Ilm-Kreis: Frau verurteilt, die ihren Geliebten schlug

Ilmenau  Eine Frau soll ihren damaligen Lebensgefährten geschlagen und in der Wohnung eingeschlossen haben. Das Gericht verhängt eine scharfe Strafe.

Nach einem Besuch beim Ilmenauer Altstadtfest kam es zwischen einer Frau und ihrem damaligen Freund zu Handgreiflichkeiten.Archiv-

Nach einem Besuch beim Ilmenauer Altstadtfest kam es zwischen einer Frau und ihrem damaligen Freund zu Handgreiflichkeiten.Archiv-

Foto: Ralf Ehrlich

Bislang wurden gegen eine 40-jährige Frau wegen diverser Delikte nur Geldstrafen verhängt. Doch nun war das Maß überschritten. In der Verhandlung in dieser Woche erhielt die Angeklagte wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung eine Gefängnisstrafe auf Bewährung. Dabei sah es zunächst so aus, als könnte die Sitzung in Anwesenheit der Beschuldigten gar nicht stattfinden. Erst die Polizei brachte die Frau ins Gerichtsgebäude.

Was verhandelt wurde, trug sich im Sommer des vergangenen Jahres zu. Die Angeklagte und ihr damaliger Freund besuchten das Altstadtfest in Ilmenau und nahmen dabei auch Alkohol zu sich. Zurück in der Wohnung der Beschuldigten soll ihr der 58-Jährige offenbart haben, dass er die Beziehung beenden und zurück zu seiner Frau gehen wolle. Das war seiner Schilderung zufolge der Auslöser dafür, dass ihm die 40-Jährige mit der flachen Hand ins Gesicht schlug, sodass er in einen Spiegel fiel und sich dabei mindestens eine Schnittverletzung im Gesicht zuzog.

Gerangel endet im Sturz in einen Spiegel

Nach Angaben der Frau stellte sich der Vorgang aber etwas anders dar. Ihr gegenüber soll sich der Mann handgreiflich und aggressiv verhalten haben, sodass sie sich mit einer Ohrfeige zu Wehr setzte. Im Gerangel seien sie schließlich beide in den Spiegel gestürzt.

Auch zum zweiten Teil der Anklage hörte das Gericht zwei verschiedene Versionen: Während der Geschädigte angab, dass sie die Wohnungstür abgesperrt, den Schlüssel abgezogen und ihn so am Gehen gehindert habe, sagte die Frau aus, dass der Schlüssel jeden Abend im Schloss stecke – weil sich die Tür sonst nicht schließe. Dass sie ihren ehemaligen Freund habe einschließen wollen, dementierte sie. Nur mit ihm reden wollte sie, gab die Angeklagte vor Gericht an. Der Mann fügte sich an diesem Abend in sein Schicksal und schlief auf der Couch. Erst am nächsten Tag konnte er den Heimweg antreten.

Vorwurf der Freiheitsberaubung

Doch damit sah die Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Freiheitsberaubung erfüllt. Für diese Tat und die Körperverletzung beantragte die Anklage acht Monate Freiheitsentzug, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung. Dazu sollte die Frau 200 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Die Verteidigerin erklärte hingegen, es sei unwahrscheinlich, dass bei einer solchen Auseinandersetzung nur eine Person beteiligt sei. Eine Freiheitsberaubung ließ sich aus ihrer Sicht nicht klar nachweisen, weswegen allenfalls die Körperverletzung im Raum stehe. Die Rechtsanwältin beantragte daher eine Strafe von drei Monaten Haft auf Bewährung.

Richter Jörg Türpitz verhängte schließlich eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung. Zudem gab er der Frau 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit auf. Zweimal im Monat muss sie sich zudem bei einem Bewährungshelfer melden. Die Angeklagte nahm das Urteil an.

In einer Pause bot sie dem Mann und seiner Ehefrau noch die Versöhnung an, doch beide lehnten kategorisch ab.

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