Ilm-Kreis: Unwetter richten viel Unheil an

Ilm-Kreis.  Vor allem im nördlichen Kreisgebiet liefen durch Gewitter und Starkregen am Wochenende viele Keller voll Wasser, Schlamm und Geröll.

Durch dieses Fenster kletterte Monika Großmann, um sich in der Nacht zu Sonntag in Sicherheit zu bringen. Ihr Mann Martin zeigt, wie hoch Wasser und der Schlamm in der Waschküche standen.

Durch dieses Fenster kletterte Monika Großmann, um sich in der Nacht zu Sonntag in Sicherheit zu bringen. Ihr Mann Martin zeigt, wie hoch Wasser und der Schlamm in der Waschküche standen.

Foto: Robert Schmidt

Die einen grillten gerade, die anderen lagen bereits im Bett, wiederum andere schauten fern. Solange es jedenfalls noch ging. Denn irgendwann blieben Samstagabend die Bildschirme dunkel. Da wusste man: Es kommt wettermäßig was. „Ich schaute aus dem Fenster, da schaffte es der Abfluss im Hof gerade noch so“, erzählt Michaela Heerwagen aus Ettischleben.

Ein paar Minuten später wurde sie von einem Geräusch aufgeschreckt, „dass ich so noch nie gehört habe.“ Da wälzte sich schon die Schlammlawine durch den Vierseitenhof der Familie Gohlke in Richtung Stall und Garten. Mindestens 30 Zentimeter stand das Wasser, der Schlamm und das Geröll im Hof. Das war in der Nacht zum Sonntag. „Man hatte keine Chance, die Gullys zu öffnen, der Druck war viel zu groß.“

Bei Werner Remde standen Wasser und Schlamm genau 83 Zentimeter hoch, er wurde durch die Tür zur Waschküche und in den Heizraum gedrückt. Seine Tochter wohnt seit Jahren in den Niederlanden, sie setzte sich nach einer Nachricht ihres Vaters sofort ins Auto, fuhr die 500 Kilometer nach Ettischleben und schaufelte dann den ganzen Sonntag den Dreck weg. Da halfen bereits die Nachbarn Brigitte und Klaus Hartung und Walther Hoffmann. Sie räumten am Montag auch noch den Garten auf. Viele Pflanzen haben das Unwetter nicht überlebt.

Bei Familie Großmann stand der Wasser und der Schlamm gar anderthalb Meter hoch in der Garage und in der Waschküche. Monika Großmann konnte nur noch schnell aus dem Waschküchenfenster klettern, um sich in Sicherheit zu bringen. An Schlaf war nicht mehr zu denken, zum Glück besitzt der Sohn von Monika und Martin Großmann eine leistungsstarke Pumpe, die er gleich zu seinen Eltern brachte. Danach wurde bis Sonntagabend aufgeräumt, auch am Montag war da noch sehr viel zu tun.

Die Ettischlebener hatten Glück, dass es Sonntag bei ihnen nicht auch noch stark regnete und sie die Schäden beseitigen konnten. Der Freund und Bald-Ehemann von Michaela Heerwagen, Michael Gohlke, hatte sich extra einen Radlader besorgt, anders war den Schlammmassen nicht Herr zu werden. Sie alle betonen: Die Nachbarschaftshilfe war unglaublich, die Feuerwehr hat geholfen, wo sie nur konnte. Die war auch am Sonntag im Einsatz, um die Schäden beseitigen zu helfen. Den Großmanns brachte am Montag Ortsteilbürgermeisterin Katja Beier (Bürgerprojekt) eine Waschmaschine vorbei. Die Betroffenen informierten auch gleich ihre Versicherungen, „hoffentlich kommt der Gutachter bald vorbei, wir haben genug um die Ohren und keine Zeit für Papierkram“, so Monika Großmann am Montag, während sie mit ihrem Mann die Waschküche leer räumte. Bei ihnen war nicht nur die Waschmaschine hin, auch alle anderen Maschinen – Sägen, Schweißmaschinen, Bohrmaschinen und andere Elektrogeräte – von Martin Großmann sind nur noch Schrott. Ein Glücksfall war, dass die Wipfra nicht über die Ufer trat. Denn dann wäre alles viel schlimmer gekommen.

Möhrenbachs Ortsteilbürgermeister Matthias Steitz (CDU) war Sonntagnachmittag in Jesuborn. Dort kam kein Tröpfchen runter, aber er wurde informiert, dass es bei ihm im Ort ganz anders aussah. Er eilte zurück, da wälzten sich schon Wasser und Schlamm über die Gansleitestraße. „Zum Glück wurden keine Keller unter Wasser gesetzt“, so Feuerwehrchef Alexander Bauer. Die Straße und die Gehwege allerdings sind jetzt wohl hin, „da müssen wir uns etwas einfallen lassen“, sagt Steitz. „Die Gräben haben die Wassermassen einfach nicht fassen können, die müssen wir jetzt auch wieder in Ordnung bringen.“

In Alkersleben und Bösleben liefen in der Nacht von Samstag zu Sonntag ebenfalls etliche Keller voll, Straßen wurden mit Geröll verstopft. „Ein Problem war auch, dass die Grasmahd, die dann durch die Wassermengen mitgespült wurde, die Gullys verstopfte“, sagte Kreisbrandmeister André Wagner. Am Sonntag spülte ein starke Regenguss dann in Alkersleben noch einmal Unmengen von Wasser in den Ort, hier liefen einige Keller von Häusern an der Straße „Am Berg“ und auch im Ort voll. „Es ist aber toll zu sehen, wie die Einwohner sich gegenseitig helfen und alle mit anpacken, um alles wieder halbwegs sauber zu bekommen“, sagte Wagner am Montag.

Auch in Holzhausen hielt der Starkregen die Feuerwehrleute auf Trab. Am Sonntagmittag sicherten sie eine Baustelle des Wasser- und Abwasserzweckverbandes im Bereich des Wohngebietes „Am Heiligenberg“ mit Sandsäcken ab, die drohte vollzulaufen, und reinigten Regenrinnen und Straßenabläufe von Schlamm und Geröll, der in der Nacht zuvor dort angespült wurde.

Die Rettungsleitstelle des Ilm-Kreises zählte bis Sonntagabend immerhin rund 20 Feuerwehreinsätze wegen der Unwetter – es war ein unruhiges Wochenende für alle Feuerwehrfrauen und -männer.