Ilm-Kreis: Lange Leidenszeit am Riechheimer Berg

Ilm-Kreis  Ende November ist auch die Ortsdurchfahrt in Wüllersleben wieder frei. Firmen rund um den Riechheimer Berg können dann aufatmen

Eine Investition in die Zukunft: Bäckermeister Reinhard Zänker, Ehefrau Heike und Verkäuferin Anette Bomm (von links) stehen am neuen Verkaufstresen der Bäckerei in Bösleben, der kürzlich auch mit EU-Fördermitteln dort eingebaut wurde.

Eine Investition in die Zukunft: Bäckermeister Reinhard Zänker, Ehefrau Heike und Verkäuferin Anette Bomm (von links) stehen am neuen Verkaufstresen der Bäckerei in Bösleben, der kürzlich auch mit EU-Fördermitteln dort eingebaut wurde.

Foto: Robert Schmidt

Ende November soll die Ortsdurchfahrt in Wüllersleben wieder für den Verkehr freigegeben werden. Damit verschwindet die letzte große Baustelle des Wasser- und Abwasserzweckverbandes Arnstadt und Umgebung (WAZV) in den Orten rund um den Riechheimer Berg. Und damit endet dann auch für die Gewerbetreibenden in Wüllersleben, in Bösleben und in Elxleben und in den umliegenden Orten eine ziemlich lange Leidenszeit.

Zuerst war Bösleben dran, dort verlegte der WAZV im Jahr 2013 neue Ver- und Entsorgungsleitungen, die Ortsdurchfahrt war monatelang gesperrt. Seit 2017 wurde dann auch an der Hauptstraße in Elxleben gebuddelt, sie war dann in den letzten Jahren immer für mehrere Monate gesperrt. Anfang des Jahres, als die letzten Arbeiten vom Anger bis zum letzten Haus in der Stadtilmer Straße Richtung Bösleben erledigt wurden, geschah das zeitgleich mit der Sperrung in Wüllersleben.

Die gleichzeitigen Straßensperrungen in Elxleben und Wüllersleben machen sich bei den Kleinhändlern massiv bemerkbar. Von einem Drittel weniger Kunden ist zum Teil die Rede, man fühlte sich nicht gut informiert, die Hinweisschilder auf die Erreichbarkeit der Firmen sei nicht gut genug und ausreichend, hieß es immer wieder.

„Wir hatten während dieser Zeit Umsatzeinbußen“, sagt Heidrun Hartl vom gleichnamigen Gartenmarkt in Elxleben. Viele Kunden hätten aber auch die teilweise schon extremen Umleitungen in Kauf genommen, „die haben uns die Treue gehalten“. Sie sagt aber auch: „Die Arbeiten waren sicherlich irgendwie notwendig, da hilft es dann auch nicht, auf die Tränendrüse zu drücken.“ Und schließlich hätten ja auch alle, die das wollten, diese Zeit überstanden. Allerdings: Eigentlich wollten die Hartls eine verkürzt arbeitende Arbeitskraft zusätzlich einstellen. „Dafür hat dann aber das Geld durch die Umsatzverluste gefehlt“, so Heidrun Hartl. Und: Die Kosten für das Betreiben der Gärtnerei blieben während all dieser Monate gleich hoch.

Auch bei der Bäckerei Zänker in Bösleben – genau zwischen Elxleben und Wüllersleben gelegen – haben die jahrelangen Bauarbeiten an den Nerven gezerrt. Rund 30 Prozent weniger Geld verdiente man dort während der Bauzeit, ein Verlust, der sich bei einem Betrieb dieser Größe – zehn Beschäftige arbeiten hier – dann doch schon spürbar ist. Kaum war aber Elxleben wieder frei, investierten die Zänkers jetzt in ihre Bäckerei. Seit kurzem werden die Kunden dort an einem neuen Verkauftresen bedient. In nur drei Tagen wurde kürzlich das über 60.000 Euro teuere Teil eingebaut. Bäckermeister Reinhard Zänker bekam dafür 30.000 Euro EU-Fördermittel aus dem Topf für die Entwicklung des ländlichen Raumes, vermittelt durch die Handwerkskammer. Während der Umbauarbeiten wurde natürlich weiter gebacken und verkauft, immerhin kommen die Kunden aus der gesamten Region – unter ihnen auch viele aus Erfurt und aus Saalfeld-Rudolstadt. Die blieben – trotz der extra aufgehängten großen Poster mit den Hinweisen auf die Umleitungen aus Richtung Erfurt und Stadtilm während der Bauzeit größtenteils aus, während die Einheimischen irgendwie zu ihren frischen Brötchen und Kuchen kamen. „Es ist für uns auch gleichzeitig eine Investition in die Zukunft“, so Heike und Reinhard Zänker, denn in etwa zwei Jahren wollen sie das Geschäft an die Tochter Franziska übergeben. Beim alten Tresen funktionierte die Kühlung nicht mehr richtig, außerdem war er einfach in die Jahre gekommen. Die traditionsreiche Bäckerei gibt es seit 1933.

Ein ähnliches Bild gab es in der Agrargenossenschaft Bösleben – die neben der eigentlichen Landwirtschaft ja auch die Pension, den Menüdienst und der Landfleischerei sowie die Tankstelle in Wüllersleben betreibt. Dort verzeichnete man Umsatzverluste von gut 30 bis 40 Prozent. Trotzdem blieb und bleibt die Tankstelle geöffnet, denn das ist vor allem für die älteren Leute im Ort wichtig, ist sie doch – neben dem Angebot der Bäckerei Zänker – der einzige Ort, wo die auch Lebensmittel einkaufen können.

Im Café und der Pension „Libelle“ in Elxleben hatte man ebenfalls auf die Sperrung reagiert. Die Pension läuft gut, das Café war während der Sperrung der Hauptstraße nur noch sonnabends und sonntags geöffnet. Seitdem die Hauptstraße wieder frei war, konnte man dort auch wochentags Eis schlecken.

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