der Europa-Chef des chinesischen Batterieherstellers CATL in Erfurt vor den Büroräumen der Landesentwicklungsgesellschaft, in denen die Investition vorbereitet wird.

Der Europa-Chef des chinesischen Batterieherstellers CATL in Erfurt vor den Büroräumen der Landesentwicklungsgesellschaft, in denen die Investition vorbereitet wird.

Foto: Martin Debes

Der chinesische Batteriezellen-Hersteller CATL baut am Erfurter Kreuz für 240 Millionen Euro eine Fabrik, nach Firmenangaben sind dort 600 neue Arbeitsplätze geplant. In vier Stufen soll demnach die Fabrik gebaut werden, in der Batterien auf Lithium-Ionen-Basis für Elektrofahrzeuge herstellt werden. Im Idealfall könne die Produktion schon 2020 beginnen. Mittlerweile hat CATL den Standort des insolventen Solarzellenherstellers Solarworld im Gewerbegebiet gekauft. Schon im November letzten Jahres hatte der Europa-Präsident von CATL, Matthias Zehntgraf, gesagt, dass es mit der Ansiedlung eigentlich nicht schnell genug gehen könne.

Natürlich überwiegt im Landratsamt des Ilm-Kreises die Freude über diese Ansiedlung. Zugleich sagt Landrätin Petra Enders (Linke): „Mit der für den Ilm-Kreis so wichtigen Ansiedlung kommen auf Thüringen, auf die Landesentwicklungsgesellschaft, das Amt Wachsenburg, die Stadt Arnstadt und nicht zuletzt auf den Landkreis viele Aufgaben zu, die es gilt, jetzt anzupacken.“

Sie sprach gegenüber unserer Zeitung davon, dass man für deren Bewältigung nicht viel Zeit habe: „Wir müssen damit jetzt in die Puschen kommen.“ Als erstes nennt sie den Ausbau der Thöreyer Straße. „Dass Erfurter Kreuz ist derzeit schon fast voll ausgelastet. Das war nicht abzusehen. Nur wenige Grundstücke können für Ansiedlungen noch vorgehalten werden. Das bringt auch Anforderungen an den Straßenverkehr mit sich“, so Enders. Der ist schon jetzt und ohne CATL recht problematisch.

Hauptbahnhof Arnstadt gehört zum Konzept

Die Thöreyer Straße muss deshalb als Zubringer zur A4 und ins Industriegebiet dringend ausgebaut werden, sie sei verkehrstechnisch am Limit. Durch CATL werde dies verstärkt. „Wir wünschen uns vom Land einen beschleunigten Ausbau, damit dem Vorhaben von CATL, hier täglich knapp hundert Container aus der Produktion zu transportieren – und auch den Anforderungen der anderen Unternehmen – nichts mehr im Weg steht.“ Die Thöreyer Straße soll dreispurig ausgebaut werden – mit einer direkten Autobahnanbindung. Hier sei laut Enders vor allem das Land Thüringen gefordert.

Zweiter wichtiger Punkt: die Anbindung an die Schiene. Für das Erfurter Kreuz müsse die Schiene in der Verkehrsplanung eingebunden werden, heißt es aus dem Landratsamt. Die Stadt Arnstadt betreibt bereits eine Strecke, die auch durch „Gonvauto“ genutzt wird.

Ulrich Böttcher, der Chef der Bauaufsicht im Landratsamt, bezeichnete deren Auslastung als gut. Da CATL nach eigenen Angaben auch CO2-freundlich produzieren will, plant man am neuen Standort auch ein Container-Terminal für die Schiene, dazu müsste eine neue Gleisverbindung gebaut werden. Die Stadt habe solche eine neue Schienenstrecke bereits eingeplant, die nun CATL zugute kommen könnten. „Jetzt gilt es, diese Planungen auch zügig anzufassen und umzusetzen. Der Schienenausbau am Erfurter Kreuz muss fortgesetzt werden“, so Enders. Was auf die Schiene kann, das soll auch auf der Schiene fahren und damit die Straßen entlasten, so das Credo. Personenverkehr wird es dort laut Böttcher aber nicht geben, dafür gelten andere und viel teurere gesetzliche Vorgaben als für den Güterverkehr.

Eines von Enders Steckenpferden ist der umweltfreundliche Schnellradweg. „Das Fahrrad ist mittlerweile im Arbeitsalltag angekommen und wird auch am Erfurter Kreuz von vielen Arbeitnehmern genutzt.“ Dem müsse man in der Verkehrsplanung gerecht werden. „Ich wünsche mir für das Erfurter Kreuz alternative Mobilitätsangebote, zu denen auch ein Schnellradweg gehört“, so Enders.

Und: Der Busverkehr müsse mit dem Schienenverkehr vertaktet werden, um den Schichtdiensten im Industriegebiet gerecht zu werden und noch mehr Anreize für die Nutzung des öffentlichen Personenverkehrs zu schaffen. Nicht zuletzt wolle man den Arnstädter Hauptbahnhof als Mobilitätszentrum ausbauen – mit guter Anbindung an des Erfurter Kreuz.

Vierter Punkt auf Enders Liste ist die Ankündigung von CATL, nicht nur zu produzieren, sondern auch zu entwickeln.

Im Landratsamt gibt es schon lange Zeit Pläne, am Erfurter Kreuz ein Service- und Transferzentrum zu schaffen. Die bekämen jetzt eine zusätzliche Bedeutung. „Unsere Ideen lassen sich wunderbar mit denen von CATL kombinieren“, so Enders. Denn am Erfurter Kreuz werde bereits entwickelt.

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